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Full text of "Klage des regierungsrathes des kantons Solothurn, namens des letztern ..."

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des 

Regierungsrathes des Kantons Solothurn, 

Namens des Letztern, Kläger, 
gegen 

die frühere Direktion und die ehemaligen Mitglieder 
des Verwaltungsrathes-der Kypothekarkasse Solothurn 

Beklagte, 

betr. Forderung aus Mandat. 

Dem schweizerischen Bandesgericht 

vorgelegt von 
Professor Dr. MEILI, 

Advokat in Zürich 

(Vertreter des Kantone Solothurn). 



ZÜRICH ,/; 

Druck TOii ORELL FÜSSLI & Co. 

18 8 8. ^^ ) 



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"Tk^Ju. (I I )%, 



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An das hohe Schweiz. Bundesgericht 

In 

Lausanne. 

^err Präsident! 

^ocRgeacRük ^erren! 

!Namens des Regierungsrathes des Kantons Solothurn und 
diese Behörde Namens des Letztern erhebt der unterzeichnete 
Anwalt eine Civilklage gegen folgende Personen: 

1. Leo Niggli in Solothurn, gewesener Direktor der Hypo- 
thekarkasse Solothurn, bevormundet durch seine Ehefrau 
Emilie Niggli geb. Scherer daselbst. 

2. Herrn Urs Heutschi, alt Begierungsrath und gewesener 
Präsident des Verwaltungsrathes der Hypothekarkasse in 
Solothurn. 

3. Herrn Franz Trog, Oberamtmann in Ölten. 

4. Herrn Hieronimus Burkhardt- Eckenstein, Direktor der 
Handwerkerbank in Basel. 

ö. Herrn A. Kaufmann, Hypothekenverwalter in Solothurn. 

6. Herrn Albert Jäggi, Kantonsrath in Balsthal. 

7. Die Erben des Herrn Begierungsrath B. Baumgartner 
von Oensingen, Solothurn, nämlich: 

a) Herrn Julius Baumgartner, cand. jur. in Solothurn. 
bj Herrn Friedrich Otto Baumgartner, prakt. Arzt in 
Gerliswyl bei Emmenbrücke (Kt. Luzern). 

c) Fräulein Marie Amalie Baumgartner in Gerliswyl. 

d) Fräulein Lina Josephine Baumgartner bei Herrn Samuel 
Schlesinger in Toertel (Czegled) Pester Comitat. 



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— 4 — 

8. Herrn Ferdinand Lttthl, Thierarzt in Solothurn. 

9. Herrn Alfred Roth-Ramser, Oberst in Wangen a./A. 

10. Die Erben des Herrn Major Wilhelm Ludwig Zepfel, Buch- 
drucker von Solothurn, nämlich: 

a) den minorennen Otto Wilhelm Zepfel, 

b) die minorenne Mathilde Marie Zepfel, 

beide bevormundet durch ihre Mutter Frau Wittwe 
Elisabetha Zepfel geb. Sesseli in Solothurn. 

11. Herrn Viktor Güggi, Staatskassier in Solothurn. 

Ich stelle die 

Rechtsbegehren : 

1. Die sämmtlichen Beklagten seien solidarisch 
verpflichtet, an die Klägerschaft 1,350,000 Fr, 
nebst Verzugszinsen vom 25. April 1888 an 
zu bezahlen, 

2. Der Beklagte Heutschi sei überdies noch ver- 
pflichtet 80,000 Fr. nebst b^jo Zinsen vom 
23. April 1888 an, an die Elägerschaft zu 
entrichten, 

Alles unter Kostens- und Entschädigungsfolge. 

re 1 u. 2. Ich lege Prozessvollmacht vor und verweise auch auf die 

Erklärung der Kantonalbank von Solothurn. 



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Facta- 



1. 

Ln Jahre 1868 wurde die Solothurner Hypothekarkasse 
geschaffen durch das Gesetz vom 21. November 1868 (abgeändert 
im Jahre 1874). Die Bank ist auf Actien gegründet. 

Der Kanton Solothurn betheiligte sich bei diesem Unter- 
nehmen nach zwei Richtungen hin: 
a) als Uebemehmer von Actien, 

h) als Garant gegenüber den Actionären für den Betrag 
ihrer Actien mit 4V4^/o Zins, lt. § 1, 4 und 18<les cit. 
Gesetzes. 
Der Zweck der Bank war, durch Aufbringung der erforder- 
lichen Geldmittel dem Grund- und Häuserbesitz und 
dem Gewerbe gegen genügende hypothekarische 
Sicherheit Elapitalien anzuleihen. 

In Ausführung des Gründungsgesetzes, das ich beilege, wurde Boiugrc s 
den 19. März 1869 ein sogen. Verwaltungsreglement erlassen, 
das später abgelöst wurde durch dasjenige vom 25. April 1876. 
Ich produzire beide Reglemente. Beilage 4 

üeber die Art und den Umfang der hypothekarischen Sicher- 
heit ist in § 22 des Gesetzes Folgendes bestimmt: 

Die Darlehen auf Hypotheken dürfen nur auf sichere, im Kantone 
gelegene Unterpfänder gemacht werden. 

Die Yerwaltung hat bei diesen Darlehen insbesondere darauf zu 
achten, dass die auf eine Liegenschaft oder Gebäulichkeit einzutragende 
Schuld der Art im Verhältnisse zum Werthe des dargebotenen Pfandes 
stehe, dass voraussichtlich bei einem Verkaufe, auch bei ungünstigeren 
Tolkswirthschaftlichen Verhältnissen, der muthmassliche Erlös, Kapital, 
Zins und Kosten der Hypothekarkasse zu decken vermöge. 

Wo es die Ven^altung für nöthig erachtet, soll nebst Unterpfand 
auch noch Bürgschaft gefordert werden. 



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— 6 — 

Im Uebrigen wurde in § 21 des Gesetzes der Geschäfts- 
kreis der Kasse folgendermassen präzisirt: 

a) Die Hypothekarkasse macht Darlehen auf Unterpfänder; 

b) Sie übernimmt oessionsweise Hypothektitel; 

c) Sie gibt Yorsohüsse gegen Faustpfänder und befietsst sich mit denk 

Ankaufe und Verkaufe Ton Werthpapieren nach Massgabe der 
§§ 28 und 29. 

Die citirten §§ lauten: 

§ 28. Der Hypothekarkasse ist gestattet, falls die Geldmittel in dem 
Masse Yorhanden sind, dass sie Yoraussichtlich für Anleihenszwecke nicht 
verwendet werden können, Obligationen der schweizerischen Eidgenossen- 
schaft, der Kantone oder schweizerischer Gemeinden, sowie Obligationei» 
solider schweizerischer Aktiengesellschaften anzukaufen und zu geeigneter 
Zeit wieder zu verkaufen. 

Unter gleicher Voraussetzung macht sie verzinsliche Vorschüsse 
gegen faustpfändliche Dargabe von Aktien, Obligationen und sonstigen 
Werthpapieren, die in der Schweiz zahlbar sind und vollständige Sicher'- 
heit darbieten. 

Der Zinsfuss für Vorschüsse ist auf 5 ^/o bestimmt. Diese Vor> 
Schüsse dürfen längstens auf die Dauer von drei Jahren gemacht werden. 

Für diesen Geschäftszweig wird eine Provision gestattet, welche für 
die längste Dauer 3 ^/o nicht übersteigen und bei Ausbezahlung des Dar- 
leihens in Abzug gebracht werden darf. 

Er darf aber die Gesammtsumme, welche für solche Ankäufe ver- 
wendet wird, in keinem Falle den sechsten Theil des einbezahlten Actien- 
kapitals übersteigen. 

§ 29. Sollte dagegen die Verwaltung wegen voraussichtlich naher 
Verwendung von der ihr in § 28 ertheilten Befugniss keinen Gebrauch 
machen können, so steht ihr die Befugniss zu, den betreffenden Theit 
des Baarvorraths vorübergehend durch Ankauf solider kurzsichtiger 
Werthpapiere oder als Depositum zinsbar anzulegen. 

Betreffend den Geschäftsbetrieb der Easse im Allgemeinen 
statuirt der § 32 : 

Schuldner, welche auf die Verfallzeit ihre Schuldbeträge der Hypo- 
thekarkasse nicht entrichten, sollen auf dem Wege der Betreibung zur 
Zahlung angehalten werden. 

Sie haben nach angelegter Betreibung, welcher eine gütliche 
Mahnung von wenigstens 14 Tagen vorauszugehen hat, für das 
Jahr des Versäumnisses ihr Schuldkapital zu 5 ®/o zu verzinsen^ 
welches auch der Zinsfuss desselben sei. 



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— 7 



Als Organe der Hypothekarkasse wurden bezeichnet: 

a) Die Aktionärversammlung ; 

b) Der Verwaltungsrath und die Delegirten; 

c) Die Verwaltungskommission; 

d) Die Angestellten: 

1. Der Direktor; 

2. Der Kassier; 

3. Der Buchhalter; 

4. Die Gteschäftsfuhrer in den äussern Bezirken und die 
übrigen Angestellten; 

e) Die Bechnungsrevisoren. 

Ueberdiess wurde erklärt, die Kasse unterstehe der Ober- 
aufsicht des Staates. 

3. 
Betrachten wir die Funktionen der einzelnen Organe und 
ihre Rechte und Yerpflichtungen, so geben uns Gesetz imd 
Beglement folgende Auskunft. 

I. 
Die Generalversammlung der Aktionäre 

ist die oberstleitende und entscheidende Behörde der Hypothekar- 
kasse. Sie versammelt sich ordentlicher Weise alle Jahre einmal 
und hat folgende hier in Betracht fallende Befugnisse: 

§ 43: 

c) Sie wählt in geheimer Stimmgehung die Mitglieder des Verwaltungs- 
rathes (§ 47) und die Bechnungsreyisoren (§ 62) und bringt dieselben 
dem Begierungsrath zur Eenntniss. 

d) Sie prüft den Jahresbericht des Verwaltungsrathes über die Geschäfts- 
führung der Hypothekarkasse, den Bericht der Beohnungsrevisoren 
über die Jahresrechnung und entscheidet über die bei diesem Anlasse 
gesteUten Anträge, sowie über die definitive Genehmigung der Jahres- 
rechnung und Feststellung der Dividende. 

e) Sie entscheidet überhaupt über aUe Anträge, die ihr vom Yerwaltungs- 
rathe und den Bechnungsrevisoren vorgelegt werden. 



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— 8 — 

n. 

Der Verwaltungsrath. 

Die §§ 47, 48 und 64 bestimmen 

Folgendes : 

§ 47. Der Yerwaltungsrath besteht aus neun Mitgliedern, wovon die 
Versammlung der Aktionäre fOnf und der Regierungsrath Namens des 
Staates vier ernennt. 

Die Amtsdauer des Yerwaltungsrathes ist auf 5 Jahre festgesetzt. 
Jedes Mitglied muss Aktionär der Hypothekarkasse sein. 

Er versammelt sich so oft als es die Geschäfte erfordern. 
§ 48. Die Befugnisse und Obliegenheiten des Yerwaltungsrathes sind 
folgende : 

ä) Er wählt aus seiner Mitte den Präsidenten, der den Namen „Präsident 
der Hypothekarkasse des Kantons Solothum*^ führt, den Yize-Präsi- 
denten, zwei Mitglieder und zwei Stellvertreter der Yerwaltungs- 
Eommission. 

c) Er entwirft das definitive Yerwaltungsreglement (§ 70), und unterstellt 
dasselbe der Genehmigung des Regierungsrathes. 

d) Ihm steht die Bestimmung der Besoldung der Hypothekarkassa- 
Angestellten und die Wahl derselben zu. 

e) Et bereitet alle Yorsohläge und Berichte vor, 
welche vor die Yersammlung der Aktionäre gehören, sowie diejenigen, 
welche dem Regierungsrath zu übermitteln sind. 

/) Er entscheidet über die Einführung und Yerwaltung der verschie- 
denen, der Hypothekarkasse gestatteten Geschäftszweige. 
h) Er prüft die Rechnungsabschlüsse, genehmigt den Yerwaltungsbericht 
und die Jahresrechnung zur Yorlage an die Aktionärversammlung und 
stellt seine Anträge über Feststellung der Dividende und die Yerthei- 
lung derselben (S 50). 
f') Er beschliesst über die Anträge der Yerwaltungskommission etc. 
l) Er entscheidet über alle Geschäfte, deren Behandlung durch gegen- 
wärtiges Gesetz nicht einer andern Behörde oder Beamtung zuge- 
wiesen ist. 

Der Yerwaltungsrath ist beschlussfähig, wenn die Mehrheit seiner 
Mitglieder anwesend ist. 

Derselbe ist für getreue Pflichterfüllung ver- 
antwortlich etc. 

§ 64. Der Yerwaltungsrath ist verpflichtet, dem Regierungsrathe alle 
sechs Monate einen übersichtlichen Bericht über den Betrieb der Hypo- 
thekarkasse , nebst einer summarischen Erzeigung des Yermögens- 



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— 9 — 

bestandes einzureichen nnd yon seinen Beschlüssen, die anf denselben 
oder die Betriebsergebnisse Ton wesentlichem Einflüsse sein könnten, 
Kenntniss zu geben. 

Die Mitglieder beziehen für ihre Verrichtungen 
Tag- und Beisegelder. 

Sodahn kommen folgende Bestimmungen des Yerwaltungs- 
reglementes in Betracht: 

§ 1. Die Aafdcht and Leitung der Geschäfte der Hypothekarkasse 
steht dem Yerwaltungsrathe und der Yerwaltungskommission zu. 

§ 2. Der Verwaltungsrath versammelt sich so oft, als die ihm nach 
§ 48 des Gesetzes zugeschiedenen Geschäfte es erfordern, oder die Yer- 
waltungskommission es för nöthig erachtet. 

§ 27. Die stete üeberwachung der GeschäftsfOhrung der Hypo- 
thekarkasse geschieht durch den Yerwaltungsrath und die Yerwaltungs- 
kommission. 

Die Delegirten. 
Das Verwaltungsreglement sagt in § 27, 2. und 3. Alinea: 

Der Yerwaltungsrath bezeichnet aus seiner Mitte zwei Mitglieder, 
welche die Geschäftsführung der Hypothekarkasse in jedem Semester 
einmal zu prüfen und dem Yerwaltungsrath in seiner nächsten Sitzung 
schriftlich Bericht zu erstatten haben. 

„Die Mitglieder der Yerwaltungskommission dürfen nicht als Mit- 
glieder dieses Ausschusses gewählt werden.*^ 

Weitere Vorschriften über diese sogen. Delegirten sind 
weder in den beiden Gesetzen noch in dem Verwaltungsregle- 
ment enthalten. 

in. 

Die Verwaltnngskommission. 

Sie besteht nach § 49 aus 3 Mitgliedern des Verwaltungs- 
rathes. Dir steht mit und neben dem Direktor die unmittel- 
bare Aufsicht und Leitung der Geschäfte zu. Zur 
Gültigkeit ihrer Beschlüsse muss sie vollzählig sein. (Ges. § 50). 
Ich verweise ferner auf folgende Bestimmungen: 

§ 51. Die Verwaltungskommi Spion hat nebst den ihr durch das Ver- 
waltungsreglemeut zugewiesenen Verrichtungen folgende Obliegenheiten 
und Befugnisse : 
ä) Sie bestimmt die Buchführung und Bureauordnung. 



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— 10 — 

b) Sie macht dem Yerwaltnngsrathe die erforderlichen Yorschlftge über 
die Emeonaog, Besoldung und Bürgschaftsleistung der Angestellten, 
die Yorsohläge über das Yerwaltungsr eglem e nt, 
aber die Formularien, sowie über die Wahl des Lokals. 

c) Sie beaufsichtigt die Yerrich tungen des Direktors 
und des demselb en nn te rgeo rdne ten Personals im 
Allgemeinen und nimmt zu diesem Endzwecke Ein- 
sicht von den amtlichen Korrespondenzen, der Buch- 
führung, der Kasse, Ton den Titeln und Hinter- 
lagen. 

d) Sie ertheilt dem Direktor die von ihm verlangten oder sonst im Inte- 
resse der Geschäftsführung gebotenen Weisungen 
und Instruktionen. 

e) Sie entscheidet über sämmtliche Darleihensgesuche, Ober die Annehm- 
barkeit der für Yorsohüsse dargebotenen Hinterlagen und der übrigen 
ihr vorgeschlagenen Oeschftfte, ohne die Motive für ihren Entscheid 
zu protokolliren und den Betreffenden mitzutheilen. 

/) Sie lässt sich vom Direktor über die laufenden Geschäfte und 
ausgestellten Obligationen fortlaufend Bericht erstatten, auf 
die und ihre eigenen Untersuchungen gestützt, sie ihre 
Berichte vierteljährlich dem Yerwaltungsrath einzureichen hat. 

§ 52. Die Yerwaltungskommission versammelt sich so oft, als die 
Geschäfte es erfordern. 

Sie ist für getreue Pflichterfüllung verantwortlich. 

Das Yerwaltungsreglement sagt Folgendes: 

§ 1. Die Aufsicht und Leitung der Geschäfte der Hypothekarkasse 
steht dem Yerwaltungsrathe und der Yerwaltungskommission zu. 

§ 3. Die Yerwaltungskommission versammelt sich zur Behandlung 
der vorhandenen Geschäfte in der Regel zweimal, ausserordentlich aber 
so oft als die Geschäfte es erfordern oder der Direktor der Hypothekar- 
kasse es verlangt. 

Wenn Geschäfte zur Yerhandlung kommen, bei welchen ein Mit- 
glied der Yerwaltungskommission oder der Direktor sich nach § 49 und 
50 im Abtretungsfalle befinden, so sind dieselben nach § 50 zu ersetzen. 

§ 26. Am Ende jeden Monats soll die Monatsrechnung abgeschlossen 
und durch den Direktor der Yerwaltungskommission bald möglichst vor- 
gelegt werden. 

Diese hat die Rechnung zu prüfen, mit den Büchern, Titeln und 
Belegen zu vergleichen und die Richtigkeit derselben zu bescheuiigeD. 

§ 27. Die stete üeberwachung der Geschäftsführung der Hypo- 
thekarkasse geschieht durch den Yerwaltungsrath und die Verwaltungs- 
kommission. 



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— 11 — 

§30. Gesohftfte, w eloh e weder d urch das Gesetz, 
nooli durch das gegenwärtige Reglement de r Yerwal- 
tungskommission oder den Angestellten der Hypo- 
thekarkasse Übertragen worden, sollen Torkom- 
menden Falls ohne Z öge rang dem Yerwaltungsrathe 
zur Behandlung yorgelegt werden. 

§ 81. Sollten der Yerwaltangskommission Beschwerden über das 
Betragen oder die GeschfiftsfÜhmng der Angestellten der Hypothekar- 
kasse zur Eenntniss gebracht werden, so hat sie solche sofort zu unter- 
suchen, die zur Hebung derselben und zur Abwendung allfälligen 
Schadens nöthigen Yoricehren zu treffen, oder da, wo die Umstände es 
erfordern, sofort den Yerwaltungsrath einzuberufen. 



IV. 
Die Angestellten. 

a. 
Der Direktor. 
Das Gesetz vom 21. November 1868 enthält in seinem § 63 
folgende Bestimmung: 

„Der Direktor der Hypothekarkasse ist der erste Angestellte der 
Hypothekarkasse und der eigentliche verantwortliche Ge- 
schäftsführer derselben.* 

„Er steht als solcher unter der unmittelbaren Aufsicht der Yer- 
waltungskommission und hat sich allen Anordnungen derselben 
zu unterziehen/ 

§ 54 Alinea 3 sagt: 

„Er kann wegen Dienstverletzungen vor Ablauf seiner Anstellungs- 
zeit auf den Yorschlag der Yerwaltungskommission vom Yerwaltungs- 
rath von seiner Stelle abberufen werden.*^ 

Das letzte Alinea des gleichen Paragraphen sagt: 

„Die ferneren Befugnisse und Obliegenheiten des Direktors werden 
durch das Yerwaltungsreglement bestimmt.* 

Dieses Letztere enthält folgende, hier in Betracht fallende Bestimm- 
ungen über die Stellung und Aufgabe des Direktors: 

§ 5 des Verwaltungsreglements bestimmt: 

„Der Direktor der Hypothekarkasse ist. der verantwortliche 
Geschäftsführer der Anstalt (§ 53). 



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— 12 — 

^Br einzig fQhrt, mit Aasnabme der Unterzeichnung^ der Aktien und 
Obligationen, die für die Hypothekarkasse yerbindliohe Unterschrift, and 
zwar in folgender Weise : 

Der Direktor der solothomisohen Hypothekarkasse: 

N. N.'' 

§ 6^ 

,,Er vermittelt den Vorkehr der Anstalt mit ihren Korrespondenten 
und Klienten, führt die Geschäftsunterhandlungen, sofern der Verwaltungs- 
rath oder die Yerwaltungskommission hierüber nichts anderes beschliessen, 
und besorgt alle übrigen der Hypothekarkasse zufallenden Geschäfte.*^ 
„Kebst dieser Geschäftsführung hat der Direktor noch folgende Ob- 
liegenheiten : 

ä) Er wohnt mit berathender Stimme den Sitzungen des Verwaltungs- 
rathes und der Verwaltungskommission bei. Ihm sind bei diesen 
Versammlungen die Verrichtungen eines Protokollführers zu über- 
tragen. So oft jedoch über seine persönliche Stellung und Verbält- 
nisse berathen wird, hat er abzutreten und sich als Protokollführer 
ersetzen zu lassen. 
d) Er sorgt dafür, dass alle unter ihm stehenden Beamten ge- 
treu ihre Pflichten erfüllen, dass di e Bücher und Rech- 
nungen vorschriftsgemäss geführt werden. 
g) Kr verfasst die Berichte über den Geschäftsbetrieb an den Ver- 
waltungsrath und die Versammlung der Aktionäre.*^ 
§ 17. Die Verwaltung hat die Vorschriften des Gesetzes vom 
21. November 1868 und 18. Juli 1874 über den Geschäftsbetrieb der 
Hypothekarkasse zu beobachten. 

Endlich wird auf die §§17 4 u. 5 und 26 des Verwaltungs- 
reglementes verwiesen. 

b. 
Der Kassier. 
Der Kassier wird vom Verwaltungsrathe für eine Anstellungs- 
zeit von 5 Jahren gewählt und steht unter dem Direktor, dessen 
Befehle er zu befolgen hat. (§ 55 u. 56 des Ges.) 
§ 8 des Verwaltungsreglements sagt: 

Der Kassier hat nebst den ihm durch das Gesetz zugewiesenen 
Verrichtungen auch diejenigen eines Buchhalters zu besorgen, so lange 
die diesfalls im Gesetze vorgesehene Stelle nicht besetzt sein wird. 

§ 10. Neben der Kassaführung nach den durch die Verwaltungs- 
kommission zu ertheilenden Vorschriften hat er insbesondere folgende 
Verpflichtungen : 



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— 13 — 

ä) Er darf ohae Auftrag des Direktors keine Zahlungen leisten. 

b) Er fuhrt den Zinsrodel und die Register Aber die ausgegebenen Ob- 
ligationen. Er besorgt die der Yerwaltung obliegenden Eingaben in 
die Ganten und Oeldstage, in die Benefice-Inyentarien und Rechnungs- 
tage und ist för daherige Versäumnisse verantwortlich. 

c) Er ist Torpflichtet, jeden Abend einen Kassenabschluss mit den 
Bordereauz Aber den Baarrorrath zu machen und denselben in ein 
hiezu bestimmtes Kontrolbuch einzutragen. 

Er kann wegen Dienstverletzungen auf Antrag der 
Yerivaltungskommission jederzeit abberufen werden. 

Der Kassier bezieht eine jährliche Besoldung bis auf 3000 Fr. und 
leistet für seine Verrichtungen eine BOrgschaft von 20,000 Fr. 



Der Buchhalter. 
Der Buchhalter ist der dritte Angestellte der Hypothekar- 
kasse: er steht unter dem Direktor und Kassier und hat deren 
Weisungen oder Befehle zu befolgen. (§ 57,1 des Ges.) 

Bei Dienstverletzungen gilt für ihn das nämliche wie für 
den Direktor und Kassier. 

Der Buchhalter hat insbesondere folgende Verpflichtungen: 
a) Er- führt die Bücher der Anstalt nach den bestehenden Vorschriften 

und nach der Anweisung des Direktors. 
l) Er besorgt die Korrespondenz, soweit dies nicht durch den Direktor 
geschieht. 

c) Er führt das Aktienregister und das Inyentar über die der Anstalt 
hinterlegten Faustpfänder. 

d) Er ist Protokollführer an der Versammlang der Aktionäre. 

Die Obliegenheiten der übrigen Angestellten und Geschäfts- 
führer in den äussern Bezirken gehören nicht in den Rahmen 
dieses Prozesses. 

Dagegen ist hier noch ein weiteres Organ zu verzeichnen. 

d. 
Die Rechnungsrevisoren. 
§ 62 des Gründungsgesetzes sagt: 

Die Versammlung der Aktionäre wählt jeweilen in ihrer ordentlichen 
Jahresyersammlung aus ihrer Mitte für die Dauer eines Jahres droi 
Rechnungsre?isoren, welche folgende Verrichtungen zu erfüllen haben: 



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— 14 — 

Sie prflfMi den GeBohftfUberioht des YerwaltoDgtrathe« und die 
Jahresreohnung, Tergleiohen dieselbe mit den Büchern und überdiess die 
in der Bilani «neigten Bammen mit der Kasse, mit den Titeln ood 
sonstigen Werthpapieren der Anstalt; sie sind berechtigt, auch w&hrend 
des Jahres, ohne Yoransoige an die Verwaltung, eine gleiche IJnter- 
sochung forzunehmen. 

Sie haben aUjfthrlich der Yersammlnng der Aktionäre in der ordent- 
lichen JahresTersammlung darüber Bericht za erstatten und die von ihr 
nöthig erachteten Bemerkungen und Anträge zu eröffiien. 

Der § 27 schreibt in den Alineas 4 und 5 des Verwaltungs- 
Reglements Folgendes vor: 

„Ueberdiess findet eine Prüfung der Jahresrechnung und der g e - 
s a m m t e n Geschäftsführung durch die Rechnungsrefisoren (§ 62) statt 

Die Yerwaltungskommission ist angewiesen, sofort, nachdem sie und 
der Yerwaltungsrath die ihr vom Direktor zugestellte Rechnung geprüft 
und richtig befunden haben, die Rechnungsrevisoren einzuberufen und 
ihnen nebst der Rechnung die auf dieselbe Bezug habenden Bücher und 
Belege zur Yerfügung zu stellen.*^ 

Auch ihre Verpflichtungen werden honorirt. 

Die Oberaufsicht des Staates äussert sich in folgenden 
Befugnissen : 

§ 64. Der Yerwaltungsrath ist verpflichtet, dem Regierungsrathe 
alle sechs Monate einen übersichtlichen Bericht über den Betrieb der 
Hypothekarkasse, nebst einer summarischen Erzeigang des Yermögens- 
bestandes einzureichen und von seinen Beschlüssen, die auf denselben 
oder die Betriebsergebnisse von wesentlichem Einflüsse sein könnten, 
Eenntniss zu geben. 

Eine gleiche Yerpflichtung liegt ihm bezüglich der Einreichung der 
Jahresrechnung und seines Geschäftsberichtes an die Yersammlnng der 
Aktionäre, sowie bezüglich der von dieser gefassten Beschlüsse ob. 

Die Einsendung der Jahresrechnung und des Geschäftsberichtes 
muss jedesmal stattfinden, ehe die Versammlung der Aktionäre einbe- 
rufen wird. 

§ 65. Dem Regierungsrathe steht zu jeder Zeit das Recht zu, über 
den Stand der Yerwaltung Bericht zu verlangen und dieselbe, sowie 
die Titel, die Werthpapiere und den Stand der Kasse untersuchen zu 
lassen. 

Sollte er hiebei finden, dass das Gesetz beim Geschäftsbetriebe der 
Hypothekarkasse ausser Acht gesetzt würde oder sonstige Uebelstände 
in der Yerwaltung vorhanden seien, so wird er der Yerwaltungs- 
kommission und dem Yerwaltungsrath davon Eenntniss geben, oder so- 



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— 15 — 

fort die eiforderliohen Weisangeo an dieselben erlassen und da, wo er 
es nötbig erachtet, an den Kantonsrath Bericht erstatten. 

Diese Cntersochung mnss alljährlich wenigstens einmal stattfinden. 

§ 66. Dem Regierungsrathe wird femer znr Pflicht gemacht, am 
Sohlusse des Jahres dem Kantonsrathe Ober die YoUziehong obiger Yor- 
sohriften, sowie über den Geschäftsbetrieb der Hypothekarkasse im All- 
gemeinen, einen nmfasnenden Bericht zn erstatten. 

Litt, c des § 48 weist dem Regiernngsrath die Genehmigung des 
Yerwaltungsreglementes zu. 

4. 

Durch Gesetz vom 18. Juli 1874 wurde das Gründungs- 
gesetz vom Ja}ir 1868 in einigen Punkten abgeändert. Ich lege 
<lieses Abänderungs-Gesetz vor. Beua^ 

Namentlich wurde durch § 2 desselben der Geschäftskreis 
der Hypothekarkasse in der Beziehung erweitert, dass sich die 
Bank nunmehr auch mit der Skontirung von Wechseln befasste. 
Ueber An- und Verkauf von Werthpapieren, welche Operationen 
schon nach dem alten Gesetz im Geschäftskreis der Bank lagen, 
wurden spezielle Vorschriften aufgestellt. Damach konnte die 
Bank Vorschüsse nicht mehr bloss auf FaustpfiLnder machen, 
sondern gegen jede beliebige andere genügende Sicherheit und 
zwar auch an Private. An Letztere aber nur dann, wenn genü- 
gender Geldvorrath vorhanden und dies ohne Beeinträchtigung 
des Hypothekargeschäftes geschehen kann. 

Genügende Sicherheit besteht nach dem Gesetz im Verkehre 
von Privaten 

q) In der Deposition von „Kreditscheinen", 

b) In Verschreibung und Hinterlage eines Faustpfandes, 

c) In der Stellung unbedingter solidarischer 
Bürgschaft von wenigstens zwei zahlungs- 
fähigen, im Kanton wohnhaften Personen. 

Bezüglich der Organisation der Anstalt wurden ebenfalls 
einige Abänderungen getroffeo. Zwar standen auch jetzt noch 
Aufsicht und Leitung der Geschäfte dem Verwaltungsrathe und 
der Verwaltungskommission zu und auch nach dem neuen Gesetz 
behält der Direktor seine verantwortliche Stellung als Geschäfts- 
führer der Anstalt. Die diesbezüglichen Vorschriften des neuen 



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— 16 -- 

Gesetzes decken sich voIIstäBdig mit denjenigen des alten. Allein 
mit Rücksicht auf den erweiterten Geschäftskreis wurde im Ver- 
waltungsreglement vom 25. April 1876 in § 17, 4 u. 5 statuirt : 

Wechsel dürfen nur solche skontirt werden, welche 
die Unterschriften von wenigstens zwei zahlungsfähigen, 
im Kanton angesessenen Personen tragen, oder solche, 
welche durch solide Werthpapiere yerslchert sind. 

Zweckt Deckung auswärtiger Yerbindlichkeiten darf 
die Verwaltung auch solche Wechsel erwerben, welche auf andern 
Schweizerplätzen zahlbar sind. 

und in § 8 des neuen Gesetzes: 

Die Gesamrotsumnie der nach §§ 6 und 7 zu verwendenden Gelder 
darf den yierten Theil des eingezahlten Aktienkapitals nicht über- 
steigen. Eine grössere Anlage dnrf mit Rücksiclit auf eigene, von der 
Hypothekarkasse auf längere Zeit emittirte Titel nur mit Zustimmung 
des Yerwaltungsratbes und des Regierungsrathes gemacht werden. 

Die Stelle des Direktors war in der ganzen Geschäfts- 
periode der Hypothekarkasse seit 1879 besetzt durch Leo Niggli 
bis zu dessen Abberufung und Kriminalisirung im Jahre 1886 
bezw. bis zur Aufhebung der Hypothekar-Kasse am 1. Januar 
1886. 

Der Verwaltungsrath bestund während der Periode von 
1879 bis 31. Dezember 1885 aus den Herren: 

Urs Heutschi, Regierungsrath, Präsident, Solothum. 
Franz Trog, Oberamtmann, Vice-Präsident, Ölten. 
H. Burkhardt-Eckenstein (bis 18. März 1885), Basel. 

A. Kaufmann, Oberamtmann, Solothurn. 
Albert Jäggi, Kantonsrath, Baisthal. 

B. Baumgartner, Regierungsrath (bis 4. März 1884), 
Solothum. 

Ferd. Lüthi, Kreisthierarzt, Solothurn. 
A. Roth, Fabrikant, Wangen a. A. 
Wilh. Zepfel, Major (bis 17. März 1885), Solothum. 
V. Qüggi, Staatskassier (seit 29. Juli 1884), Solothum. 
Der im Jahre 1884 verstorbene Herr Regiemngsrath Baum- 
gartner wurde durch Herrn V. Güggi, Staatskassier, ersetzt. 



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— 17 — 

Die Herren Trog, Baumgartner, Lüthy, Zepfel und Güggi 
waren vom Begierungsrath , die übrigen von der Aktionär- 
yersammlung gewählt. 

Während der ganzen Geschäftsperiode waren die 
Herren Trog und Roth „Delegirte** des Verwaltungsrathes. 

Die Herren Direktor Burkhardt und Major Zepfel, welche 
im März 1885 demissionirten, sind Angesichts der auf Ende 1885 
erfolgten Aufhebung der Hypothekarkasse nicht wieder ersetzt 
worden. 

Die Yerwaltungskommission bestand seit dem Jahre 
1879 aus den Herren Urs Heutschi, Präsident; Hypothekar- 
Verwalter Eaufinann und Landammann Baumgartner sei. Am 
20. November 1884 wurde an die Stelle des Letztem Herr Staats- 
kassier Güggi gewählt. Suppleanten waren die Herren Trog, 
Oberamtmann in Ölten; Lüthi, Ejreisthierarzt in Solothum und 
Zepfel, Major; letzterer verstorben im Frühjahr 1886. 

Rechnungsrevisoren waren die Herren: 
V. Güggi, Staatskassier, Solothum, vom 1. Januar 1879 bis 
29. Juli 1884. 

U. J. Biberstein, Verwalter der Kantonal-Erspamisskasse, Solo- 
thum, vom 1. Januar 1879 bis 11. März 1883. 

F. Eggenschwyler, Oberamtmann, Balsthal, vom 1. Januar 1879 

bis 8. Januar 1885. 
A. Christen, Apotheker, Ölten, vom 11. März 1883 bis 31. 

Dezember 1885. 
Otto Studer, Kantonsrath, Oensingen, vom 18. April 1884 bis 

31. Dezember 1885. 
Josef Leber, Kauftnann, Solothum, vom 29. November 1884 bis 

31. Dezember 1885. 

Von den Verwaltungsrathsmitgliedem waren gleichzeitig Mit- 
glieder des Regienmgsrathes : 

Herr Heutschi seit 1. Juli 1871 bis 31. Dezember 1885; 
jf Baumgartner seit 15. Juni 1875 bis 4. März 1884. Beilage 7, 

2 



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— 18 — 

5. 

Am 1. Januar 1886 ging die Hypothekarkasse mit Aktiven 
und Passiven an die Solothurner Eantonalbank über und dem- 
gemäss ist von da an massgebend das Gtesetz und Geschäfts- 
reglement der Solothurner Kantonalbank vom 10. Januar 1885. 
teiiage 8. Ich logo das Gosctz und das Reglement vor. 

6. 

In bedeutendem Geschäftsverkehr mit der Hypothekarkasse 
stand die Firma Roth & Cie. in Solothum, welche seit 1 864 ein 
Uhrenfabrikations- und Handelsgeschäft betrieb. Im Kanton Solo- 
thurn bestand kein Handelsregister-Amt. 

Die im Nachfolgenden beschriebenen Firmen- Verhältnisse 
wurden an Hand der Strafprozeduren und eingezogener Erkun- 
digungen zusammengestellt. 

Von drei Associ6s traten im Jahre 1868 zwei aus, so dass 
Roth-Bloch von da an alleiniger Inhaber der Firma war. Nach 
dem Inventar von Ende 1874 soll J. Roth ein Vermögen von 
79,000 Fr. besessen haben, das ungefähr gleich grosse Vermögen 
seiner Frau nicht mitgerechnet. 

Am 1. März 1875 trat Joseph Adler, Wirth und Kantons- 
rath, als Associ6, jedoch ohne Kapitaleinlage in das Handels- 
geschäft ein, das Fabrikationsgeschäft blieb dagegen nach wie vor 
ausschliesslich in den Händen des Roth-Bloch. 

Den 29. Februar 1880 gründete der Letztere behufs Fabri- 
kation und Vertrieb des englischen Genre zusanmaen mit Schläfli- 
Schild und J. Adler die Firma J. Roth, Schläfli & Cie. in Lon- 
don, welche sich aber schon im Frühjahr 1882 auflöste. Schläfli 
führte diese Firma bis zum Konkurs im Jahr 1885 allein fort, da- 
neben betrieb er in Solothurn ein Uhrenfabrikationsgeschäft unter 
der Firma A. Schläfli-Schild. 

Die Firmen, welche im Verlaufe dieses Prozesses aus sogleich 
zu erörternden Gründen in erster Linie in Betracht kommen, sind 
demnach folgende: 

1. Von 1864—1868 die Firma Roth & Cie. in Solothum 
mit drei Associ6s. 



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— 19 — 

2. Von 1868—1875 dieselbe Firma Roth & Cie. mit Roth- 
Bloch als alleinigem Inlutber. 

3. Vom 1. März 1875 bis 22. April 1887 dieselbe Firma 
und einziger Inhaber für das Fabrikationsgeschäft : Roth>Bloch. 

4. Vom 1. März 1875 bis 22. April 1887 dieselbe Firma 
für das Handelsgeschäft mit den Theilhabem Roth-Bloch und 
Joseph Adler (Vertrieb von Uhren in Deutschland). 

5. Von 1880—1882 die Firma Roth, Schläfli & Oie. in London 
mit den AssociSs Roth-Bloch, Schläfli-Schild und Adler-Flury (Fa- 
brikation und Vertrieb von Uhren in England). 

6. Von 1882 bis 3. Oktober 1885 dieselbe Firma Roth- 
Scbläili & Cie. in London mit Schläfli-Schild als alleinigem An- 
theilhaber. 

7. Bis 3. Oktober 1885 die Firma A. Schläfli-Schild in 
Solothum. 

Die Firma Roth, Schläfli & Cie. in London eriitt in den Jahren 
1879 und 1880 in London immense Verluste. 

In Folge dessen wurde diese Firma wieder aufgelöst. Das 
Endergebniss dieser Geschäftsverbindung soll ein Vertust von 
über 400,000 Fr. gewesen sein, der auf die Antheilhaber „ver- 
theilt" wurde, und zwar wurden dem 

J. Adler-Flury 100,000 Fr. 

J. Roth-Bloch 150,000 „ 

A. Schläfli-Schild 162,000 „ 

, zugeschrieben". 

Die alte Firma J. Roth & Cie. wurde durch Roth & Adler Beilage 
weiter geführt und im Jahr 1883 als Kollektiv-Öesellschaft in das 
Handelsregister eingetragen. Fabrikation und Handel wurden 
vermehrt und in Mülhausen, Strassburg, Berlin und Neuss Filialen 
gegründet. 

In Berlin war anfanglich eine Zweigniederlassung, die dann 
in ein Kommissionslager unter Aug. Döling umgewandelt Ben. lo 
wurde. Diese Veränderung fand den 25* Mai 1883 statt und 
war veranlasst worden durch ein Rechtsgutachten, das Herr 
Justiarath Richter über die bisherige rechtliche Stellung Dölings 
in Berlin für Gebr. Vigier ausstellte. 



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— 20 — 

Es lautet folgendermassen: 

Leipzig, den 1. Mai 1883. 
Herren Yigier, Fr^res, Solothuro. 

Ich bekenne mich zum Empfange Ihrer gefl. Zuschrift Tom 25. ▼• M., 
welcher ich Mk. 62. 20 Pfg. zur Ausgleiohung meiner Ihnen übersendeten 
Kostenrechnung entnahm, und bin nunmehr zufolge Ihrer neueren Mit- 
theilungen so ▼oUstftndig orientirt und instruirt, dass ich an erster Stelle 
jenem Schweizer-Hauptgeschäfte dringend anrathen mSchte, yon weiteren 
gleichen Wechselbeziehungen abzusehen, dass ich aber auch Ihnen an- 
heimgebe, die fernere Diskontirung dieser Wechsel zu unterlassen. 

Fest steht jetzt, dass der Acceptant zwar als Kaufmann in das 
Handelsregister eingetragen ist, ein eigenes kaufmännisches Geschäft aber 
nicht betreibt, Yielmehr der Zweigniederlassung Ihrer Geschäftsfreunde 
lediglich als deren E[andlungsbevollmächtigter vorsteht. Die Ziehungen 
stellen sich hiernach dar als Ziehungen des Geschäftsinhabers auf ein 
Mitglied seines eigenen Geschäftspersonals — denn zu diesem gehört 
auch der Handlungsbevollmächtigte. Mit solchen GefäUigkeitsacoepten 
seines eigenen Personals diskreditirt sich der Geschäftsinhaber in bedenk- 
licher Weise. Und dabei wird nicht einmal der beabsichtigte, Zweck, 
die Aktiven der Zweigniederlassung nutzbar zu machen, erreicht. 

Angenommen, zum Vermögen des Geschäftsinhabers würde in der 
Schweiz Konkurs eröffnet, und infolge hiervon würde in Deutschland 
nach § 208 der Deutschen Reichskonkursordnung über das im deutschen 
Reiche befindliche Vermögen des Schweizer Geschäftsinhabers gleichfalls 
Konkurs eröffnet, so würden bei diesem deutschen Konkurse nicht etwa, 
wie Sie anzunehmen scheinen, lediglich die deutschen Gläubiger, oder 
die Gläubiger, welche mit der Zweigniederlassung kontrahirt hatten, sich 
anmelden und betheiligen können, vielmehr ohne Unterschied alle ans- 
ländischen und inländischen Gläubiger des Schweizers, gleichgültig, ob 
ihre Forderungen entstanden sind aus Geschäften mit der Zweignieder- 
lassung oder dem Hauptgeschäfle. Umgekehrt würden auch die Gläubiger, 
welche lediglich mit der Zweigniederlassung kontrahirt hatten, trotzdem 
auch noch bei dem Schweizer Konkurse ihre vollen Forderungen an- 
melden können. In dem deutschen Konkurse würden Vorzugsrechte nur 
insoweit in Frage kommen können, als dingliche Rechte, also z. B. 
Eigenthums- oder Pfandrechte an den Vermögeusstücken der Zweig- 
niederlassung von dritten Personen in Anspruch genommen werden 
können. 

Ein solches dingliches Recht an dem Vermögen der Zweignieder- 
lassung hat aber der Handlungsbevollmächtigte wegen seiner Gefällig- 
keitsaccepte nicht. Der Gefälligkeitsacceptant ist vom Aussteller nur zu 
verlangen berechtigt, entweder die Deckung des Wechsels bei Verfall 
oder die Erstattung der Wechselsumme, wenn er selbst, der Gefälüg- 



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- 21 — 

keitsacoeptant, den Wechsel eingelöst hat, keinesfalls aber ist der Ge- 
fälligkeitsaeceptant berechtigt, vor Verfall des Wechsels Tom Aassteller 
irgend welche Sioherstellang bezflglich der späteren Decknng des Wechsels 
zn verlangen. 

Allein ebenso wirksam als loyal nnd legal kann das YermOgen 
der jetzigen Zweigniederlassung nutzbar gemacht worden, wenn die 
Zweigniederlassung aufgegeben und das deutsche Geschäft als Kommis- 
sionsgeschäft von dem frfiheren Handlungsbevollmächtigten nunmehr als 
Kommissionär betrieben wird. Freilich würde solchenfalls das Geschäft 
im Namen des Kommissionärs betrieben werden müssen, allein der bei 
der Zweigniederlassung beabsichtigte geschäftliche Zweck lässt sich auch 
erreichen, wenn an der Geschäftsthür, auf den Rechnungen, auf den 
Briefbogen neben dem Namen des Kommissionärs hervorragend die 
Worte z. B.: 

„Kommissionslager der Herren 

in Solothum'' 
aufgeführt werden. 

Der Kommissionär ist selbstständiger Kaufmann; die Ziehungen des 
Kommittenten auf den Kommissionär haben nicht nur nichts Auf- 
fälliges, sondern sind ganz gewöhnliche, täglich vorkommende 
geschäftliche Transaktionen; für solche Wechsel hat auch der 
Kommissionär gesetzliches Pfandrecht an dem Kommissionslager und da- 
mit erlangt auch für den Banquier ein solcher Wechsel einen ganz andern 
Werth, als die nicht loyale und werthlose Ziehung des Prinzipals auf 
seinen Handlungsgehülfen. 

Was das oben erwähnte Pfandrecht des Kommissionärs anlangt, so 
bestimmt nämlich Art. 374 des deutschen Handelsgesetzbuches: 

„Der Kommissionär hat an dem Kommissionsgute ein Pfandrecht 
wegen der Provision, wegen der rücksichtlich des Gutes gegebenen 
Vorschüsse und Darlehen, w e g e n der rücksichtlich desselben 
gezeichneten Wechsel oder in anderer Weise eingegangenen 
Yerbindlichkeiten, sowie wegen aller Forderungen aus laufender Bech- 
nung in Kommissionsgeschäften. 

Der Kommissionär kann sich für die vorstehend erwähnten An- 
sprüche aus den durch das Kommissionsgeschäft begründeten und noch 
ausstehenden Forderungen vorzugsweise Yor dem Kommit- 
tenten und dessen Gläubigern befriedigen. 
Auch die Stellung des Schweizer Hauses dem Kommissionär gegen- 
über würde hinsichtlich der Sicherheit keine wesentlich schlechtere sein. 
Das Kommissionsgut bleibt, so lange es nicht verkauft 
ist, Eigenthum des Kommittenten, weiter hat der Kom- 
missionär die ausstehenden Forderungen an den Kom- 
mittenten auf dessen Verlangen abzutreten/ 



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— 22 — 

Hierauf folgt, daas wMin sum TermOgeii des KcMmniMionini Kon- 
kurs eröffnet werden sollte, der Kommittent die noch Torbandene Korn- 
missionswaare auch aus der Konkursmasse turüokerhftlt und weiter vom 
Konkursferwalter zu verlangen berechtigt ist, dass dieser die noch 
Torhandenen Kommissionsaussenstftnde an ihn — den Kom- 
mittenten — abtritt. 

Gegen Verontrenungen and Unterschlagungen aber gibt es so wenig 
dem Hnndlungsbefollm&ohdgten als dem Kommissionär gegenüber Schutz. 

Ich gebe Ihnen anheim, Ihre Qesohftftsfireunde auf den Ton mir 
angedeuteten Weg zur Ausnutzung der jetzigen Zweigniederlassung' auf- 
merksam zu machen und zeichne 

(Uatertchrift.) 

In Neuss wurde die Firma durch einen Eommissionär 
Hamm yertreten, in Mühlhausen war ein Herr Borst in 
gleicher Eigenschaft thätig und in Strassburg ein Herr 
Köninger, der als selbständiger Kaufmann nebenbei Roth & Cie. 
vertrat. 

Allein die in London erlittenen Verluste wurden nicht bezahlt^ 
sondern durch Darlehen der einzelnen Gesellschafter und durch 
Wechselzirkulation gedeckt. Daraus erklärt sich die erhebliche 
Anzahl von Wechseln, welche z. B. von J. Roth & Ciu. ausge- 
stellt und von J. Adler, dem Associ^, verbürgt waren ; oder welche 
J. Adler zum Aussteller und seinen Vater V. Adler zum Bürgen 
oder Indossanten hatten, oder auf welchen sich J. Roth-Bloch als 
Schuldner und Associe J. Adler und dessen Vater V. Adler als 
Bürgen verpflichtet hatten. 

Durch die erwähnten Verluste war das Ver- 
mögen von J. Roth-Bloch zum Mindesten auf- 
gezehrt. Daneben existirten aber noch die 
Passivposten von Adler & Schläfli von zu- 
sammen 262,000 Fr., so dass also die Firma 
J.Roth & Cie. in Solothurn, sowie auch A. Schläfli- 
Schild in Solothurn und Roth, Schläfli & Cie. 
in London unzweifelhaft sammt allen ihren 
Antheilhabern schon seit Anfangs 188 1 mate- 
riell insolvent waren. 

Diese Verhältnisse konnten wahrlich nicht vollständig geheim 
gehalten werden. Die Direktion und die Mitglieder des Ver- 



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— 23 - 

iraltoBigsraäies hätten sich bei gehöriger Sorg&lt in der Einziehung 
Ton Erkundigungen und bei der gewiss auffallenden Erhöhung 
der nachgesuchten Wechselsoontirungen Klarheit verschaffen müssen 
über diese in London erlittenen Verluste und 
über die mögliche Insolvenz der genannten 
Firmen, sowie auch über den voraussicht- 
lichen Krach. 

Der Kredit wurde von Solothumer Bankgeschäften schon 
anno 1882 und 1883 gekündigt und die dortigen Engagements 
allmalig gelöst. So war z. B. Schläfli-Schild der Solo- 
thumer Bank schon Ende 1883 Nichts mehr 
schuldig. 

Nur die Hypothekarkasse gewährte diesen 
Firmen einen ungemessenen Kredit, nament- 
lich im Diskontogeschäfte. Dieser wurde denn auch 
in grossem Masse benutzt zur Unterhaltung einer ausgedehnten 
Wechselzirkulation. So wurde es verschiedenen Bankhäusern 
ermöglicht, die Engagements bei diesen Firmen auf Kosten der 
Hypothekar-Kasse abzuhängen. 

Es sind Personen vorhanden, welche folgende Mittheilungen 
machen können: a 

a) in benachbarten bernischen Geschäftskreisen hegte man 
schon im Jahre 1880 und 1881 ganz bedeutende Zweifel 
an der Solvenz von Roth & Cie. und zwar hauptsächlich 
wegen der vielen und langsichtigen Eigenwechsel. Heuer 
Olivier Biel erklärte zum Beispiel schon im Sommer 
188 2, er biete Roth & Cie. Nichts an zum Verkaufe. 
Nach dessen Wahrnehmungen an der Börse mache diese 
Firma Einkäufe zu Preisen, welche 10 ^/o zu hoch seien 
und mache Einkäufe auf verdächtig lange Zeit hinaus. 
Es müsse einen fürchterlichen Krach geben, wenn die Firma 
ihren Verbindlichkeiten nicht nachkommen könnte. 

b) Auch in Solothum waren Roth & Cie. schon 1880 und 1881 
nicht besser angeschrieben bei Geschäfts- und Bankhäusern^ 



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— 24 — 

die nicht durch Freundschaft und andere Beziehungen mit 
Roth & Cie. verknüpft und alliirt waren. 

c) Solide und gewissenhafte Privat-Banquiers in Solothum 
wiesen schon von 1880 und 1881 an zum Diskonto 
präsentirte Wechsel von Roth & Cie., die nicht mit guten 
Indossamenten versehen waren, stets zurück, weil sie in 
Folge der massenhaft zirkulirenden Wechsel die Firma 
nicht für solid hielten. Yon Herrn Basil Roth in Solothurn 
wurden schon im Jahr 1880 und 1881 sehr vorsichtige 
Informationen ertheilt, die erhebliche und gewichtige Zweifel 
an der Solvenz der Firma Roth & Cie. durchblicken liessen. 

Ich rufe für alle diese Thatsachen nöthigenfalls als Zeugen an : 

1. Heuer Olivier, Uhrenfabrik in Biel. 

2. Armin Kully, Banquier, Solothurn. 

3. Henzi, „ „ 

4. Sommer, früher Angestellter bei Roth, jetzt in 

Chaux-de-fonds oder Locle. 

5. Amans Vogelsang. 

6. Basil Roth, Ammann der Bürgergemeinde Solothum. 

7. Albert Brosi, Nationalrath, Solothum. 

Diese Kredite von Seite der Hypothekarkasse sind unter 
Anderem zu erklären durch die intime Freundschaft, die 
zwischen den leitenden Persönlichkeiten der Anstalt und Andern 
mit Roth bestanden hat. Ich verweise hier auf das Gutachten 
Richters und auf die im Schwurgerichts-Prozess vom Jahr 1888 
von Herrn Vigier abgegebene Erklärung, dass Roth & Cie. ihm 
schon anno 1883 von einem in London erlittenen Verlust von 
180,000 Fr. Mittheilung gemacht haben! 

Es wird mir gesagt, Roth-Bloch habe in der That auch 
noch andere Personen alsAntheilhaberan der Firma Roth & Cie. 
genannt ! 

Sehr auffallend sind die vielen gegenseitigen Verpflichtungen 
zwischen Gebrüder Joseph und Urs Heutschi, J. Adler und 
U. J. Altenbach. 



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— 25 — 



Im Jahr 1885 sind beispielsweise folgende Discontirungen 
erfolgt: 







u ^ 


i 


& 


1 
i 


1^ 1 1 

1- S f 




1 1 


|l 


1 


966 25,000 April 30. 




Gebr. Heutsohi U. 


J. Altenbaoh, J. 


Adler. 


969 7,000 „ 19. 


J. 


Adler, Gebr. Heutschi 






11 


975 15,000 Mai 13. 




Gebr. Heutsohi 








979 10,000 „ 30. 




17 








991 40,000 Juni 30. 




»» 








996 7,000 Juli 19. 


J. 


Adler, Gebr. Heutsohi 








1003 15,000 Aug. 13. 




Gebr. Heutsohi 








1011 10,000 „ 30. 




»» 








1014 60,000 Sept. 25./30. 


17 








1024 6,000 Okt. 19. 


J. 


Adler, Gebr. Heutsohi 








1026 15,000 Not. 13. 




Gebr. Heutsohi 








1034 10,000 . 30. 




„ 








1058 1,822 Dez. 15. 


J. 


Adler, Gebr. Heutsohi 








1071 5,000 Febr. 19. 




1» »» 








Jan. 
1074 60,000 -r-:Tr ? 




Gebr. Heutsohi 






o 



Das später zu erwähnende Gutachten von Yersin & Lutz 
vermuthet, dass die geschäftlichen und finanziellen Beziehungen 
der Firma Gebrüder Heutschi zu Roth & Cie. und deren ein- 
zelnen As80ci6s die Amtsführung des Präsidenten 
der Verwaltungskommission in sehr ungün- 
stigem Sinne beeinflusst haben. Femer wird 
mit Fug und Recht betont, dass bei den Geschäften, bei denen 
Herren Gebrüder Heutschi oder Herr Urs Heutschi betheiligt 
waren, das Protokoll kein einziges Mal konstatirt hätte, dass sich 
Herr Heutschi, wenn er anwesend war, in den Ausstand be- 
geben hat. 



Den 3. Oktober 1885 wurde über A. Schläfli-Schild der 
Konkurs eröffnet. Die geführte Strafuntersuchung gegen ihn und 
gegen Direktor Niggli ergab, dass er sich verschiedener Betrügereien 
schuldig gemacht hatte. Es zeigte sich, dass Schläfli in London 
einen Angestellten Namens Grossmann hatte, der eine früher be- 



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- 26 — 

standene, jedoch aufgelöste Firma Groesioami & Oie. zeichnete und 
mittelst dieser Verbindung eine grossartige Wechselreiterei betriebea 
wurde. 

Schläfli jßog nämlich unter der Firma Roth-Schläfli & Cie. in 
Solothurn an deren eigene Ordre Tratten auf die Firma Johann 
Grossmann & Cie. in London, der Angestellte Schläfli's, Grossmaan 
in London, acceptirte die Tratten mit Zeichnung der Firma Joh. 
Grossmann & Cie. Alsdann indossirte die Firma Roth-Schläfli & Cie. 
die Tratten an Schläfli-Schild und dieser an die Hypothekarkaase* 

Das Guthaben Schläfli's an Grossmann betrug nach einem 
eigenen Inventar Schläfli's im Herbste 1885 20,000— 25,000 Fr. 

Die Summe der Accepte J. Grossmann & Cie.: 

den 31. Dezember 1884 Fr. 119,823.08 Cts. 

beim Konkursausbruch „ 152,399. 18 „ 

In der erwähnten Strafuntersuchung hat Direktor Niggli alle 
diese Facta als richtig zugegeben. 

Die Delegirten aber deponirten, es seien ihnen diese Londoner 
Wechsel nie vorgelegt worden. 

Nachdem die Hypothekarkasse mit 31. Dezember 1885 an 
die Solotlmrner Kantonalbank übergegangen war, war man all- 
gemein darüber einig, dass Massregeln zur Reduktion der über- 
mässigen Engagements bei Roth & Cie. ergriffen werden müssen. 
Auf welche Weise faktisch weiter vorgegangen wurde, wird sich 
später zeigen. Der Sturz von A. Schläfli-Schild und andern Firmen 
traf auch den schon lange erschütterten Bj'edit von J. Roth & Cie. 
und machte am 23. April 1887 dem grossartigen Schwindel ein 
Ende. 

8. 

Regierungsrath Sieber bekleidete bei Roth & Cie. die Stelle 
eines Buchhalters Die spätere Untersuchung wies nach, dass er 
sich verschiedener Vergehen und Verbrechen, so auch der Fälschung 
der Bücher der Firma Roth & Cie. schuldig gemacht hatte. Lehr- 
reiche Auskunft gibt hier die Prozedur gegen Roth, Adler, 
13U.14. Sieber und Niggli von 1887. Ich lege dieselbe mit dem Beleg- 
heft vor. 



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27 - 



9. 



Aus den mit J. Roth & Cie. gemachten Geschäftsabschlüssen 
der Hypothekarkasse ist der Rechtsnachfolgerin der letzteren, der 
Solothumer Kantonalbank und dem Staate Solothum ein Verlust 
von Fr. 1,350,000 erwachsen. Ich lege eine Zuschrift des Herrn 
Heutschi an Herrn Nationalrath Brosi vom 7. März 1888 vor. Beilage i 



10. 
Nach den in dem Gutachten der Herren Yersin und Lutz ent- 
haltenen Zusammenstellungen betrugen die sämmtlichen unver- 
fallenen Wechsel-Engagements der vorerwähnten Verpflichteten 
approximativ : 



Beilage 1 



31. Dezember 


1879 ... 


.. Fr. 180,934. 


35 Cts 


» 


1880 ... 


,. 414,296. 


V 


» 


1881 ... 


„ 787,150. 


v 


n 


1882 .. 


.. , 874,897. 





» 


1883 ... 


,1,673,047. 


r> 


j) 


1884 ... 


r, 1,714,771. 


70 „ 


^ 


1885 ... 


.. , 1,830,851. 


n 


„ 


1886 . 


.. , 1,406,366. 


— ^ 



Dabei bemerken die genannten Experten Folgendes: 

Die Feststellung ist desshalb eine nur approximative, weil der 
Kürze wegen und um das Tableau nicht zu lang werden zu lassen, ganze 
f3ordereaux jeweilen in einer Summe aafgeführt sind. Es musste desshalb, 
wenn man nicht jeden einzelnen Wechsel herausschreiben wollte, an der 
Hand der Verfallzeiten ungefähr abgeschätzt werden, wie viel Wechsel 
von den gegen Ende eines Jahres diskontirten Bordereaux vor, und wie 
viel nswjh dem 31. Dezember fälhg waren. 

üeberhaupt ist die nachträgliche genaue Fixirung der Engagements 
sozusagen eine Unmöglichkeit, weil wahrscheinlich in den letzten Jahren 
inmier eine Anzahl verfallener oder unbezahlt gebliebener Wechsel noch 
an der Kasse lagen, welche nicht ohne sehr zeitraubende Erhebungen 
ziffermässig zusammengestellt werden könnten. 

Bei Ausbruch der Katastrophe am 28. April 1887 betrugen die 
Oesammt- Engagements Fr. 2,146,288.65. 



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— 28 — 

Diese letztern bestehen aus: 

a) Tratten auf Deutschland für Fr. 1,631,793. 36 Cts. 
h) Eigenwechseln mit Faustpfand 

von Werthpapieren für „ 113,101. 35 ^ 

c) Eigenwechseln mit Bürgschaft 

oder Indossamenten für ... „ 68,815. 15 „ 

d) Bj'editen in laufender Rechnung „ 197,720. 60 ^ 

e) Handschriften „ 93,579. 25 „ 

f) Hypotheken „ 41,278. 95 ^ 

Total Fr. 2,146,288. 65 Cts. 

Ich lege darüber noch eine genauere Spezifikation vor. 

Wir haben daher zu prüfen, wie diese Abschlüsse entstanden 
und inwiefern sie mit den gesetzlichen Vorschriften übereinstimmen. 

Die hiebei in Betracht kommenden Geschäfte sind in zv^ei 
Aufstellungen zusammengefasst. Die eine derselben betrifft die 
Wechsel, die andere die übrigen Engagements. Dabei besteht 
die Meinung, dass sämmtliche Engagements aufgeführt werden, 
welche von den Inhabern der verschiedenen Firmen Roth, 
Schläfli & Cie., Roth & Cie. etc. eingegangen wurden ; denn die Frage 
der Kreditfähigkeit des Hauses J. Roth & Cie. hängt nicht bloss 
von den eigenen Verpflichtungen ab, sondern auch von denjenigen, 
welche jeder einzelne Theilhaber für sich persönlich oder als 
Associe anderer Firmen eingegangen war. 

Ueberdies lege ich auch sämmtliche Wechselkontrolen der 
Kasse vom 6. Juni 1878 bis 31. Dezember 1885 vor. 

Es ist für unsem Zweck nicht nöthig, über das Jahr 1879 
zurückzugreifen. Beginnen wir also mit der sogenannten HI. Periode 
der Hypothekarkasse. 

11. 
Gemäss den Bestimmungen des Gründungsgesetzes und der 
Verwaltungsreglemente müsste sich eigentlich die Entstehung dieser 
Engagements mit Leichtigkeit an Hand des Protokolls der Ver- 
waltungskommission nachweisen lassen, denn nach diesen Bestim- 
mungen müssen sämmtliche Darlehensgesuche etc. der Verwaltungs- 
kommission zum Entscheid vorgelegt werden. (Ich lege die Proto- 



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~ 29 — 

koUe von 1879 — 1886 vor.) Unter 3093 Qesuchen, welche die ßeii. 27~j 

Verwaltungskonunission im Jahr 1879 zu erledigen hatte, befinden 

sich nur 3, welche die in Frage kommenden Firmen oder deren 

Antheilhaber betreffen: 

Den 6. Januar 1879 (No. 29 in Beil. 27) wünscht Joseph Adler, Sohn 

3000 Fr. zu entlehnen. 
Den 1 . März 1 879 (No. 570) wünscht Joseph Adler, Sohn 10,000 Fr. 

auf Handschrift. 
Den 13. März 1879 (No. 695) wünscht Joseph Adler, Sohn 2000 Fr. 

grundversichert. 
Alle diese Gesuche sind bewilligt worden. 
Der Verkehr der Firma Roth & Cie. gestaltete sich haupt- 
sächlich in der Form von Wechseldiskontirungen. 

Nach dem neuen Gesetz vom Jahr 1874 (§ 2) war die Dis- 
kontirung von Wechseln zweifellos zulässig, allein nirgends war 
ausdrücklich bestimmt worden, wer über diese Gesuche zu ent- 
scheiden habe. Es müssen also auch für diesen Geschäftszweig 
die allgemeinen Vorschriften über die Kompetenzen der Ver- 
waltungskommission und des Direktors als bindend betrachtet 
werden. 

Diese Kompetenzfrage kam in der Verwaltung der Hypo- 
thekarkasse dadurch zur Diskussion, dass die Solothumer Bank 
im September 1878 folgende Beschlüsse fasste und den Verwal- 
tungsrath der Hypothekarkasse einlud, ihrer Direktion ähnliche 
Weisungen zu ertheilen: 

1. Die Skontirung Ton gemaohtem Papier wird als zuläsBig erklärt: — 
vorbehalten bleibt die Prüfung der Bonität desselben; 

2. die Skontirung von Eigenwechseln Dritter ist in laufender Beohnung 
zuzulassen, jedoch nicht für mehr als das Einfache des bewilligten 
Kredites ; 

3. die Skontirung Ton direkten Eigenwechseln mit Hinterlage ist zu ge- 
statten, sofern diese unzweifelhafte Sicherheit darbietet und nicht nur 
auf einem Kreditscheine Dritter oder einem Eigenwechsel beruht. Die 
zu skontirende Qesammtsumme darf Fr. 50,000 nicht übersteigen. 

Die Verwaltungskommission der Hypothekarkasse erstattete 
darüher dem Verwaltungsrath im September 1879 Bericht, in 
welchem diesfalls gesagt wird (Beilage 36, No. 6): 



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— 30 - 

Die Hypothekarkasse skontirte von jeher Eigenwechsel Dritter, 
iretohe Ton Terscfaiedenen sotothurnischen BankgesohAften präaeoürt 
wurden, oder Eigenwechsel von solchen Geschäften selbst, welche durch 
Hypothek- oder Kreditscheine, oft auch theilweise durch blosse Eigen- 
wechsel gesichert waren. Bei ^inreiöhung yon Diskontoge- 
snchen wird die dargebotene Sicherheit genau geprüft 
und nur solche Wechsel angenommen, welche unzweifel- 
haft als gut bezeichnet werden dürfen. Solche Papiere, 
bei welchen die Sicherheit einzig in der indossirenden 
Firma gesucht werden müsste, werden nicht angenommen. 
Die zum Diskonto oder als Faustpfand zugelassenen Papiere sind solche, 
welche in Berücksichtigung ihrer Solidität auch direkt hätten bewilligt 
werden dürfen. Um aber einen oder zwei Bürgen, welche wir vor- 
schriftsgemäss zu yerlangen genöthigt sind, nicht dargeben zu müssen, 
suchen sich sehr oft solide Schuldner das Qeld anderwärts. Yiel eher 
bezahlen die Leute einen hohem Zins, als dass sie Bürgen dargeben, 
und oft mit Recht, denn Bürgen brauchen, bedingt auch wieder Bürge 
sein. Die Skontirung von derartigen Papieren ist für Niemanden ein 
Schaden, für die Hypothekarkasse aber gewährt sie einen bedeutenden 
Nutzen. Kreditfähige Leute, die mit Leihgeschäften nicht yerkehren 
wollen, sind nicht gehalten, es zu thun, indem sie sehr wohl die Solo- 
thumische Bank und die Hypothekarkasse zu finden wissen. 

In letzter Zeit ist die Skontirung von Eigenwechseln Dritter, sowie 
die Skontirung von direkten Eigenwechseln hiesiger Leihgeschäfte be- 
deutend beschränkt worden und wird noch mehr beschränkt werden 
müssen, weil wir je länger je mehr gemachtes Papier auf andere schwei- 
zerische Plätze verfügbar im Portefeuille haben müssen. 

Die Yerwaltungskommission wird nicht ermangeln, dem Diskonto- 
geschäft die grösstmögliche Aufmerksamkeit zuzuwen- 
den und der Direktion die nöthigen Weisungen zu ertheilen. In jeder 
Sitzung wird sie sich über die skontirten Wechsel Bericht erstatten 
lassen. Ueber die jeder einzelnen Firma skontirten 
Papiere, seien es Eigenwechsel Dritter oder direkte Eigenwechsel, 
wird eine Kontrole geführt, welche jeden Augenblick 
über die Höhe der einerFirma sko ntirten Papiere 
Aufschluss gibt. 

Wir halten es nicht im Interesse der Hypothekarkasse, wenn bezüglich 
der Wechselskontirnng andere Vorschriften, als solche, welche Oesetz und 
Beglement kennen, aufgestellt werden und stellen Ihnen daher den Antrag, es 
sei in dieser Angelegenheit der Yerwaltungskommission freie Hand zu lassen. 

Solothurn, September 1879. 

Namens der Verwaltungskommission: 
Der Präsident: 



Der Aktuskr: 
sig. L. Niggli. 



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- 31 — 

Dieser Bericht der Verwaltungskotnmisßion wurde dem Ver- 
wakungsrathe in der Sitzung vom 23. September 1879 vorgelegt. 
Das Protokoll dieser Behörde sagt hierüber auf Seite 6— 7 in 
Beilage 35 Folgendes: 

9 Der ABtrag der EommisBion, di^n gehend, es seien bezügüoh der 
Skontining von Wechseln keine besohrSiikenden Bestimmungen An£su- 
stellen, sondern es sei in dieser Angelegenheit der Yerwaltnngs- 
kommission freie Hand zu lassen, wird nach längerer Diskussion 
angenommen.*^ 

In Wirklichkeit aber wurden die Diskonto-Gesuche vom 
Direktor allein und eigenmächtig erledigt. Die Verwaltungs- 
kommission Hess ihm hierin freie Hand, nur hie 
und da nahm die Kommission einen Anlauf und 
stellte über Diskontirungen einschränkende Be- 
stimmungen auf, zum Beispiel den 8. Februar 1880, 19. Mai 
1880, 31. März 1883 u. s.w. 

Trotzdem wurden diese Geschäfte der Kommission nie vor- 
gelegt, wiewohl das Diskontogeschäft bei der Hypothekarka^se 
allmälig einen bedeutenden Umfang annahm. Von Zeit zu Zeit 
gab der Direktor der Verwaltungskommission Kenntniss von den 
diskontirten Wechseln. Es wurde jedoch in ziemlich formloser 
Weise davon Notiz genommen ; z. B. hiess es einmal : 
4. November 1879, Wechsel sind seit I.November skontirt worden 

No. 35564/606. 
8. „ 1879, Wechsel sind eingegangen No. — ) Keine 
11. „ 1879, » n „ No. — ) Bemerkung 

Zwischen der Motivirung jenes Antrages durch 
die Verwaltungskommission und der Ausführung 
des Beschlusses besteht also eine ganz bedenk- 
liche Differenz. 

Die Wechsel-Engagements von Roth & Cie., Roth, Schläfli & Cie. 
und ihrer Antheilhaber sind in dem erwähnten Auszug aus der 
Wechselkon trole enthalten. Auf diesen Wechseln figuriren bei 
weitaus den meisten nur die beiden genannten Firmen mit ihren 
Antheilhabem als Wechselverpflichtete. Wo ausnahmsweise eine 
dritte Person als Girant, Acceptant, Bürge etc. figurirt, ist sie 
roth markirt. 



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— 32 — 

Nach dem Berichte der Delegirten vom 15. November 1879 
betrugen die diskontirten Wechsel von Roth & Cie. 142,000 Fr. 

Dieses Faktum erwähnen die beiden Delegirten, d. h. die 
Herren Roth und Trog, in ihrem schriftlichen Bericht mit der 
Bemerkung: „Aus der Kontrole über die Engagements heben wir 
nachfolgende Geschäftsfirma hervor: 

J. Roth & Cie. mit 142,000 Fr. 

^Wir haben dem Herrn Direktor mündlich mit- 
getheilt, dass uns der Y erkehr mit einzelnen dieser 
' Sohaldner etwas beunruhigt oder nicht gefällt.*^ 

Die Verwaltungskommission, der dieser Bericht der Delegirten 
vorgelegt wiurde, bemerkte dazu in ihrer Antwort vom 29. De- 
zember 1879: 

^Yon den Bemerkimgen zu diesem (Wechsel) Konto haben wir Notiz 
genommen und bemerken hierorts nur, dass wir mit einer weitem Be- 
schränkung des WechselTerkehrs einverstanden sind. Diese Mass- 
regel wird successive durchgeführt. Seit der Untersuchung von Seite 
der Herren Delegirten sind weitere Rfickzahluugen erfolgt, besonders 
von einigen im Briefe bezeichneten Firmen.*^ 

Diese beiden Berichte der Delegirten und der Verwaltungs- 
kommission wurden den SO. Dezember 1879 vom Verwaltungs- 
rath nach längerer Diskussion ohne Weisungen genehmigt; 
dies steht wörtlich im Protokolle des Verwaltungsrathes Seite 11. 

Im Laufe dieses Jahres wurden gemäss § 26 des Verwal- 
tungsreglements durch die Verwaltungskommission regelmässig jeden 
Monat Bücher, Kasse etc. geprüft und Alles in Ordnung gefunden. 

lieber die Prüfung der Monatsabschlüsse wiurden jeweilen 
eingehende Verbalien aufgenommen. Sie sind in den Protokollen 
der Verwaltungkommission enthalten. Die Prüfimgen selbst fanden 
in der Regel verspätet statt. 

üeber den Geschäftsbetrieb der Hypothekarkasse liegen für 
das Jahr 1879 wie für alle ferneren Jahre periodisch abgegebene 
Berichte vor und zwar: 

Quartalberichte der Verwaltungskommission an den Verwal- 
tungsrath, es fehlen indessen diejenigen des vierten Quartals jedes 
Jahres ; 



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— 38 — 

Semesterberichte des Yerwaltungsrathes an den Regierungs- 
rath; auch hier fehlen diejenigen über die angegebene Zeit; 

Jahresberichte des Yerwaltungsrathes au die Aktionärver- 
sammlung ; 

Jahresberichte des Regierungsrathes an den Eantonsrath. — 
Ich produzire einen Band, betitelt: ,, Belege zum Protokoll des 
Yerwaltungsrathes*'. Darin finden sich die eben zitirten Berichte. Beilage s^ 
Ich habe die einzelnen Berichte durch verschiedene Farben- 
bezeicbnungen (mit Aufschriften) sorgfaltig markirt. 

Alle diese Rechenschaftsberichte beziehen sich auf die Ver- 
waltung der Kasse im Allgemeinen und enthalten den Yer- 
kehr derselben mit Bezug auf jeden einzelnen Geschäftszweig, 
nicht dagegen Zusammenstellungen oder auch nur Andeutungen 
über den Yerkehr einzelner Firmen. Insbesondere führen diese 
Berichte keine Bemerkungen auf über die höchstwichtigen Jahres- 
berichte der beideÄ Delegirten Roth und Trog, die ebenfalls in 
jenem Bande enthalten sind. 

Die Genehmigungen der Jahresberichte des Yerwaltungsrathes 
durch die Aktionärversammlung erfolgen jeweilen mit ferneren 
stereotypen allgemeinen Wendungen : 

„Der Bericht der Rechnungsrevisoren, der Jahresbericht und 
die Rechnung pro . . . werden ohne Einsprache genehmigt." 

Ich lege hier schon alle Berichte des Yerwaltungsrathes an Beii.37~a 
die Aktionärversammlung vor, wie auch die Rechenschaftsberichte 
des Regierungsrathes an die gesetzgebende Behörde des Kantons Beii.4o-4 
Solothum. 

Ich produzire femer das Protokoll der Generalversammlung Beilage 48 
seit 1869. 

Das Wechsel-Engagement von Roth & Cie. per 
Ende Dezember 1879 betrug 180,934 Fr. 35 Cts., also 
zirka 39,000 Fr. mehr als bei der Untersuchung 
durch die Delegirten und deren l¥arnung'eii vom 
15. November 1879. 

12. 

Sehen wir nun zu, wie im Jahr 1880 den Beschlüssen der 
Yerwaltungskommission und des Yerwaltungsrathes nachgelebt 

3 

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— 34 ~ 

wurde. Die Massregel der weitern Beschränkung des Wechsel- 
verkehrs sollte ja nach dem erwähnten Beschlüsse successive durch- 
geführt werden. Damit waren für die Zukunft bestimmte 
formen für den Direktor und für alle Organe bin- 
dende Vorschriften aufgestellt 

In dieser Zeit traten, wie oben ausgeführt wurde, in der 
Firma Schläfli, Roth & Cie. und in der Firma Roth & Cie. nam- 
hafte Verluste ein, so dass die genannten Firmen in beständiger 
finanzieller Verlegenheit waren. Die Inhaber der Firmen trassirten 
gegenseitig auf einander, um diese Verluste zu decken. Die Wechsel 
wurden auf sehr lange Zeit hinaus diskontirt. 

Der nach den Vorschriften der Bank allein zulässige Konto- 
Korrent-Kreditoren Konto verwandelte sich bei den genannten 
Firmen in einen Konto-Korrent-Debitoren Konto, der Anfangs 
Oktober 1880 beispielsweise die ansehnliche Höhe von 26,737 Fr. 
38 Cts. erreichte (vide Brief d. d. 8. Oktober 1880) und den 
27. November ca. 58,500 Fr. (Brief d. d. 27. November 1880). 
tiage 4». Ich lege Auszüge aus den Kopirbüchem der Hypothekarkasse vor. 

Schon im Jahr 1880 mussten Roth & Cie. an ihre Konto- 
Korrent-Schulden gemahnt werden. 

Die Verluste, welche die in Frage kommenden Firmen er- 
. litten, scheinen zu öfteren Besprechungen in der Verwaltimgs- 
kommission Anlass gegeben zu haben. Im Jahr 1880 sind drei 
Mal die Engagements von Roth & Cie. und von einigen andern 
Firmen mitgetheilt worden. So in der Sitzung der Verwaltungs- 
kommission vom 3. Februar 1880. 

Der Direktor theilt mit, es seien durch Weohselskontinuig per 
1. Februar 1880 engagirt: 

Eigenwechsel Ind. Wechsel 

J. Roth & Cie. I. 122,500 19,182. 50 zusammen: Fr. 141,682. 50 
Die Verwaltungskommission ist der Ansicht, es müsse noch eine 
weitere Beschränkung eintreten. Um dem Direktor einen Leitfaden an 
die Hand zu geben, werden die obigen Firmen in drei Klassen einge- 
theilt, nach den oben angegebenen römischen Ziffern. 

Der ersten Klasse darf skontirt werden bis Fr. 100,000 ; der zweiten 
bis Fr. 50,000; und der dritten bis Fr. 30,000. 

Die Reduktion auf die erwähnten Summen soll nicht schroff, sondern 
nach und nach und schonend durchgeführt werden. Auch soll der 



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— 35 — 

Direktor Diobt gehalten Min, strenge an diesen Zahlen festiubalten, 
sondern es ist üebersohreitung zulässig, da, wo die gebotene Sicherheit 
zweifellos solid ist. 

Der Direktor wird der Kommission von Zeit zu Zeit, z. B. monat- 
lich, über den Stand der SkoDtirongen an diese Oeschäftshftuser Bericht 
erstattoD. 

Die Anempfehlung zärtlicher Schonung bei der Reduktion 
war nicht nöthig, wie die Zukunft lehrte* Es ist hier zum Yoraus 
zu bemerken, dass das Engagement von Roth & Oie. diese 
Limite von 100,000 Pr. stets überschritten hat, ja 
dass dasselbe niemals so niedrig stand, wie zu der Zeit als 
dieser Beschluss gefasst wurde. 

Die vom Direktor verlangten regelmässigen Mittheilungen über 
den Stand der Diskontirungen wurden nur in der allernächsten 
Zeit gemacht. So in der Sitzung vom 19. Mai 1880. 

Anwesend: HH. Heutschi, Baumgartner, Kaufmann. 

Der Direktor gibt zu Protokoll: Stand der Wechselskon- 
tirung auf 24. März, 30. April und 15. Mai an hiesige und kan- 
tonale Geschäftsleute. Einzelne, namentlich F.B., sollen zu 
weitern Rückzahlungen angehalten werden. (Be- 
schluss 2.) 

Das Verhältniss ist folgendes: 

24. März 1880. 30. April 1880. 15. Mai 1880. 

Eigen- lad. Eigen- Ind. Eigen- Ind. 

Wechsel. Wechsel. Wechsel. WechseL weehsel. WechseL 

J.Roth&Cie. 72,500 41,161 77,500 76,320 72,500 102,988 
zusammen: 113,661 153,820 175,488 

Die Engagements wurden femer noch mitgetbeilt und sum- 
marisch protokollirt : 

am 12. August 1880 per 15. Juli 1880 

Eigenwechsel. Ind. Wechsel. 

Fr. 25,000 Fr. 124,369 zus. Fr. 149,369 

am 1 3. Oktober 1 880 per 80. September 1880 

Eigenwechsel. Ind. Wechsel. 

Fr. 37,000 Fr. 141,573 zus. Fr. 178,573 

Von da an gerieth jener Beschluss vom 3. Februar 

1880 in Vergessenheit, bis die beiden Delegirten über ihre 



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— 36 — 

jährliche Untersuchung folgenden Bericht Yom 2. November 
1880 abgaben: 

Der Bestand des Portefeaille erreicht nahezu die Summe von 4 Mil- 
lionen. Wir haben dieselben Stflck für Stück durchgesehen. 

Wir konstatiren Torab, das der Verkehr mit einzelnen, früher in 
unsern Berichten oft erwähnten Geschäftsürmen erheblich reduzirt worden 
oder beinahe ganz aufgehört hat. Bei drei oder Tier Geschäftsleuten, 
welche wir dem Herrn Direktor mündlich namhaft gemacht haben, dürfte 
noch eine Reduktion eintreten; es betrifft dieses auch die Firma 
J.Roth & Cie. , deren Eigen- und indes sirte Wech- 
sel die Summe von Fr. 220,000 erreichen (No. 1879: 
Fr. 142,000). 

Vom Monat September her waren noch eine Anzahl Wechsel 
vorhanden, welche auf ihre Einlösung harrten. (Beil. 36, No. 24.) 

Man muss wahrlich staunen über diese subtile 
Bemerkung, zumal Angesichts dieser Summe gegen- 
über den frühern Beschlüssen und der Ueberschrei- 
tung der festgesetzten Limite um mehr als das 
Doppelte! (Vergl. Beil. 36, No. 25.) 

Die Verwaltungskommission machte andenVer- 
waltungsrath zu diesem Bericht der Delegirten vom 
25. November 1880 folgende Bemerkungen: 

Der Direktor hat den Herren Delegirten mitgetheilt, bei welchen 
Firmen nach der Ansicht der Kommission eine weitere Reduktion der 
Diskontirung eintreten soll. Die Firma J. Roth & Cie. und Roth» 
Schläfli & Cie. waren auf Mitte Oktober mit ca. Fr. 220,000 verpflichtet, 
wovon Fr. 150,000 acceptirte Waaren Wechsel auf Deutschland und London 
und Fr. 70,000 Eigenwechsel, von denen Fr. 20,000 mit Faustpfändern 
und der Rest durch Bürgschaft gedeckt ist. Die Firma arbeitet gut und 
versteht solide Abnehmer zu finden, was aus den Informationen, welche 
von uns eingezogen werden, hervorgeht. Seit der letzten Geschäftsunter- 
suchung erzeigt sich eine Abnahme von Fr. 20,000. 

Diese Informationen sind der Verwaltungskommission niemal» 
vorgelegt worden. Es ist unwahrscheinlich, dass sie überhaupt 
jemals existirten. Sicher ist, dass dieselben trotz allen Nach- 
forschungen gegenwärtig nicht erhältlich sind. 

Es scheint mir sicher, dass jene Informationen gar nicht 
bestanden. Ich schliesse dies aus einem Verhöre, das Niggli 
abgab. 



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— 37 — 

In der Strafimtersuchung contra Schläfli und Niggli, welche 
eventue]! Yon dem Obergerichte des Kantons Solothum einzu- 
ziehen beantragt wird, erklärte Niggli dort (pag. 11): 

^Bis einige Monate Tor Ausbrach des Konkurses des A. Schläfli- 
Scfaild sind diese Wechsel in London richtig eingelöst worden. 

Ich mnsste annehmen, es existire eine Firma Joh. Grossmann & Cie. 
in London und zwar aus dem oben angegebenen Grunde, weil die Wechsel 
regelmässig eingelöst worden sind. 

Ich habe namentlich, weil, wie schon gesagt, die Wechsel längere 
Zeit richtig eingelöst worden sind, mich nicht weiter erkun- 
digt und in die Solidität der Firma und in die Richtigkeit der Wechsel 
bei der Skontirang keine Zweifel gesetzt/ 

Damit erkennt Niggli selbst an, dass die Geschichte von den 
guten Informationen ein Märchen ist, das er dem Yerwaltungs- 
rathe zum Besten gegeben hat. 

Daraus folgt aber auch, dass weder Verwal- 
tungsrath noch Yerwaltungskommission selbst sich 
erkundigt haben, sonst hätten sie den Schwindel 
entdecken müssen. 

Inwiefern die erwähnte Abnahme von 20,000 Fr. eingetreten 
sein soll, ist nicht ersichtUch. Das Engagement betrug 

den 15. November 1879 142,000 Fr. 

2. „ 1880 220,000 „ 

Die beiden Berichte der Delegirten und der Verwaltungs- 
kommission wurden in der Sitzung des Verwaltungsrathes vom 
26. November 1880 vorgelegt. Das Protokoll sagt hierüber 
(pag. 21 in Beil. 35): 

Dieser schriftliche Bericht (der Delegirten) wird durch Herrn Trog 
in yerschiedenen Richtungen in längerem Vortrage ergänzt. Darauf folgt 
die Verlesung der schriftlichen Antwort der Verwaltungskomraission. 

Die beiden Berichte werden nach kurzer Diskussion 
ohne Anträge oder Bemerkungen genehmigt. 

Damit waren denn auch die Mahnworte der Delegirten 
vom Jahr 1879 und 1880 in Vergessenheit gebracht. 

Auch in den diesjährigen Quartal-, Semester- und Jahres- 
berichten wird von den Bemerkungen der Delegirten Nichts 
gesagt. Einzig im Bericht der Verwaltungskommission 



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— 38 — 

an den Verwaltungsrath vom 18. April 1880 (Beil. 36, No. 18) 
heisst es : Mit der Beschränkung der Skontirung von Eigenwechseln 
hiesiger Geschäftsleute wird langsam aber stetig zugefahren. 

Es scheint indessen trotz der spärlichen Anhaltspunkte, die 
in den Protokollen der Yerwaltungskommission und des Verwal- 
tungsrathes enthalten sind, auch im Verwaltungsrathe die lieber- 
Zeugung vorhanden gewesen zu sein, dass der Geschäftsbetrieb 
der Kasse namentlich mit Bezug auf die Diskontirung von 
Wechseln ein ungeordneter sei. 

Das Protokoll über die Sitzung des Yerwaltungsrathes vom 
18. August enthält folgende Stelle (pag. 19): 

Es wird beschlossen, die Yerwaltungskommission habe das Yerwa]* 
tungsreglement einer Revision za unterwerfen. 

Es wird einstimmig der Antrag angenommen, es sei die Yerwal- 
tungskommission zu beauftragen, auch das Gesetz Aber die Hypothekar- 
kasse einer Revision zu unterwerfen und dabei namentlich § 2 des 
Gesetzes Yom 18. Juli 1874 im Sinne der Einführung des Konto-Korrent- 
Geschäftes zu berücksichtigen. 

In der nämlichen Sitzung wurde der Direktor einstimmig 
neu gewählt. 

Die Prüfung der Monatsrechnungen, der Bücher etc. wurde 
von der Verwaltungskommission regelmässig, aber jeweilen etwa 
1 — 1^/2 Monate später vorgenommen und in Ordnung befunden. 
Es scheint indessen dabei nicht mit der gehörigen Gründlichkeit 
vorgegangen worden zu sein, denn die Wechsel auf Grossmann 
& Cie. in London wurden schon im Jahr 1880 präsentirt und 
diskontirt, während die Verwaltungsrathsmitglieder in der Straf- 
prozedur vom Jahre 1886/87 (pag. 30) erklärten, dass ihnen 
solche Londoner Wechsel nie zu Gesicht gekommen seien! Wir 
werden weiter unten sehen, dass bei diesen monatlichen Prüfungen 
der Bücher etc. noch Verschiedenes nicht bemerkt wurde. 

Das Engagement der Kasse bei Roth & Cie. 
betrug Ende 1880 414,296 Fr. 

13. 

Die Protokolle und Berichte über das Jahr 1881 ent- 
halten wenig Bemerkungen über den Verkehr der Bank mit 



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— 39 — 

Roth & Cie. u. s. w. Es ist einzig hervorzuheben, dass sub 
Nr. 157 Urs Heutschi, Adler und Roth-Bloch zusammen 5000 Fr. 
wünschen und erhalten. 

Von Zeit zu Zeit wird im Protokoll der Verwaltungskommissiou 
(Beil. 29) bemerkt, dass die in einem bestimmten Zeitraum dis- 
kontirten Wechsel der Kommission vorgelegt worden seien. Allein 
diese Mittheilungen erfolgten sehr unregelmässig, z. B. in der Zeit 
vom 19. Juli bis 2. September, vom 14. September bis 17. Oktober, 
vom 18. Dezember bis 31. Dezember wurden keine Wechsel 
vorgelegt. 

Sie veranlassten auch niemals zu einer Zusammenstellung 
sammtlicher Verpflichtungen der einzelnen, am höchsten engagirten 
Firmen. 

Die monatliche Prüfung der Bücher und Kasse fand ziemlich 
regelmässig statt, ohne dass dabei etwas gerügt worden wäre. 

Auch der Bericht der Delegirten vom 23. Oktober 
18 81 ist sehr kurz, trotz der abermaligen Zunahme der Engage- 
ments Roth & Cie.: 

Einige Bosorgniss haben uns die vielen Eigen- und Waaron- 
Wechsel der Firma Roth & Cie. in Solothurn eingeflösst, erstere erreichen 
die Summe von Fr. 160,000 und letztere Fr. 194,133. 39; die Garantien 
bestehen in Bürgschaft Fr. 40,000 und in Faustpfandern, Valoren und 
Accepten Fr. 120,000. (Beil. 36, No. 36.) 

Hiezu machte die Verwaltungskommission fol- 
gende Bemerkungen: 

Wir betrachten die Skontirung der Wechsel der Firma J. Roth & Cie. 
in Solothurn als nicht gefährlich. Die Firma ist gut geleitet und ist mit 
beträchtlichen eigenen Mitteln versehen. Sie arbeitet gut und verkauft 
mit Yorsicht, was wir daraus entnehmen können, dass äusserst selten ein 
uns indossirter Waarenwechsel, welche alle vor Skontirung acceptirt 
werden, mit Protest zurückkommt. Die Bücher werden vollständig richtig 
geführt und stehen unserer Direktion auf Wunsch offen zur Verfügung. 
Sollten Sie es wünschen, so sind wir bereit, den Yerkehr mit dieser 
Firma zu reduziren. (Beil. 36, No. 37.) 

Es ist höchst seltsam, wie hier davon ge- 
sprochen wurde, dass die Bücher der Firma 
Roth&Cie. vollständigrichtig geführtwerden, 
während nirgends davon etwas enthalten ist, 



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— 40 - 

da 8.8 eine Untersuchung stattgefunden habe 
oder welche Zweifel zu jener Bemerkung Ver- 
anlassung gaben. 

Woher wollte wohl die Yerwaltungskommission wissen, dasB 
die Firma mit beträchtlichen eigenen Mitteln versehen sei? 

Der Schlusssatz, , sollten Sie es wünschen, so sind wir bereit, 
den Verkehr mit dieser Firma zu reduziren*^, klingt als ob über diesen 
Verkehr überhaupt noch Nichts geäussert worden wäre. Man scheint 
vergessen zu haben, dass schon im Jahr 1880 für den Wechsel- 
Diskonto einer einzelnen Firma ein Maximum von 100,000 Fr. 
festgesetzt worden war, während die Wechsel-Engagements allein 
damals Fr. 354,1 33. 39 Cts. betrugen und Ende Dezember 
1881 787,150 Fr. 

Die Berichte der Delegirten und der Verwaltungskommission 
gaben den 2. Dezember 1881 in der Sitzung des 
Verwaltungsrathes zu einlässlicher Besprechung der 
einzelnen Geschäftszweige „Anlass*, ohne indessen zu Beschlüssen 
über Wechsel-Diskontirung zu führen imd ohne dass ein 
Wunsch auf Reduktion des Verkehrs mit der 
Firma Roth ausgesprochen worden wäre. Das 
Protokoll sagt hierüber auf Seite 31 : 

Ohne dass Anträge gestellt werden, wird die YerwaltungskommiBsion 
auf folgende Punkte aufmerksam gemacht: 

Die Frage der Reduktion des Valoren-Kontos durch Verkauf Ton 
4^/o Obligationen, namentlich von Eisenbahnen, sollte geprüft werden, 
indem nicht anzunehmen ist, dass der Dinkontosatz bald wieder auf den 
niedrigen Stand der zwei letzten Jabre zurückgehe und somit fSr die 
betreffende Summe im Diskontogesohäft eine wenigstens ebenso Tortheil- 
hafte Verwendung gefunden werden könne. 

Damit wurde die Direktion geradezu aufgefordert, grössere 
Geldmittel auf das Diskonto-Geschäft zu verwenden. 

Mit Schreiben vom 23. April 1881 wurden Roth & Cie. 
ersucht, für 54,000 Fr. Konto-Korrent- Schuldendeckung zu be- 
schaffen. Diese Reklamation wurde den 2. Mai wiederholt. 

Mit Schreiben vom 1 9. Oktober 1 888 wurden Roth, Schläfli &Cie. 
zur Deckung einer Konto-Korrent-Schuld von 44,704 Fr. 60 Cts. 
aufgefordert. 



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- 41 — 

Den 2. Dezember 1881 waren Roth & Cie. wiederum mit 
19,000 Fr. belastet. Wie oben ausgeführt worden ist, wurden 
im Auftrage des Yerwaltungsrathes gemäss dessen Beschluss yom 
13. August 1880 von der Yerwaltungskommission Vorschläge aus- 
ge^beitet über Abänderung des Yervvaltungsreglementes und 
des Hypothekarkasse-Gesetzes. Es ist namentlich 
hervorzuheben der Antrag auf Erweiterung des Geschäftskreises 
durch Bewilligung von Krediten in laufender Rechnung. Diese 
Vorschläge wurden vom Verwaltungsrathe angenommen und im 
folgenden Jahr der Aktionärversammlung vorgelegt und auch von 
dieser gutgeheissen, während bis dahin nur das Konto-Korrent- 
Kreditoren-Geschäft gestattet, thatsächlich aber auch, jedenfalls der 
Firma Roth & Cie. gegenüber das Konto-Korrent-Debitoren-Geschäft 
praktizirt wurde. Jener Antrag wurde dann aber dem Regierungs- 
rath zur Genehmigung nicht vorgelegt (cf. XIV. Bericht an die 
Aktionärversammlung (Beil. 37), so dass also diese Ver- 
änderungen nicht in Kraft erwachsen sind. 

14. 

Von den Geschäften der Verwaltungskommission vom Jahr 
1882 sind folgende hervorzuheben (Beil. 30): 

Arnold Schläfli-Schild wünscht gegen Handschrift 50,000 Fr. 
und wird abgewiesen den 30. April 1882 (Nr. 742 in Beil. 30). 

J, Roth-Bloch entlehnt: 
den 1 7. Okt. gegen Bürgschaft Adlers u. A. 2000 Fr. (Nr. 1 79 1) 
„ 18. „ „ Grundversicherung 19,000 ^ ( „ 1806) 

Die Prüfung der Bücher und Kasse etc. erfolgte regelmässig 
monatMch. 

Nach der Strafprozedur contra Schläfli-Schild hat indessen 
dieser unterm 14. Juni 1882 von der Hypothekarkasse auf Hand- 
schrift 15,500 Fr. entlehnt und dafür Werthtitel des Dr. Schild 
verpfändet. Nach dem Protokoll der Verwaltungskommission wurde 
aber dieses Gesuch derselben gar nicht vorgelegt. Bei gründlicher 
Prüfung der Monatsrechnungen hätte dies indessen entdeckt werden 
müssen. Damit wäre diese wie andere Betrügereien noch recht- 
zeitig an den Tag gekommen. 



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— 42 — 

Von Zeit zu Zeit wurden auch die diskontirten Wechsel der 
Verwaltungskommission vorgelegt, aber sehr mangelhaft. So fand 
z. B. eine Kontrole über die Wechsel bis 8. Februar nicht statt, 
den 16. September wurden diese vorgelegt bis No. 5 3 13 5 und 
unterm 11. Oktober heisst es im Protokoll: Wechsel wurden 
geprüft bis No. 53 7 15. Vom 7. November an wurden 
in diesem Jahre keine Wechsel mehr vorgelegt, 
um so unbeschränkter fanden die Diskonti- 
rungen statt. 

Schon in den Jahren 1881 und 1882 nahmen die Diskonti- 
rungen von Wechseln der Firma J. Roth & Cie. und Konsorten 
eine bedrohliche Höhe an. 

Entweder wurden Tratten der Firma auf ihre Kunden direkt 
diskontirt (wahrscheinlich, nachdem sie zuvor acceptirt worden 
waren) ; oder es wurden Buchforderungen verpfändet und dagegen 
Eigenwechsel in runden Beträgen ausgestellt ; oder die Firma ver- 
pflichtete sich als Schuldner auf einem Eigenwechsel und ein 
Associe oder ein anderer Bürger verpflichtete sich als Bürge oder 
Indossant. Den Eintragungen in die Wechselkontrole nach zu 
schliessen, hat die Hypothekarkasse auch unverbürgte Eigenwechsel 
von J. Roth & Cie. ; Roth, Schläfli & Cie. und J. Adler diskontirt. 
Bei einer halbwegs genauen Untersuchung der Wechsel 
hätte diese Wechselreiterei entdeckt werden müssen. Damit wäre 
aber auch zugleich die schlechte Finanzlage von Roth & Cie. klar- 
gelegt gewesen. Allein weder der Verwaltungskom- 
mission noch den Delegirten scheinen die gegenseitigen 
Trassirungen und Bürgschaften aufgefallen zu sein. 

So gaben die Delegirten den 10. Oktober 1882 an den Ver- 
waltungsrath folgenden Bericht ab (Beil. 36, Nr. 47). 

Bericht der Delegirten (Trog und Roth) vom 
10. Oktober 1882 an den Tit. Verwaltungsrath : 

Kredite. Aus der Kontrole über EngagementB sind ans namentlich 
zwei, unserer Ansicht nach zu hohe Kredite aufgefallen; es sind dieses: 
1. J. Roth & Cie. in Solothurn. 

Eigenwechsel mit Faustpfand Fr. 100,000.— 

„ Bürgschaft , 90,000.— 

Tratten (resp. Accepte) ^ 266375. — 

Summa Fr. 456,875. 



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- 43 — 

2. A. Schlftfli-Sehild in Solothnrn. 

(80. Juni 1882) pro 80. Sept.. 

Eigenwechsel mit Bürgschaft Fr. 155,000.— Fr. 155,000.-- 

, Faustpfand . 48,500.— . 77,500.— 

Tratten . 22,534^5 „ 54,882.04 

Snmma Fr. 226,034.25 Fr. 287,382.04 
Roth, Schiafli & Cie., Tratten Fr. 4,539. 55. 

Letztes Jahr betrug der Kredit an die Firma J. Roth & Cie. an 
Eigenwechseln mit Faustpfand und Bürgschaft Fr. 160,000, und die 
Waarenweohsel-Accepte Fr. 194,133. 39, zusammen Fr. 354,133. 39; es 
hat somit eine Yermehrung von Fr. 100,000 stattgefunden. Hiezu 
kommt noch der Kredit an Scblftfli-Schild mit Fr. 226,000, der einen 
Theil des Geschäftes der Firma Roth & Cie., nämlich den Export nach 
England, flbemommen. Diese hohen Kredit- Gewährungen sind zunächst 
eine Folge der zu vielen verfügbaren Mittel, welch* letztere durch die 
fortwährend zufliessenden Obligationsgelder gebildet werden. 

Wir sind nun ganz entschieden der Ansicht, dass man hier zu weit 
gegangen, ond dass diese Kredite ganz entschieden reduzirt 
werden sollten. 

Bei einer Krisis in der ührenmacherei, wie wir solche ja schon so 
oft gesehen, mÜ8ste unsere Anstalt nothwendig ganz erhebliche Verluste 
machen. 

Wir glauben desshalb, es sei unumgänglich nothwendig: 

a) Dass die Summe, welche an ein und dieselbe Firma kreditirt werden 
dürfe, festgesetzt und bestimmt werde; und 

b) dass Kredite über eine bestimmte Summe dem Verwaltungsrath zur 
Bewilligung oder Nichtbewilligung vorgelegt werden sollen. 

Schluss. Bei Besprechung der uns allzuhoch vorgekommenen 
Kredite und im Gefühle, dass hierin mehr System und Ordnung walten 
möchte, haben wir uns die weitere Frage gestellt, ob nicht ein Kredit- 
reglement aufgestellt werden sollte. 

Dieses Reglement, welches der Genehmigung des Regierungsrathes 
unterbreitet werden müsste, würde nicht nur eine grössere Sicherheit in 
diese Abtheilung der Geschäfte bringen, sondern auch der Verwaltung 
weit grössere Beruhigung gewähren. 

Gegenüber diesem Bericht hat sich die Verwaltungskommission 
gar nicht geäussert, wiewol sie Gelegenheit gehabt hätte bei 
Anlass eines Berichtes und Antrages an den Verwaltungsrath betr. 
Anstellung eines fernem verantwortlichen Beamten (Beil. 36, 
Nr. 49). 



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— 44 — 

Der Yerwaltungsrath dagegen trat in der Sitzung vom 
29. Dezember 1882 darauf ein. Anwesend waren Alle, Herr 
Alfred Roth ausgenommen. Das Protokoll, Beil. 35 pag. 42/3 
sagt darüber: 

Traktandum 3. Der Bericht der Delegirten des Verwaltungs- 
rathes, Herren Trog und Roth (vom 10. Oktober 1882) wird ver- 
lesen (im Belegbuch Nr. 47). 

Dieser Bericht gibt zu einer längeren Diskussion und zu 
folgenden Beschlüssen Anlass: 

Der Umstand, dass an einzelne Finnen und Personen grosse, yiel- 
leioht allzugrosse Summen in yerschiedenen Formen kreditirt worden 
sind, gibt zu dem Beschlüsse Anlass, es sei das Yerwaltungs-Beglement 
einer Revision zu unterwerfen, wobei namentlich das Maximum der an 
eine und dieselbe Person oder Firma zu kreditirenden Summe festgesetzt 
werden soll. 

Die Yerwaltungskommission soll in der nächsten Sitzung einen be- 
züglichen Entwurf vorlegen. 

Sitzung des Verwaltungsrathes vom 24. Februar 1883. 
Anwesend: Alle. 

Da Herr Roth verhindert war, an der letzten Sitzung Theil zu 
nehmen, wird ihm das Wort ertheilt, um sich über den in jener Sitzung 
behandelten Delegirten-Bericht näher auszulassen. 

Herr Roth betont namentlich, es sei einigen Firmen, welche er 
näher bezeichnet, zu hoch kreditirt worden. Er stellt keinen Antrag, 
sondern ist mit dem gefassten Beschlüsse auf Reglements-Abänderung 
einverstanden. 

Auch in diesem Jahre mussten Roth & Cie., sowie Roth, 
Schläfli & Cie. wiederholt an die Deckung ihrer Konto-Korrent- 
Schulden gemahnt werden. (Vgl. die Briefe d. d. 14. Febr., 
17. April, 21. April, 9. Mai, 3. Juni, 7. Sept., 6. Okt., 5. Dez., 
26. Dez., durch welche Roth & Cie. jeweilen zu Rückzahlungen 
bis auf 56,000 Fr. aufgefordert werden mussten, ferner die 
Briefe vom 14. Febr. und 17. April an Roth, Schläfli & Cie. 
gleichen Inhalts (Beil. 49). 

Das Wechsel-Engagement der Firma Roth 

per Ende 1882 betrug 874,897 Fr. 



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— 45 — 

15. 

Den 3 1. März 1883 (Nr. 558 in Beil. 31), \vurde von 
der Yerwaltungskommission anlässlich des Qeldstages 
Wioistorfer beschlossen, es sollen die diskontirten Wechsel in 
jeder Sitzung vorgelegt und bei grösseren Beträgen 
dem Entscheide der Kommission vorgelegt werden. 

Trotz dieses Beschlusses wurden in der Folgezeit, mit einer 
einzigen Ausnahme im Jahre 1884, die aber Wechsel der Eidgen. 
Bank, Basler Bankverein, schweizerische und aargauische Ejedit- 
anstalt betraf, niemals Wechsel vor der Diskontirung 
der Yerwaltungskommission zur Genehmigung vorgelegt, obwohl 
sich darunter auch grössere Beträge befanden, wie z. B. folgende 
Posten : 

fillig: teontirt: Bezogener Aastteller; Indossant: 

Mai/Nov. 24. April 59,057/73 Roth & Cie. für Fr. 65,567. 48 

JuH/Nov. 30. ,, 225/37 „ „ „ 39,285.70 

Juni/Nov. 8. Mai 424'43 „ „ „ 26,737.— 

15. Aug. 16. „ 644 J. Adler „ „ 30,000. — Roth & Cie. 

15. „ 16. „ 674 Adler und Sohläfli „ „ 23,000. — Roth-Bloch 

jl 70,000 rr.: la Aug., Sept, 

j« wlooo ^Tr lo! Jan. 24. Okt. 63,923/30 DöÜDg, Roth & Cie. „ „600,000. — Döling 

ad 10. Febr. 

Mara/Juni 6. Nov. 64,307 Roth & Cie. „ „280,000.— 

10. Aug. 22. „ 708 ,, „ „ 70,000. - 

' 10. Sept. 13. Dez. 65,336 „ „ „ 70.000. — „ 

10. Okt. 22. Jan. 66,377 „ „ „ 90,000. — 

Ebensowenig sind die diskontirten Wechsel in jeder Sitzung 
vorgelegt worden. Wenigstens sind den Protokollen von mehr als 
20 Sitzungen im nämlichen Jahre keine Wechsel erwähnt worden. 
Zum ersten Mal wurden sie vorgelegt den 4. April 1883 (Nr. 599). 

Am 1 1 . April wurde beschlossen, einen (Roth & Cie. nichts 
angehenden) Wechsel nicht mehr zu erneuern. 

Dann wurden die Wechsel neuerdings eine Zeit lang proto- 
kollirt. Vom 8. September bis 4. November ist wieder eine Lücke. 
Letzte Nummer am 8. Sept. Nr. 62763, am 4. Nov. 64248. Hier 
hiess es: 

Wechsel werden genehmigt. Am 10. November hiess es: Wechsel 
sind eingegangen bis 64484. 



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— 46 — 

Dann kommeD zwei leere Seiten. 

Wieder Pause bis am 6. Dezember, wo es heisst: Wechsel 
sind kontrolirt worden bis 65100 (letzte Prüfung im Jahr 1883). 

Das Protokoll der Yerwaltungskommission ist häufig sehr 
unordentlich geführt, theils gar nicht, theils nur vom Aktuar unter- 
schrieben imd an 3 Orten mit leeren Seiten. 

Die vorgeschriebenen monatlichen Prüfungen der Bücher, 
Kasse etc. fanden sehr mangelhaft statt; z. B. das erste Mal den 
27. Juni 1883 Prüfung der Rechnungen etc. vom Monat 
Dezember 1882 und den 8. Januar 1884 für Oktober 1883 etc.!! 

Von den Geschäften der Verwaltungskommission betreflfen 
folgende die in Frage kommenden Personen (Beilage 31): 

Den 24. Januar (Nr. 151) erhält Adler auf Faustpfänder 
45,000 Fr. 

Den 7. Mai (Nr. 831) erneuert Schläfli-Schild zwei verbürgte 
Eigenwechsel von zusammen 53,000 Fr. 

Den 29. Juni (Nr. 1169) und 9. August (Nr. 1416) wird 
Schläfli-Schild mit seinen Darlehensgesuchen von 35,000 und 
60,000 Fr. abgewiesen und erhält den 29. Oktober (Nr. 1862) 
auf Grundversicherung statt gewünschten 12,000 Fr. nur 
10,000 Fr. 

Aus allen diesen Gesuchen musste für jeden 
Geschäftsmann die Ueberzeugung hervorgehen, 
dass Roth & Cie. etc. sich nur mit der grössten An- 
strengung halten konnten und dass sie keinen Kre- 
dit verdienten. Die zahlreichen gewichtigen Wechsel, welche 
mit Hülfe der Hypothekarkasse in Zirkulation gesetzt wurden, 
die Darlehen, die auf gegenseitige Bürgschaft erhoben wurden, 
genügten bei Weitem nicht. Beweis: Expertise. 

J. Roth & Cie. verfielen desshalb auf folgendes Auskunfts- 
mittel. Sie verschrieben und cedirten unter verschiedenen Malen, 
u. A. am 4. Juni 1883, der Hypothekarkasse „sänuntliche Ak- 
tiven ihres von Hrn. Aug. Döling in Berlin verwalteten Kom-^ 
missionsgeschäftes", stellten für deren Gegen werth Tratten auf 
den Geranten dieses „Kommissionsgeschäftes" aus, welche von 



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— 47 — 

diesen acceptirt und bei der Hypothekarkasse zahlbar gestellt 
wurden. 

Auf diese Weise wurden z. B. am 24. Oktober 1888 fol- 
gende unterm 2. Juni 1883 von J. Roth & Cie. ausgestellte 
Tratten auf Aug. Döling, Berlin, zahlbar in Solothurn, diskontirt 
und in Rechnung gutgeschrieben: 

Fr. 70,000 per 10. Juli | 

„ 70,000 ^ 10. August 

„ 70,000 y, 10. September ( jggg 

„ 70,000 „ 10. Oktober 

„ 70,000 „ 10. November 

„ 70,000 „ 10. Dezember 

Femer gleichen Tags unterm 10. August 1883 ausgestellte 
Fr. 90,000 per 10. Januar 



90,000 „ 10. Februar 



1884 



Fr. 600,000 
Dieses Beispiel sollte genügen, um die Ge- 
schäftsführung in's richtige Licht zu setzen, allein 
weder Verwaltungskommission noch die Delegirten 
noch der Verwaltungsrath fanden sich veranlasst 
dagegen zu opponiren. 

Die erwähnte Erklärung vom 4. Juni lautet folgender- 
maassen : 

Erklärung. 
Die unterzeichnete Pinna J. Roth & Cie., Uhrenfabrikanten in Solo- 
thom, erklärt hiemit, dass sie sämmtliche Aktiven ihres von Herrn 
Aug. Döling in Berlin, Kurstrasse 20—21, verwalteten Kommissions- 
geschäftes der Tit. Hypothekarkasse des Kantons Solothurn verschreibt 
und cedirt 

Diese Aktiven bestehen: 

1. Aus dem in der Filiale Berlin sich befindenden Uhrenlager. 

2. Aus der Debitoren- Kommandite. 

8. Aus dem jeweiligen Kassabestand und dem Mobiliar. 

Zur Ermittlung dieser Aktiven wird der Hypothekarkasse des Kan- 
tons Solothurn jeweilen bis zum 10. eines jeden Monats ein detaillirtes 
Yerzeichniss sämmtlicher Uhren mit spezitizirtem Nummernverzeichniss 
derselben, femer ein detaillirtes Yerzeichniss der Debitoren eingereicht. 



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— 48 — 

Die Richtigkeit der Alctiten mass jeweilen durch die Firma be- 
glaubigt und am Fasse des Yerzeichnitses der Tit. Hypothekarkasse des 
Kantons Solothom noch speziell oedirt weiden. 

Solothurn, den 4. Juni 1883. 

Big. J. R t h & C i e. 

Diese Erklärung und Cession wurde vom Direktor ange- 
nommen und die betreffenden Wechsel von 600,000 Fr. diskontirt, 
ohne dass die Verwaltungskommission davon unterrichtet worden 
wäre. 

Letztere m u s s t e aber bei Anlass der Prüfung der Wechsel 
auch von dieser angeblichen Sicherheit erfahren haben und den- 
noch wurde allgemeines Stillschweigen bewahrt! 
Zweifellos war die Gültigkeit dieser Cession juristisch anfechtbar 
und höchst dubios und bildete jedenfalls keine Sicherheit, wie 
sie durch Gesetz und Reglement der Bank verlangt wurden. Die 
zur gültigen Cession erforderlichen Notifikationen der Cession an 
die jeweiligen Schuldner von Roth & Cie. sind niemals gemacht 
worden. Das Verzeichniss der cedirten Forderungen und Uhren 
ist auch nicht eingereicht worden. 

Nach den oben angeführten Citaten aus dem ProtokoUe der 
Verwaltungskommission müssen diese Wechsel in der 
Sitzung vom 4. November 1883 vorgelegt worden sein ! An- 
wesend waren Heutschi , Baumgartner , Kaufmann und der 
Direktor. 

„Wechsel werden genehmigt bis No. 64248." 

Auch der Verwaltungsrath hat von diesen Wechseln 
und der oben erwähnten Cession Kenntniss erhalten durch den 
Bericht der Delegirten vom 27. Oktober 1883. Was that er? 
Nichts ! 

Die Anfangs 1883 im Geldstag Winistörfer erlittenen Ver- 
luste hätten wahrlich den Verwaltungsräthen die Augen öffnen 
sollen. 

Unter No. 448 im Protokolle der Verwaltungskommission 
wird den 10. März gesagt: 

Die Geschäftsbedingungen der Hypothekar- 
kasse des Kantons Solothurn sind folgende: 



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— 49 — 

1. sie leiht Gelder aus 
ä) auf Hypotheken, 

bj auf Handschriften mit Faustpfändern oder Bürgschaften, 
cj auf Eigenwechsel mit Bürgschaft oder Faustpfand. 

2. u. s. w. 

Damit wollte offenbar gesagt werden, dass Wechsel ohne 
Bürgschaft oder Faustpfand nicht angenommen werden dürfen. 
Es figuriren aber auch nachher in der Wechselkontrole eine 
Menge Wechsel nur mit der Unterschrift Roth & Cie. ohne 
weitere Sicherheit! 

(No. 916.) Den 19. Mai legte der Direktor einen Entwurf 
für ein abgeändertes Verwaltungs-Reglement vor. Darnach werden 
von der Kommission die Anträge an den Verwaltungsrath fest- 
gestellt. 

§ 2 neu. Die Hypothekarkasse skontirt Eigenwechsel (Yorschuss- 
oder Kreditwechsel), sofern dieselben die Unterschrift von wenigstens 
zwei zahlungsfähigen, im Kanton Solothum angesessenen Personen 
tragen. Die zweite Unterschrift kann durch die Hinterlage eines Faust- 
pfjGindes ersetzt werden. 

§ 21. Werden Staatspapiere, Aktien oder Obligationen industrieller 
Unternehmungen oder ähnliche Titel als Faustpfand angeboten, so ent- 
scheidet die Yerwaitungskommission, ob dieselben überhaupt 
ihrer Beschaffenheit und dem Kredite ihrer Garanten nach annehmbar 
sind. Die Belehnungsfähigkeit dieser Werthpapiere wird von der Ver- 
waltungskommission je nach ihrer Solidität, innerhalb der Grenzen von 
50 — 100 des Tagekurses festgesetzt. Bei Verschreibung von Waaren 
(Warrants) kann die Belehnung ^/2 bis ^/4 des Fakturapreises oder des 
durch Experten festgesetzten Werthes betragen. 

§ 22. Die Hypothekarkasse kann auch Waaren- oder Yerkehrs- 
wechsel auf das In- oder Ausland skontiren. Die zweite Unterschrift 
kann sich in diesem Falle in der Form eines Indossamentes oder eines' 
AccepteB präsentiren. 

§ 23. Die Yerwaitungskommission setzt das Maximum des Be- 
trages fest, bis zu welchem die Klienten der Anstalt in den verschiedenen 
Wechselformen kreditirt werden dürfen. Weitergehende Begehren sind 
derselben jeweilen zur Behandlung vorzulegen. 

Diese Anträge wurden vom Yerwaltungsrathe in der Sitzung vom 
23. Mai unverändert angenommen und von diesem dem Regierungsrathe 
vorgelegt. Letzterer berichtet den 25. Januar 1884, die Berathung dar- 
über sei verschoben bis nach Erledigung der Frage über Gründung einer 
Kantonalbank, die damals schon pendent war. 

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— 60 — 

Dies hätte indessen den Yerwaltungsrath wahrlich nicht ge- 
hindert provisorische Bestimmungen zu treffen im Allgemeinen 
oder speziell mit Bezug auf die in Frage stehenden Firmen. 

Neue Veranlassung dazu gab der Bericht der Delegirten, 
Herren F. Trog und Both, vom 27. Oktober 1883, in welchem 
dieses imthätige Verhalten mit folgenden Worten gerügt worden ist: 

Kredite. Hier können wir nar wiederholen, was schon im letsi- 
jfthrigen Bericht deutlich Ton uns gerügt worden ist; unsem bestimmten 
Vorschlägen wurde nicht Rechnung getragen, in dem Sinne, dass die 
Summe, welche an eine und dieselbe Firma kreditirt werden darf, fest- 
gesetzt werde. Wir bezweifeln, ob Kredite über eine bestinsmte Summe 
dem Yerwaltungsrath zur Genehmigung Torgelegt worden sind. Wir kdn- 
nen uns nicht vorenthalten, Sie ganz bestimmt darauf aufmerksam zu 
machen, dass solche Geschäfte im Widerspruche und nicht im 
Sinn und Geiste des Gesetzes liegen. Der Kredit an die Firma 
Both & Oie. hat wesentlich zugenommen, er überschreitet heute eine 
halbe Million Franken. 

Wohl liegt ein Akt vor, abgefasst von Herrn Fürsprech Amiet, laut 
welchem diese Firma als Faustpfand der Hypothekarkasse verschreibt ihr 

Waarenlager in Berlin (16. August 1883) Fr. 207,383. — 

Ihr Guthaben bei Debitoren „ 258,839. 50 

Total Fr. 466,222. 50 

Ob eine solche Faustpfand-Yersohreibung im Ein- 
klang mit dem Gesetze ist, möchten wir bezweifeln; 
solche Geschäfte gehören nicht in den Rayon einer Hypothekarkasse. 

Wechsel. Das Wechsel-Portefeuille haben wir genau durch- 
gesehen und erlauben uns die Bemerkung, dass zu langsichtiges 
Papier skontirt wird. 

Das Portefeuille enthält viel zu viel Wechsel, die durchaus nicht 
bankfähig sind; auf welche Geld erhoben wird, um mit der Hülfe des 
Staates eigentlich Wechselreiterei zu treiben, wodurch des Volkes 
Wohlstand mehr und mehr untergraben wird. 

S c h 1 u 8 s. Die letzte Yerwaltungsrathssitzung fand am 23. Mai statt; 
es sind nun seither fünf Monate verflossen, wie soll es auf diese Weise 
dieser Behörde möglich sein, eine, der ihr durch das eidgenössische 
Obligationenrecht überbundenen Yerantwortlichkeit entsprechende Auf- 
sicht und Kontrolle über die Geschäftsführung auszuüben ? 

Dem im letzten Berichte gerufenen Kreditreglemente möchten wir 
nochmals energisch das Wort reden, es sollte nicht länger mit demselben 
zugewartet werden. 



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— 51 — 

unter No. 2125 in Beilage 31 heisst es im Protokolle 
der Yerwaltungskommission : 

Der Bericht der Delegirten gibt zu längerer DiskoBsion Anlass und 
fahrt zu dem Beschlüsse, der Direktor habe in einer nftohsten Sitsnng 
den Entwnrf eines Kreditreglementes Torzulegen. Sodann ist bei jeder 
Rechnungsprüfung der Stand der Verpflichtungen (auf dem Wechsel- 
konto) jedes einzelnen Klienten in tabellarischer Üebersioht der Ver« 
waltungskommission zur Einsicht Torzulegen. 

Auch um diese Vorschrift kümmerte sich Nie- 
mand. 

Die Yerwaltungskommission machte zu dem mitgetheilten 
Bericht der Herren Delegirten folgende Bemerkungen (Beilage 36 
No. 57). 

2. Bezüglich der Kreditgewährungen sind wir mit Ihnen einig, dass 
einzelne Firmen zu hoch kreditirt worden sind und dass eineZu- 
rückführung auf angemessenere Bahnen stattfinden muss. 

Es bezieht sich .dies hauptsächlich auf die Uhrengeschäfte Roth 
& Cie., A. Schläfli-Sohild etc. 

Bei den beiden erstem Firmen halten wir die Situation für nicht 
gefährlich. Es ist seit dem letzten Beschlüsse fortwährend auf Rück- 
zahlungen gedrängt worden und die Firma Roth & Cie. arbeitet auch 
wirklich an einer Yeränderung ihrer finanziellen Grundlage. Die Firma 
Schläfli-Schild ist im Begriffe, das Geschäft umzugestalten, d. h. das 
Handels- in ein Fabrikations- Geschäft zu Terwandeln. Es werden uns 
für die nächste Zukunft Rückzahlungen in Aussicht gestellt, und wir 
hoffen, Ihnen in der Februarsitzang bezügliche Mittheilungen machen zu 
. k5nnen. 

4. Das in der letzten Sitzung genehmigte Yerwaltungsreglement ist 
Tom Regierungsrath noch nicht genehmigt worden. Wir haben nun den 
Direktor beauftragt, ohne Rücksicht auf das Reglement, ein sogenanntes 
Ereditreglement zu entwerfen und in kürzester Frist vorzulegen. 

Das Protokoll über die Sitzung des Verwaltungsrathes 
vom 20. November bemerkt hiezu Folgendes (pag. 53/54 in Bei- 
lage 35): 

Der Bericht der Herren Delegirten des Verwaltungsrathes, 
d. d. 27. Oktober 1883, über eine den 24. und 25. Oktober vor- 
genommene Untersuchung der Geschäftsführung der Hypothekar- 
kasse wird von Herrn Trog verlesen. 



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— 52 ~ 

Nachdem der Direktor über die angeregten Punkte sich 
geäussert, entspinnt sich eine längere Diskussion. Der Antrag, 
es sollen die den Firmen J. Roth & Cie., A. Schläfli-Schild in 
Solothum etc. bewilügten Kredite beförderlichst reduzirt wer- 
den, wird angenommen. 

Zum Schlüsse wird der Bericht der Herren Delegirten ge- 
nehmigt und denselben für ihre genaue Untersuchung und ein- 
lässliche Berichterstattung der gebührende Dank ausgesprochen. 

Aus der Korrespondenz ist hervorzuheben (Beil. 49): 

1. Den 15. Januar 1883 ersuchte die Hypothekarkasse 
J. Roth & Cie. fürderhin für rechtzeitige Deckimg besorgt 
zu sein, „da wir durch Beschluss unserer Verwaltungs- 
kommission keine Anweisungen ohne Deckung mehr ein- 
lösen dürfen." 

2. Brief der Hypothekarkasse an Roth & Cie. vom 24. Ok- 
tober 1883. Er lautet folgendermassen : 

^Wir kamen s. Z. in den Besitz Ihrer Geehrten Tom 4. Juni and 
16. August abhin und haben denselben entnommen: 

Fr. 600,000 Accepte August Döhng, Berlin, wofür Sie laut beilie- 
gendem Bordereau mit netto 
Fr. 412,868. 15 Werth 2. Juni, 
„ 175,620. 20 „ 10. August, E. v., erkannt sind. 

„Dagegen übermachen wir Ihnen in Beilage quittirte 
Fr. 10,000 Ihr Billet per 31. Mai, 
„ 30,000 „ n « 22. Juni, 
„ 20,000 „ , „ 3. Juli, 

„ 30,000 „ „ „ 15. August, wofür wir Sie, Werth Verfall, 
belasten. 

„Sie schulden uns ferner: 
Fr. 60,000 Ihr Billet per 9. Juni, 
„ 25,000 y, . r, 15. „ 
„ 30,000 „ . . 24. „ 
„ 35,000 „ „ „ 31. August, 
und ersuchen wir Sie um umgehende Ordnung dieser Angelegenheit. 

sig. Niggli. 
Die Rückstände müssen sofort geordnet werden.'* 

Nach diesen Briefen konnten — wie das Gutachten von 
Yersin und Dr. Lutz ganz richtig ausführt — trotz erfolgter Gut- 
schrift von Fr. 588,488.35 nur Fr. 90,000 vor5, 4, 3uBd2 



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r 



-^ 53 — 

Monaten fällig gewesene Billets herausgegeben werden, 
während Fr. 150,000 zum grössten Theil vor 4 Monaten 
fällig gewordene Billets Mangels Deckung zurückbehalten 
werden mussten. Die Kontokorrent-Rechnung weist denn auch, 
vorerwähnte quittirt zurückgegebene Wedisel von zusanuneü 
Fr. 90,000 nicht inbegriffen, auf jenen Tag, 24. Oktober 1883, 
eine Schuld von Fr. 488,634 auf. 

Das Engagement per Ende 1883 betrug 
Fr. 1,673,047. 

16. 
Der Direktor macht den 1. März 18 8 4 der Verwaltungs- 
kommission (Beil. 32 No. 349) Mittheilung bezüglich der Skon- 
tirung von Wechseln an folgende Firmen: 
J. Roth & Cie., A. Schläfli-Schild & Cie. 
Darauf beschliesst die Verwaltungskommission: 
Bei den Firmen Roth & Cie., Schläfli-Schild & Cie. soll 
möglichst auf Reduktion gedrungen werden. 
Damit scheint die Verwaltungskommission sich bewusst ge- 
worden zu sein, dass sie ihre Schuldigkeit und Pflicht gethan 
habe. Um die Ausführung und Befolgung dieses Beschlusses 
kümmerte sie sich nicht weiter. 

Erst den 31. Dezember 18 84 (No. 2758) beschloss die 
Verwaltungskommission weiter : 

Bezüglich der Diskontirung von Wechseln, KontroUirung des Wechsel- 
geschäftes, Höhe der Ereditirung an eine einzelne Firma soll in der 
Sitzung vom 5. Januar Beschloss gefasst werden und der Direktor bis 
dahin Anti^ge forrouliren. 

Im Jahr 1884 heisst es am 26. Januar (202): Wechsel 
sind eingegangen No. 66373/66449. Demnach sind die Nummern 
65101/66372 gar nicht protokoUirt worden, da die Wechsel vor- 
her nur bis No. 65100 vorgelegt worden waren. Dann sind die 
Wechsel am 27. Januar, 5., 10., 16., 20. Februar, 1. und 8. 
März regelmässig vorgelegt worden. 

Am 10. Juli heisst es: Wechsel werden verlesen bis 
No. 70863. Im Jahr 1884 heisst es einige Male: Wechsel 
werden verlesen und genehmigt, oder Wechsel sind skontirt 



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— 54 — 

worden und werden genehmigt bis No. etc. — Und so geht es 
fort bis in's Jahr 1885. 

Ebenso schlimm steht es mit den Prüfungen der Monats- 
rechnungen. Im Jahr 1884 fand die erste Prüfung den 13. Mai 
statt und zwar diejenige vom Dezember 1883!! 

Den 20. August 1884 entlehnte Schläfli auf einen Eigen- 
wechsel Fr. 40,000 mit Verschreibung von Werthtiteln, die an- 
geblich auf der Eantonalbank verpfäDdet sein sollten, die aber 
in Wirklichkeit als Depositum des Dr. Schild dort früher einmal 
deponirt, aber längst wieder zurückgezogen waren!! 

Die Summe wurde ausbezahlt und nachher erkundigte man 
sich bei der Solothumer Bank um die angebliche Sicherheit! 

Alle diese Uebelstände sind von den Herren Delegirten er- 
kannt imd ohne Schonung aufgedeckt worden in ihrem Berichte 
vom 18. November 1884 (Beil. 36 No. 70): 

1. Protokoll der Yerwaltungs-KommisBion. Dieses 
ProtokoU ist vom Präsidenten der Kommission nicht unterzeichnet; unterm 
23. April fehlt auch die Unterschrift des Aktuars. Unterm 1. März hat 
die Kommission beschlossen, es solle bei den Krediten: 

1. Both & Cie., 2. Schläfli-Schild etc. 
möglichst auf Reduktion gedrungen werden. 

Wir haben gezeigt, dass solche Beschlüsse die reinsten Seifenblasen 
sind. Wann nicht positiv gesagt wird, welche Posten nicht mehr erneuert 
werden sollen und dass am Beschlüsse festgehalten wird, so wird eben, 
wie die Erfahrung zeigt, absolut nichts erreicht. 

Die Untersuchungen der Kasse, Portefeuilles etc. sollten durch die 
Yerwaltungskommission regelmässiger geschehen und das Ergebniss der- 
selben zu Protokoll genommen werden. 

Wir machen die Yerwaltungskommission auf ihre 
verantwortungsvolle Stellung aufmerksam. 

Kredite. Wir haben schon seit vielen Jahren in unsem 
Berichten mit Nachdruck einer Beschneidung gewisser Kredite gerufen. 
In demjenigen vom Jahre 1882 verlangten wir ausdrücklich, dass der 
Kredit an eine und dieselbe Firma von der Yerwaltungskommission genau 
festgesetzt werde. 

Letztes Jahr beklagten wir uns, dass unsem bestimmten Yorschlägen 
keine Rechnung getragen wurde. Was sollen wir nun dieses Jahr sagen? 
Yorab geben wir die bestimmte Erklärung ab, dass wir alle und jede 
Yerantwortlichkeit ablehnen, wenn aus der exorbitanten, 
alle Grenzen überschreitenden Kreditgebung an einzelne Firmen der 



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— 55 — 

Hypothekarkasse Schaden erwaohsen M^Ue. Wir haben dabei namenthdh 
die Kredite an Roth & Cie. and Sohläfli-Soiiild im Aage. 

An der Hand Ton einigen Zahlen wollen wir Ihnen beweisen, dass 
statt der laut gemfenen Besohneidung eine gewaltige Zunahme 
der Sohnldsnmme von Both & Oie. stattfand. Entschieden wird hier zu 
leichtfertig und in nic^t zu Terantwortender Weise kreditirt, während 
jaof dem Hypothekengesohäft mit allem Ernste vorgegangen wird, und 
wenn ein Bäuerlein einige hundert Franken auf Hypothek erheben will, 
wird nach allen Richtungen erwogen und ergründet, ob ja die nöthige 
Sicherheit vorhanden sei. 

Beim Weohselgeschäfb werden Hunderttausende kreditirt, ohne sich 
zu vergewissem, ob denn auch wirklich die durch das Gesetz verlangte 
Sicherheit vorhanden sei. 

Laut unsem Berichten vrar die Firma J. Roth & Cie. in Solothurn 
laut der Eontrolle über Engagements der Hypothekarkasse schuldig: 

Bericht pro 15. November 1880 Fr. 142,000.— 

Bericht pro 23. Oktober 1881 : 

I. Eigenwechsel Fr. 160,000.— 

n. Waarenwechsel „ 194,133.39 Fr. 354,133.39 

Garantirt durch Bürgschaft Fr. 40,000.— 

durch Yaloren und Accepte garantirt „ 120,000. — 
Bericht pro 4. Oktober 1882 : 

I. Eigenwechsel Fr. 100,000.— 

n. Eigenwechsel mit Bürgschaft ... „ 90,000.— 

m. Waarenwechsel „ 266,875.— Fr. 456,875.— 

Bericht vom 25. Oktober 1883 Fr. 588,488.35 

Es lag hier wohl ein Akt vor über eine faustpföndliche Yersohrei- 

bung ihres Waarenlagers in Berlin und der Debitoren. 

Und heute finden vnr auf 12. November 1884, dass die vorgenannte 

Firma bei der Hypothekarkasse engagirt ist wie folgt: 

A. Mit Faustpfand: 

Fr. 80,000. — fällig im Monat November 1884. 

B. Mit Bürgschaft : 

Fr. 15,579. 70 fallig im Monat November 1884. 
„ 10,197.80 „ „ n Dezember „ 
„ 26,150.— „ „ „ Januar 1885. 
„ 22,673.40 „ „ „ Februar 
, 22,549.80 „ „ „ März 
2,500. - „ . „ April 

Fr. 99,650.70 



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— 56 — 

C. Endossirte Wechsel: 
Fr. 56,327. 74 fällig im Monat November 1884. 



, 166,684. 32 


Tt 


t» 


y, Dezember „ 


„ 173,279.84 


T» 


11 


„ Januar 1885 


, 157,063. 03 


T1 


^ 


fl Februar , 


„ 164,472. 96 


It 


rt 


. März 


, 154,158.32 


V 


fi 


n April 


, 128,492. 27 


r» 


n 


T, Mai „ 


, 140,357.77 


Jt 


u 


. Juni 


Fr. 1,140,826. 25 









Rekapitulation : 

1. Eigenwechsel mit Faustpfand Fr. 80,000.— 

2. „ . Bürgschaft „ 99,650.70 

3. Endossirte Wechsel ^ 1,140,846.25 

Total Fr. 1.320,476. 95 

Statt der verlangten Reduktion hat neuerdings eine Erhöhung 
stattgefunden, und es hat der Kredit die fabelhafte Höhe von 1,320,476. 95 
Franken erreicht. 

Abgesehen davon, dass jene Firma gut arbeiten mag, und abgesehen 
vom Nutzen, welchen die Hypothekarkasse mit diesem Geschäft macht, 
kann eine solch^ exorbitante Kreditgewährung nie und nimmer verant- 
wortet werden. 

Ein Uhrenlager bietet bei einer Liquidation nicht denjenigen soliden 
Halt, wie ein anderes Waarenlager. So gerne wir auch Hand bieten, 
die Industrie Solothums fördern zu helfen, so sind wir mit Rücksicht 
auf unsere Stellung und unsere Pflicht gezwungen, auf das Gefahrvolle 
einer so enormen Kreditgebung aufmerksam zu machen und entschieden 
Abhülfe zu verlangen. Bei jedem andern Bankgeschäfte werden die 
Kreditbegehren ohne Ausnahme durch die Direktion oder den Verwal- 
tungsrath festgesetzt. 

Wir stellen an die Verwaltungskommission die Anfrage, wer hier 
bewilligt hat? 

Femer finden wir die auf Herrn Aug. Döling in Berlin gezogenen 
und von letzterm acceptirten Wechsel von zirka Fr. 400,000, zahlbar 
monatlich mit ungefiihr Fr. 70,000, als viel zu langsichtiges Papier, das 
hier discontirt wird. Wir heben hervor: 

Wechsel 10. März 1884, zahlbar 10. Dezember 1884 Fr. 70,000. — 
5. Mai 1884, « 10. Februar 1885 „ 70,000. — 

5. Oktober 1884, „ 10. Juni 1885 „ 90,000. — 

also durchschnittlich 8 Monate. 



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— 57 — 

Das Namlielie findet statt bei d^ Firma Eörnnger in Strassburg; 
das Wechselportefeuille enthält Wechsel im Betrage Ton wohl 100,000 
Mark auf diese Firma, alles zu langsichtiges Papier. 

Die Yerwattungskommission sollte dem Wechselgeschäft mehr Auf- 
merksamkeit schenken, das heisst, eine regelmSssig wiederkehrende 
Kontrole ausüben. 

Die nämliche Firma schuldet laut Engagements-Eontrole der Hypo- 
thekarkasse : 

1880 Fr. 142,000.— 

1884 „ 1,320,476.95 

Wechsel. Das WechselportefeuilLe haben wir Stück für Stück 
durchgesehen. 

Wir wiederholen sogleich die letztjährige Bemerkung, dass zu lang- 
sichtiges Papier scontirt wird, und dass die Zahl der nicht bankfähigen 
Wechsel eine viel zu grosse ist. 

Wir werfen neuerdings die Frage auf, ob es wohl am Platze sei, 
dass die Hypothekarkasse den Wechsel verkehr mit einzelnen kleinem 
Geldgeschäften noch femer unterhalte. 

Endlich haben wir gefunden, dass die Faustpfänder der Kreditsumme 
gegenüber im allgemeinen zu wenig Marge bieten. 

Eine nicht geringe Zahl zum Theil protestirter Wechsel harrt auf 
ihre Einlösung. 

S c h l u s 8. Obschon wir schon letztes Jahr betonten, die Hypothekar- 
kasse sei eigentlich nicht zu dem Zwecke gegründet worden, um den 
kleinem Geld- und Wuchergeschäften Yorschub zu leisten, so kommen 
wir heute gleichwohl auf diese Frage zurück, indem wir noch mehrere 
Posten getroffen haben, welche wir für liquidirt hielten. Wenn auch die 
schönen Tage von Aranjuez für diese Geldgeschäfte vorbei sind, so sind 
doch noch einige solcher, die fortexistiren. 

Wir glauben nun, die Verwaltung der Hypothekarkasse würde sich 
um die Wohlfahrt unseres Volkes verdient machen, wenn sie mit diesen 
Geschäften den Verkehr abbrechen, und denselben auf diese Weise die 
Lebensader unterbinden helfen würde. 

Wir haben in unsem Berichten von den Jahren 1882 und 1883 ganz, 
energisch der Aufstellung eines Kreditreglementes gerufen, ohne dass 
seither etwas geschehen ist. 

Wir müssen es als einen nicht zu entschuldigenden Mangel in unserer 
Organisation bezeichnen, dass bei einem Portefeuille-Bestände von sechs 
Millionen keine speziellen Bestimmungen über Gewährung von Diskon- 
timngs-Krediten vorhanden sind. 

Den grössten üebelstand erblicken vnr in dem Umstände, dass die 
Anstalt viel zu viel verfügbare Mittel besitzt, und desshalb zu manchem 



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~ 58 — 

C^esohäfle verleitet wird, welches bei knapper zogemessenen Baarmitteln 
entiehieden nicht abgeschlossen wfirde. 

Weit mehr Besorgniss als beim Liegenschaften-Konto haben wir 
bezüglich dem Wechselportefenille, und wenn die Yerwaltong nicht be- 
schliesst und mit allem Nachdrucke an ihrem Beschlüsse festhftlt, dass 
von den im nächsten Jahre zur Rückzahlung gelangenden 3—4 Millionen 
Obligationen mindestens 2 Millionen aus dem Portefeuille zu bestreiten 
sind, so macht sie sich, unseres Erachtens, einer folgenschweren 
Unterlassung schuldig. Es wird nicht nothwendig sein, dass 
wir die Hauptposten, welche nicht mehr erneuert werden sollen, hier 
namentlich anführen, sie dürften der Yerwaltungs-Eommission besser be- 
kannt sein als uns. 

Wir wünschen, dass die in unserm Berichte enthaltenen Aussetzungen 
und Anträge die gehörige Würdigung und Berücksichtigung finden moch- 
ten im wohlverstandenen Interesse der Anstalt und ersuchen Sie, den- 
selben genehm zu halten. 

Dazu bemerkte die Verwaltungskommission den 
29. November 1884 (No. 1921 in Beilage 32): 
(Der Bericht der Delegirten wird verlesen.) 

Der Inhalt dieses Berichtes gab zu langen Erörterungen An- 
lass. Die Bemerkungen betreffend Kreditgewährung 
an einzelne Firmen werden als zutreffend erachtet 
und es wird dem Direktor überlassen, sich gegen- 
über dem Verwaltungsrathe zu erklären. 

Bezüglich der Diskontirung von Wechseln für die Zukunft 
übernimmt es Herr Präsident Heutschi, ein Regulativ auszuarbeiten 
und vorzulegen. 

Eine Rechtfertigung des Direktors gegenüber 
dem Verwaltungsrathe ist nirgends zu finden. 

Der Verwaltungsrath beschäftigte sich mit dem Bericht der 
Delegirten in seiner Sitzung vom 29. November. Das Protokoll 
sagt hierüber auf Seite 73/4 Folgendes: 

3. Es kommt der Bericht der Herren Delegirten des Verwaltungs- 
rathes, d. d. 18. November 1884, zur Verlesung. 

Dieser Bericht wird von den Herren Delegirten mOndlich noch weiter 
ausgeführt. Es wird namentlich gerügt, dass die Terlangte Reduktion 
des Diskonto-Kredites gegenüber einigen Firmen nicht durchgeführt, 
sondern im Gegentheil noch eine Erhöhung der betreffenden Engage- 
ments eingetreten ist. Es betrifft dies in erster Linie die beiden Finnen 



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— 59 — 

J. Roth & Cie. und A. Schläfli-Sohild in Solothum. Sodann wird nach- 
drfioklich die Redoktion und der Abbruch des Q^escbäftsTerkehrs mit den 
80g. QeBchftftsleuten gewünscht. Besonders wird eine genauere Eon- 
trolirung des Diskonto-Geschäftes und der sofortige Erlass eines Eredit- 
reglementes als durchaus nothwendig erachtet. 

Das Präsidium macht darauf auftnerksam, dass das vom Yerwaltungs- 
rath im Jahre 1882 (soll heissen am 23. Mai 1883) erlassene Geschäfts- 
reglement wegen der damals schon bSngenden Bankreformfrage die 
Genehmigung des Tit. Regierungsrathes nicht erhielt. Die Verwaltungs- 
kommission werde aber sofort den Wünschen der Herren Delegirten und 
des Yeiwaltungsrathes durch Beschlüsse über Diskontirung nach- 
kommen. Die allzuhohen Engagements der genannten Firmen sollen 
mit thunlichster Beförderung auf ein bescheideneres Mass zurück- 
geführt werden. 

Es wird beschlossen, die beiden Firmen J. Roth & Cie. und -A. 
Schläfli-Bchild in Solothum seien anzuhalten, ihre Bilanz der Verwal- 
tung der Hypothekarkasse zur Einsicht zu unterbreiten. Behufs Einsicht- 
nahme und Prüfung dieser Bilanz werden die Herren Heutschi und Roth 
bezeichnet. 

DasGesammt-Engagement von Both& Cie. betrug 
per Ende 1884 Fr. 1,714,771. 70. 

Die Prüfung der Bücher bat sodann nachträglich ergeben, 
dass Direktor Niggli die Wechselkontrolle gefälscht hat, indem 
er 33 Wechsel im Betrage von zusammen Fr. 1,183,656. 30 
Nominalwerth in der Wechselkontrolle nicht unter dem Datum 
des Eingangs Dezember 1884, Januar und Februar 1885 ein- 
tragen Hess, sondern erst nach dem 14. Oktober 1885. (Vergl. 
Beil. 25.) 

Diese Wechsel bestanden zum weitaus grössten Theil aus 
Tratten auf Köninger in Strassburg, Döling in Berlin imd Eigen- 
wechseln Adlers und Mithafte und wurden natürlich weder dem 
Wechsel-Portefeuille einverleibt noch der Kommission vorgewiesen, 
um dieses grosse Engagement der Yerwaltungskommission gegen- 
über zu verheimlichen. 

Eine gehörige Prüfung des Konto Roth & Cie. im Haupt- 
buch imd Vergleichung desselben mit der Wechselkontrolle hätte 
zur Entdeckung dieses Betruges führen müssen, jedenfalls 
nach der Eintragung dieser Wechsel in der Wechselkontrolle und 
bei Verifikation der Jahresberichte an die Aktionärversammlung. 



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-^ 60 — 

Weder Verwal tun gsr a t h, noch Verwaltungskom- 
mission, noch Delegirte haben aber jemals sich 
darüber geäussert, während es allerdings fast un- 
glaublich ist, dass sie davon nichts bemerkt haben 
sollten. 

17. 

Den 5. Januar 1885 beschloss die Verwaltungskommission 
(No. 2959 im Protokoll v. J. 1884, Beilage 33) bezüglich der 
Wechselskontirimg Folgendes : 

aj Die Höhe der Summe, welche an eine einzelne Firma oder Person 
diskontirt werden darf, wird von der Verwaltungskommission fixirt. 
üebersohreitungen in irgend einer Form dürfen nur mit spezieller 
Bewilligung der Yerwaltungskommission vorkommen. 

h) Die diskontirten Wechsel werden wenigstens alle 14 Tage einmal an 
der Hand des Auagabebuches und der Wechsel-Kontrole von einem 
Mitgliede der Kommission geprüft und die dargegebenen Faustpfänder 
konfrontirt. 

c) Monatlich wenigstens einmal werden zum Yoraus diejenigen Wechsel, 
welche nicht erneuert werden sollen, von der Kommission bezeichnet. 

d) In einer nächsten Sitzung wird der Direktor ein Tableau, Auszug aus 
der Wechsel-Kontrole, vorlegen, aus welchem ersichtlich ist, wie hoch 
jede einzelne mit der Hypothekarkasse arbeitende Firma im Wechsel- 
konto belastet ist. An Hand dieser Tabelle wird sodann die Kom- 
mission die Grenze des Kredites für jede einzelne Firma bezeichnen. 

Die Prüfung der diskontirten Wechsel etc. gemäss litt, b oben 
übernahm pro Monat Januar Herr Amtsschreiber Kaufmann. 

Von diesen Beschlüssen hat die Kommission im ersten 
Quartalbericht pro 1885 dem Verwaltungsrathe Kenntniss gegeben 
(Bei. No. 75 pag. 3—4) in Beil. 36. 

Dieser erste Beschluss (litt, d) ist schon am 3. Februar 1880 
gefasst worden. 

Eine neue Feststellung, also Ausführung dieses Beschlusses 
ist nicht erfolgt. 

Die unter b und c in Aussicht genommenen Untersuchungen 
sind unter folgenden Data vorgenommen: 



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— 61 - 

Den 6. Mai (No. 589 des Protokolls der Verwaltungskom- 

mission, Beil. 83). Dabei wurde bemerkt: 
„Der Firma Roth & Cie. werden zu langsichtige Wechsel 

diskontirt.** 
Den 9. Mai (No. 621) werden diese „Bemerkungen des 
letzten Prüfungsberichtes" wiederholt. 

Sodann wurde den 28. Februar (No.315), 14. März (No.417), 
28. März (No. 451), 5. Mai (No. 581), 6. Mai (No, 589), 
1. Juni (No. 700), 11. Juli (No. 916) festgestellt, bei 
welchen Firmen keine Erneuerungen mehr stattfinden 
sollen, aber Roth & Cie. sind nicht dabei. 

Das durch obigen Beschluss (litt, d) verlangte Tableau wurde 
vom Direktor erst den 12. Februar (No. 256) vorgelegt. Es 
umfasste 30 verschiedene Firmen, ob auch Roth & Cie. und Roth, 
Schläfli & Cie., ist nicht ersichtlich. Im Protokoll der Verwal- 
tungskommission heisst es weiter (No. 257): Bei folgenden Firmen 
ßoU eine Reduktion herbeigeführt werden (folgen 15, aber die 
Firma Roth & Cie. nicht). 

Unter dem gleichen Datum, 12. Februar (No. 2721 im Pro- 
tokoll vom Jahre 1884, Beil. 32) beschloss die Verwaltungs- 
kommission, von dem Erlass eines Kreditreglements mit Rück- 
sicht auf die bevorstehende Aufhebung der Hypothekarkasse Um- 
gang zu nehmen. 

In der Sitzung der Verwaltungskommission vom 24. Januar 
1885 berichtet Amtsschreiber Kaufmann über eine vorgenommene 
Untersuchimg der diskontirten Wechsel. Es werden (nach dem 
Protokoll sub No. 130) folgende Bemerkungen gemacht: 

Bezüglich der Firma J*. Roth & Cie. theilt der Direktor mit, es 
habe seit der letzten YerwaltungsrathssitzuDg eine Entlastung von zirka 
Fr. 54,000 stattgefunden. 

In der Sitzung vom 30. Januar 1885 wird das Protokoll 
der letzten Sitzung dahin berichtigt, dass der Direktor den Auf- 
trag erhalten hat, die Engagements der Firma J. Roth & Cie. 
und A. Schläfli-Schild möglichst rasch und umfassend 
zu reduziren. (No. 130—31.) 



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— 62 — 

Den 28. Februar (No. 312) erstattet Herr Güggi Bericht aber eine 
▼orgenommene Untersuchang der Tom 1. bis 15. Februar diskoDtirten 
Wechsel No. 76,427/76,720. Im Protokoll finden sich darüber folgende 
Bemerkungen: Die weitaus grösste Summe der diskontirten Wechsel 
betrifft sogenanntes Bankpapier, von der Depositenbank in Basel und 
Ton der Eidgen&ssiBchen Bank in Basel bezogen. Im Uebrigen finden 
sich wenig neue Geschäfte, der Verkehr bewegt sich in Emeuemngen 
Yon Eigenwechseln von den bekannten Firmen. J. Roth & Cie., Solo- 
thum, und A. Bchläfli-Schild in Hier erscheinen yielfach. 

Der Direktor hat mitgetheilt, die erstere Firma habe einen Eigen- 
wechsel von Fr. 60,000 durch Skontirung von Waarenaccepten gedeckt. 

Auch die zweite Firma habe ca. Fr. 20,000 Eigenwechsel dorch 
Skontirung von Waarenaccepten eingelöst. 

Der Direktor wird beauftragt, eine Zusammenstellung über die Engage- 
ments der beiden Firmen vorzulegen. 

Der Direktor legt die vom 1. bis und mit 14. März fälligen Wech- 
sel voi*. 

Von diesen sind nicht zu erneuern und mfissen abbezahlt oder weiter 
versichert werden: 

Folgen 4 Wechsel, aber keiner von J, Roth & Cie. 

Die hier erwähnte Zusammenstellung über die Engagements 
der beiden Firmen musste den 5. Mai von der Verwaltimgskom- 
mission reklamirt werden und scheint dann endlich den 27. Mai 
vorgelegt worden zu sein. 

Gemäss Beschluss des Verwaltungsrathes vom 29. November 
1884 waren Roth & Cie. aufgefordert worden, die Bilanz per 
31. Dezember 1884 mit ihren Büchern zur Prüfung vorzulegen. 
Die mit der Prüfung derselben Beauftragten Roth und Heutschi 
berichteten über das Resultat in der Sitzung des Verwaltungs- 
rathes vom 20. Mai 1885. 

Der Bericht hatte folgenden Inhalt: 

Tit. Yerwaltungsrath der Hypothekarkasse des Kantons Solothurn. 
Herren Verwaltungsräthe ! 
Den 7. Mai 1885 haben die Unterzeichneten zur Zeit vom Tit. Yer- 
waltungsrath bezeichneten, die Geschäftsbücher, soweit solche uns vor- 
lagen, nebst der pro 31. Dezember 1884 gezogenen Bilanz der Firma 
Roth & Cie. in Solothurn eingesehen. Wir erstatten Ihnen heute kurz 
folgenden Bericht: 

1. Das uns zur Einsicht vorgelegte Hauptbuch ist mit 1. Januar 1885 
neu angefangen, wir konnten somit nur die vorgelegte Bilanz mit den 
Haupt-Eonti des Hauptbuches vergleichen, welche übereinstimmend ge^ 



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— 63 — 

funden wurde; ob aber die üebertraguogen vom alten m*8 neue Haupt- 
buch richtig sind, konnten wir nicht beurtheilen, wir zweifeln aber 
nicht an deren Richtigkeit. 



Bilanz pro 
Debitoren. 

Fr. 



31. 



KASsa 

Mobilien-Eto. ... 
Yaloren-Kto. ... 
Waaren-Kto. ... 
Fabrikations-Eto. 
Wechsel-Kto. ... 

Banquiers 

Debitoren 

Berlin 

Strassburg 



cts. 

2,262. 05 

4,270. - 

44,369. - 

195,148.— 

453,070.25 

102,273. 75 

• 37,069.35 

58,479. 30 

640,666.25 

482,207. 85 

2,019,815. 80 



Dezember 1884. 

Kreditoren. 

Fr. et». 
Geachftfts-Kapital . . . 203,816. 30 
Berlin Belehnung . . . 600,000. — 
Strassburg Belehng. 475,(XX). — 
Handschriften-Kto. 30,000. — 

Kredit in Kto.-Kt. 289,778. 10 
Anweisungs-Kto. ... 194,834. — 

Eigenwechsel 173,900. — 

Kreditoren 52,487.40 



2,019,815. 80 



Die Buchhaltung im Allgemeinen, besonders die Fabrikations-Kontrole 
und Yerkaufsbücher, sind zweckmässig und übersichtlich geführt, auf 
dem Hauptbuch vermissten wir aber eine kaufmännische präzisere Buch- 
ung; so üguriren auf dem Fabrikations-Konto die Erstellungskosten mit 
Fr. 57,600, Installationskosten Fr. 18,500 der Fabrik inDeitingen; eine 
Ausscheidung wäre gewiss am Platze. 

In der Bilanz lesen wir nirgends unter den Kreditoren, „die Hypo- 
thekarkasse '^v sondern es steht nur „Belehnung Berlin, Belebnung Strass- 
burg'*. 

Der Gewinn- und Yerlust-Konto, auf welchen sonst in's Haben das 
Bruttobenefice und in*s Soll die verschiedenen Oewinnungslastposten 
kommen, lag nicht vor. Dieser Konto allein gibt Aufschluss, ob mit 
Nutzen gearbeitet wird. 

Wir konnten uns zwar laut den Yerkaufsbüchem überzeugen, dass 
das Geschäft auf seinen Uhren einen Rohgewinn von zirka 22^/2 ^/o er- 
zielt, wie gross aber die Gewinnungskosten sind, konnten wir nicht ein- 
sehen. 

Im eigentlichen Kontrolbuch über den Eingang und Ausgang der 
Uhren ist der Gewinn auf jedem einzelnen Stück vorgemerkt. 

2. Zu den verschiedenen Posten im Debit haben wir noch Folgendes 
zu bemerken: 

a) Yaloren-Konto Fr. 44,369.— 

Yorhandene Aktien. 

h) Waaren-Konto Fr. 195,148. — 



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— 64 - 

Daniiiter sind fertige Uhren zu yerstehen, welche zum Yersandt 
bereit sind und aus der Fabrik kommen; ob nun laut Inventar solche 
vorhanden sind auf 31. Dezember 1884, fällt nicht in unsere Aufgabe. 

c) Fabrikations-Konto Fr. 453,070. 25 

Unter Fabrikations-Eonto sind begriffen die halbfertigen Uhren, die 

Uhrenbestandtheile, sowie schon erwähnt diis Installation und Einriohtoiig 
Deitingen Fr. 76,100; das eigentliche Inventar, welches hierüber Auf- 
schluss geben sollte, lag vor. 

d) Filiale Berlin Fr. 640,666. 25 

zergliedert sich nach der Bilanz jener Filiale, wie folgt: 

Debitoren Fr. 350,697. 65 

Waaren-Yorrath ... „ 243,237.20 

Kassa „ 15,510.— 

Wechsel , 547.50 

Uebertragungen ... „ 30.673. 90 
Fr. 640,666. 25 
welchem Posten im Kredit gegenübersteht die Belehnung Berlin mit 
Fr. 600,000. 

Yon den monatlichen Bilanzen der Filiale Berlin lagen vor diejenigen 
vom Oktober und September. 

e) Filiale ßtrassburg Fr. 482,207. 85 

Laut Yertrag vom 30. Juni 1884 mit Herrn Köninger wurde auf 

dem Platze Strassburg eine Niederlage gegründet, um auch im Elsass 
und Süddeutschland direkt mit den Khabilleurs in Yerbindung zu kommen. 

Koth & Cie. 60 ^/o, Köninger 40 ^/o Gewinnantheil. Obiger Summe 
von Fr. 482,207. 85 steht gegenüber im Kredit Belohnung Strassburg 
mit Fr. 475,000. 

Wir können nun nicht beurtheilen, ob diese beiden Filialen in 
Berlin und Strassburg, welche laut Bilanz beide mit einer Summe von 
Fr. 1,075,000 belehnt sind, auf 31. Dezember 1884 in Wirklichkeit einen 
Inventarbestand von Fr. 1,122,874. 10 aufweisen laut Bilanz, kann nur 
an Ort und Stolle beurtheilt werden. 

Wir kommen zu folgendem Schluss: 

1. Wir glauben, dass das Geschäft, durch Umgehung der grossen 
Wiederverkäufer und den direkten Yerkauf an die Rhabilleurs, weniger 
grossen Yerlusten ausgesetzt ist und demzufolge auch lukrativer sein wird. 

2. Der eigene Betriebsfond für ein solches umfangreiches Geschäft 
mit nur Fr. 203,816. 30 ist viel zu niedrig und steht in keinem Ver- 
hältniss. 

3. Es wird zu viel mit fremdem Geld gearbeitet. Provisionen und 
Zinse müssen bedeutend sein. 

4. Das Geschäft arbeitet ohne eigentliche Fabrikanlagen, ist desshalb 
gegenüber andern Geschäften besser daran. 



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— 65 — 

5. Der Verkehr mit der Hypothekarkasse ist entsohieden zu gross, 
die EreditgewähniDg an eine einzelne Firma zu belangreich. 

6. Bis zur üebemahme an die neue Kantonalbank soll entsohieden 
abgerüstet werden. 

sig. Alf. Roth.* 

* B«i Heim Roth war aoeh Herr Heotschi. 

Die Bilanz und die Bücher waren den 7. Mai 1885 den 
Herren Heutschi und Roth auf dem Rathhaus Solothurn vorge- 
legt worden von Roth-Bloch, Adler und Sieber, damaligem Regie- 
rungsrath und Buchhalter bei Roth & Cie. 

Es ist unbegreiflich, wie die beiden Experten 
überhaupt auf diese Bilanz eingehen konnten ohne 
dass öieVorlage allerdazu gehörenden Bücher ver- 
langten. Eine Prüfung der Bilanz ohne sämmtliche 
Bücher war natürlich gar nicht möglich und jeder 
ordentliche und gewissenhafte Kaufmann weigert 
sich auf Grund eines solchen Hauptbuches einen 
Bericht abzugeben, denn es ist wohl zu beachten, 
dass das damals vorgelegene Hauptbuch Einträge 
von höchstens 4 Monaten enthielt, also äusserlich 
als verdächtig auffallen musste. Ich lege die beiden 
Hauptbücher der Firma Roth & Cie. vor und nach dem 31. De- 
zember 1884 bei. 

Es musste sodann auffallen, was der Bericht auch hervor- 
hebt, dass nirgends in diesen Büchern die Hypothekarkasse als 
Gläubigerin figurirte. Es scheint diess offenbar desswegen auf 
diese eigenthümliche Weise eingetragen worden zu sein, damit 
auch aus diesen Büchern der wahre Stand und die Grösse 
der Engagements von Roth & Cie. gegenüber der Bank nicht 
ersichtlich sei. 

Gemäss diesem Berichte selbst war diese Bilanz unrichtig 
und musste bei der gewöhnlichsten Sorgfalt als solche 
erkannt werden. 

Später zeigte es sich, dass auch die Ueberträge in das allein 
vorliegende neue Hauptbuch gefälscht waren, bezw. dass die 
Buchführung in einem solchen Zustande war, dass ein gehöriger 
Uebertrag gar nicht möglich war. 

5 

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So kam es, dass zwar durch diese Untersuchung ein gewisses 
Misstrauen erweckt wurde, aber der Schwindel für dies Mal ver- 
deckt werden konnte, trotzdem es keiner besondern Sorg- 
falt bedurft hätte, um denselben zu entdecken. 

Daraufhin beschloss der Yerwaltungsrath (pag. 83/4 in 
BeU. 35): 

Es wird yon diesem Berichte im Protokoll Vormerkung genommen 
und der Yerwaltungskommission die Weisung ertheilt, mit der Beduktion 
der EngagementR der genannten Firmen successive fortzufahren. Der 
Bericht soll in der nächsten Sitzung zu definitiTer Erledigung gelangen. 

Diesen Weisungen kam die Yerwaltungskommission in fol- 
gender Art nach. 

Das Protokoll der Yerwaltungskommission berichtet (No. 667), 
dass den 27. Mai das Tableau der Engagements der einzelnen 
Firmen mit einer frühem Aufnahme verglichen wurde: Die 
Engagements der Firma Roth & Cie., welche im November 1884 
in verschiedenen Formen Fr. 1,438,845. 24 betragen hatten, 
belaufen sich noch immer auf Fr. 1,403,393. 27. 

Die yerwaltungskommission verlangt nachdrücklich eine 
raschere und wirksamere Liquidation. 

Der gleiche Beschluss gilt für A. Bchläfli-Schild. Der Direktor erhält 
den Auftrag, von der letztem Firma energisch die Einreichung einer 
Bilanz zu verlangen. 

Für die beiden Firmen ist ein Belastungs-Conto-Corrent so einzu- 
reichen, dass ohne viel Mühe zu jeder Zeit der Stand der Engagements 
ersichtlich ist. 

Die Firma Roth & Cie. ist aufzufordern, einen Amortisationsplan 
einzureichen. 

In der Sitzung der Verwaltungskommission vom 8. Juli 1885 
(No. 893) wurde die Reduktion der Engagements Roth dem An- 
schein nach ernstlich besprochen. 

Das Protokoll sagt hierüber Folgendes (No. 893 in Beil. 33): 

Die Firma J. Roth & Cie. in Bolothum hat einen Amortisations- 
plan eingereicht, durch welchen sie zeigt, in welcher Weise sie ihre 
Engagements bei der Hypothekarkasse reduziren will. Nach diesem Vor- 
schlag würden die sämmtlichen Waaren-Accepte bis Ende des Jahres ver- 
schwinden und die sämmtlichen Engagements der H}pothekarkasse sich 
bis ca. Fr. 1,000,000 reduziren. 



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— 67 — 

Da die Reduktion eich nur auf die Waaren-Aocepte benohränkt ond 
nicht auf die grossen Depots Köninger und Döling sich ausdehnt, kann 
sich die Kommission mit diesem Modus nicht einverstanden erklären und 
gibt daher den Auftrag, es solle auch auf angemessene Reduktion der 
Depots- Accepte Btrassburg und Berlin sofort Bedacht genommen werden. 

Der Direktor legt den 30. August (No. 1156/8) das Ver- 
zeichniss der Wechselverpflichteten vor. AufgenommeD per 24. 
August 1885 weist dasselbe folgende Zahlen auf: 

J. Roth & Cie. Total-Engagement Fr. 1,119,482. 89. 

Dieses Verzeichniss war unrichtig. 

In Wirklichkeit betrug die Schuld damals schon 1,500,000 Fr. 

Bei folgenden Firmen soll die Reduktion der Engagements 
fortgesetzt werden: 

5. J. Roth & Cie. Bei letzterer Firma ist hauptsäch- 
lich auf Reduktion der Accepte Döling und 
Eöninger zu dringen. 

Den 3. Oktober (Nr. 1273) rügt die Kommission: 

An J. Roth & Cie. sind wieder Accepte von Böling in Berlin und 
Köninger in Strassburg erneuert worden. 

Es wird der Beschluss vom 30. August wiederholt, nach welchem 
diese Depots- Accepte reduzirt werden sollen: wenn anders nicht mög- 
lich, so können dieselben durch Kunden- Accepte ersetzt werden. 

Den 16. November (No. 1528) werden verschiedene Er^ 
neuerungsgesuche von Roth & Cie. zum Theil bewilligt, zum 
Theil verschoben. 

In der Sitzung vom 23. November 1885 (No. 1557) 
wurde mitgetheilt, dass 

die Herren Roth & Cie. in Bolothurn drei yerfallene Eigenwechsel per 
zusammen Fr. 220,000 mit der Unterschrift der Herren Döling in Berlin 
und Köninger in Strassburg schulden und hievon Fr. 210,000 zu erneuern 
wünschen. 

Die Erneuerung wird gestattet, dagegen ist den Herren Roth ft Cie. 
anzuzeigen, dass an die Ende November und im Monat Dezember fälligen 
Eigenwechsel bedeutende Abschlagszahlungen geleistet werden müssen. 
(Beschluss 18.) 

Den 18. Dezember 1885 (No. 16 29) wird ein Bericht des 
Direktors der Anstalt mitgetheilt über erlittene und drohende 
Verluste im Gesammtbetrage von Fr. 591,123. 75. 



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- 68 -- 

Bezüglidi dieser ZuBammeQstellung und dieses Berichtes über 
die Veriuste wird kein Beschluss gefasst, indem es dem Direktor 
überlassen wird, diesen Bericht von sich aus dem Verwaltungs- 
rath vorzulegen. 

Auch in der Sitzung des Yerwaltungsrathes vom 
18. Dezember wird diese Zusammenstellung verlesen. 

Die drohenden Yerluste steigen auf Fr. 591,123. 75, welche günstig- 
stenfalls durch den Reservefond, den Jahresertrag pro 1885 und andere 
Aktivposten auf Fr. 250,000 redozirt werden können. 

Der Yerwaltungsrath nimmt diesen Bericht zu Protokoll, ohne jedoch 
denselben gutzuheissen oder zu genehmigen. Wegen den starken Yer- 
lasten, speziell an den Firmen A. Schläfli-Schild und S. Lack & Cie. 
und wegen den grossen Engagements bei diesen beiden Firmen, sowie 
bei J. Roth & Cie. inSolothum, spricht der Yerwaltungsrath sein tiefes 
Missfallen aus. Yon den Engagements bei der Firma S. Lack & Cie. 
war der Yerwaltungsrath nicht unterrichtet. 

Daraus geht hervor, dass er von den andern Engagements, nament- 
lich von denen von J. Roth & Cie., unterrichtet war. 

r Die Prüfung der Monatsrechnungen fand höchst mangelhaft 
statt. So wurde diejenige vom Dezember 1884 erst den 6. Mai 1885 
(No. 588) vorgenommen und so oberflächlich, dass die Fälschung 
der Wechselkontrole vom Jahre 1884 nicht bemerkt worden ist. 
Das Gesammt-Engagement per Ende 1885 er- 
reichte die Summe von 1,830,851 Fr. 

18. 

Als mit 31. Dezember 1885 die Hypothekarkasse mit Ak- 
tiven und Passiven auf die Solothumer Kantonalbank über- 
gegangen war, beschloss die Bankdirektion den 26. Dezember 1885, 
die Begrenzung des Diskontogeschäftes zu verschieben, aber die 
Weisimg zu ertheilen, die bestehenden Engagements nicht zu ver- 
grössem. Die Diskontirungen hörten aber nicht auf, während der 
grosse alte Stock Wechsel- und anderer Schulden bestehen blieb. 

Bei der Untersuchung zeigte es sich sodann aber, dass Herr 
Heutschi als Direktor der Kantonalbank an Roth & Cie. über 
deren regulären Kredit hinaus noch nachfolgende drei Auszahl- 
ungen angeordnet hatte. 



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-- 69 - 

Am 10. Februar 1887 10,000 Fr. // 

„ 5. März 1887 11,000 ^ 

„ 30. März 1887 4,700 „ 

Die Auszahlungen erfolgten auf Grund von Quittungen, 
welche von Direktor Heutschi eigenhändig visirt worden waren, 
was sonst nicht geschah. 

Diifektor Heutschi gab dem Herrn Experten Tersin gegen- 
über auf Befragen über diese Kreditüberschreitungen zur Antwort : 
Roth & Gie. hätten ihm erklärt, sie müssten ihre Zahlangen einstellen, 
wenn sie fragliche Betrage nicht vorübergehend erhielten ; aus demnächst 
zu erwartenden Eingängen würden sie diese Torschüsse prompt zurück- 
erstatten. Es seien ihnen dann wirklich Fr. 20,000 von Basel her ein- 
gegangen, allein sie hatten dann das früher stets gehaltene Wort gebrochen 
und das Geld anderweitig yerwendet. 

Herr Heutschi erwähnte bei diesem Anlass femer, dass die Ueber- 
fichreituDg des an Roth & Cie. s. Z. von der Solothumischen Bank mit 
Fr. 15,000 eröffneten, später von derselben auf Fr. 30,000 erhöhten und 
auf die Solothurner Eantonalhank übergegangenen Kredites um zirka 
Fr. 75,000 ohne sein Vorwissen erfolgt sei und zwar durch die gewöhn- 
lichen Transaktionen, Gutschrift grosser Wechsel-Bordereaux abzüglich 
Sconto und Belastung der verfallenen Wechsel ohne Bezahlung des auf 
jenen abgezogenen Scontos. 

Im Februar 1887 seien dann Uhren für Fr. 40,000 und Wechsel 
für Fr. 36,455 als Deckung für die üeberschreitung dargegeben worden* 
Yon den Wechseln seien Fr, 10,205 eingegangen. An den Rest der 
Wechsel werden noch zirka 20 ^/o eingehen. Das Uhrendepot befinde 
sich in Liquidation. 

Am 13. April 1887 weist aber der Konto gleichwohl wieder 
annähernd die gleiche üeberschreitung von zirka 80,000, bezw. 
emen Saldo von 109,671 Fr. auf. 

Ich würde hierfür nöthigenfalls auf die Bücher der solo- 
thumischen Kantonalbank, sowie auf eine Gerichts expertise 
abstellen. 

19. 

Die Direktion der Kantonalbank beschäftigte sich öfters mit 
der Regulirung der Engagements von Roth & Cie. und mit Dis- 
konto und Darlehensgesuchen derselben. 

Ich produzire einen Auszug aus dem Protokoll der Direktion 
der Kantonalbank vom 1. Januar 1886 bis 23. April 1887, in Beiiayo 5 



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— 70 — 

welchem alle in Frage kommeDden Beschlüsse chronologisch 
zusammengestellt sind. Ich zitire speziell folgende Stellen: 

Yom 29. Januar 1886, veranlasst durch den Bericht des Herrn 
Monzinger üher die yorgenommene Prüfung der discontirten Wechsel : 

2. Der Direktor wird beauftragt^ fiber die Engagements folgender . . 
in kürzester Frist Bericht zu machen, behufs Fizirung der Disoonto- 
Kredite. 

8. Der Direktor wird eingeladen, über die Grösse der En|;agement8 
Ton Roth & Cie. in Solothurn und die zu treffenden^Massnahmen zu 
berichten. 

Vom 2. Februar 1886: 

Roth & Cie. wünschen Üebernabme yerschiedener Waarenwechsel 
im Betrage von 44,109. 70 Mark. Auf den Bericht des Direktors erhält 
derselbe Vollmacht, die Abschnitte zu scontiren. 

Vom 9. Februar 1886: 

Herr Hunzinger erstattet Bericht über die Revision der Wechsel 
No. 1555/2025 und ist nicht im Falle, Aber die geschehenen Discooti- 
rungen wesentliche Bemerkungen zu machen. 

Der Direktor wird angewiesen, einem Schuldner, 'dessen Wechsel- 
kredit von der Direktion nicht bestimmt ist, auf Eigenbillets nicht über 
Fr. 2000 zu leiben. 

Vom 12. Februar 1886: 

In Zukunft sind Tratten nicht mehr als Faustpfand anzunehmen. 

Vom 23. Februar 1886: 

Der Direktor erstattet Bericht über die Engagements von J. Roth 
& Cie. auf 1. Januar 1886 : 

Bei der Hypothekarkasse Fr. 1,582,944. 88 

Bank (Neben dieser Ziffer steht im Protokoll mit 

Bleistift die Zahl Fr. 53,247) „ 30,000.— 

Bis heute hinzugekommen , r, 246,488.62 

Total Fr. 1,859,433. 50 
Abgang „ 267,557.— 

Rest Fr. 1,591,876. 50 

Die Direktion beschliesst, es sei das Inventar der Firma per 31. 

Dezember 1885 beförderlichst zu prüfen. Der Direktor wird eingeladen, 

für die Bezeichnung von Personen, welche die Prüfung vorzunehmen 

haben, in nächster Sitzung einen Vorschlag einzureichen. 

Vom 26. Februar 1886: 

J. Roth & Cie. präsentiren zum Discont 23,272. 55 Mark in diversen 
acceptirten Abschnitten auf Deutschland. Der Direktor wird ermächtigt, 
die Abschnitte bis und mit Juni 1886 zu diskontiren und die längern 



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— 71 — 

Absehnitte als FaustpfaDd zu einem alliäUigen Eigenwechsel von J. Both 
& Cie. anzunehmen. 

Mit der Präfang des Inventars Yon J. Roth & Cie. per 31. Dezember 
1885 werden betraut: Fürsprech 0. Hunzinger, Präsident, und Urs 
Hentschi, Direktor. Dieselben werden ermächtigt, wenn es ihnen nötbig 
erscheint, einen ührentechniker beizuziehen. 

Als Aufgabe dieser PrQfungskommission wurde angegeben: 

1. Die Prüfung der Aktiven auf ihr Vorhandensein und ihre richtige 
Werthung. 

2. Die Stellung des Hauptgeschäftes zu den Depots in Deutschland zu 
untersuchen. 

8. Die rechtliche Gültigkeit der Belehnungen dieser Depots zu prüfen 
und 

4. eine genaue Berechnung der Rentabilität des ganzen Geschäftes vor- 
zunehmen. 

Auch die kantonsrathliche BaDkunterBuchungskommission be- 
Bchloss den 18. März 1886, die eigentliche Lage von Roth & Cie. 
durch zwei Delegirte (Brosi und Bally) untersuchen und prüfen 
zu lassen. Es wurde dann aber den 10. April davon Umgang 
genommen, weil dies durch die Delegation der Bankverwaltung 
und deren Bericht überflüssig geworden sei. 

Ich lege Auszüge aus dem Protokoll der kantonsräthlichen 
Kommission, sowie einen Bericht der Bankuntersuchungskommission 
an den Kantonsrath vom 10. April 1886 vor. 

Vom 5. März 1886 enthält das Protokoll der Direktion fol- 
genden Eintrag: 

Josef Adler-Fluri schuldet: 
Fr. 2,500.— 2. Januar 1886, Bürgen: V.Adler. Frau Adler- 
Fluri. 
„ 8,000.— 28. Februar 1886, Bürgen: V. Adler. Frau 

Adler-Fluri. 
„ 81,458.80 81. Januar 1886, Pfand: 100 N.-O.-B.-Stamm- 
aktien. 
Der Schuldner wünscht Erneuerung. 

No. 1 bewilligt; No, 2 6000 Fr. bewilligt mit weiterer Bürg- 
schaft; No. 3 27,000 Fr. bewilligt. 



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- 72 - 

Frau W. H., Solothurn, oiferirt zum Diskonto: 
Fr. 600.- 10. Juli 1886) .,,,,» ^. , . 
, 750. - 20. Juli 18861 *"^ ^* * ^'*-5 ^^g«^'«««°- 

J. Roth & Cie. präsentiren zum Diskonto: 
\r^ nooHA ka ^^ ^^^' Abschnitten auf die Schweiz u. Deutschland. 

Bewilligt; der Eigenwechsel von 6000 Fr. per 25. Februar 
1886 ist dabei zu verrechnen. 

Im März und Anfangs April untersuchten die Herren Mun- 
zinger und Heutschi den Stand der Filialen Berlin, Neuss und 
Strassburg und zwar namentlich mit Bezug auf deren Waaren- 
vorräthe. 

Den 10. April 1886 legten sie einen vorläufigen Bericht über 
die Lage der Firma Roth & Cie. vor. 

Tit. Bankuntersuohungskommission Dahier. 
Hochgeachtete Herren! 
Auf Wunsch Ihres Tit. Präsidiums erstatten wir Ihnen hiemit Bericht 
über die Untersuchung des Status der Firma J. Roth & Cie., die wir im 
Auftrag der Bankdirektion vorgenommen haben. 
Die Untersuchung soU sich erstrecken auf: 

1. Die Richtigkeit der Bilanz pro 31. Dezember 1885. 

2. Die Rentabilität des Geschäftes. 

3. Die Vertragsyerhältnisse zwischen Hauptgeschäft und Filialen, speziell 
über die rechtliche Seite der Belehnungen der Filialen Berlin und 
Strassburg. 

In Ausführung dieses Auftrages haben wir zunächst mit der Prü- 
fung des Inventars per 31. Dezember 1885 begonnen und bis heute 
untersucht : 

1. Den Waarenkonto (Ziffer 5 beiliegender Bilanz). 

2. Den Fabrikationskonto (Ziffer 6 beiliegender Bilanz). 

3. Die Filiale Berlin mit der ünterüliale Neuss (Ziffer 10 beiliegender 
Bilanz). 

In Bezug auf das Vorhandensein der im Inventar aufgenommenen 
Fabrikations- und Waarenvorräthe haben wir den Eindruck gewonnen, 
dass das Inventar richtig ist. Wir behalten uns zwar noch Vergleichungen 
der Notizen über das Waareninventar der Filiale Berlin und des Haupt- 
geschäftes vor. Der Waarenvorrath der Filiale Berlin besteht mit wenig 
Ausnahmen aus couranter Waare. Auch das Yeraltete kann ohne Ein- 
busse abgesetzt werden. 



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— 73 — 

Was die loyentarpreise anbetrifft, so sind überall die Erstellungs-, 
beziehongsweise die Ankaufskosten angesetzt. Diesfalls sind keine Aus- 
setzungen zu machen. 

Den Debitoren-Conto in Berlin haben wir yoUständig geprüft und 
richtig vorgetragen befunden. Der Conto besteht meistfaus kleinem Posten 
und ist als solid zu betrachten. Ueber die bedeutendem Posten werden 
wir Informationen einholen. 

Es sind einige ältere Ausstände yorhanden, die zu einigen tausend 
Mark (8—15,000) Verlust fuhren werden. 

Der Absatz des Geschäftes in Berlin und Neuss ist ein guter und 
lohnender. Der Verkauf per Jahr beträgt ca. 400,000 Mark, mit einem 
Rohnutzen von oa. 25 ^/o des Umsatzes. Der Gewinn der Filiale Berlin 
per 1885, unter Abrechnung der Besoldungen, Miethe und Verkaufs- 
spesen betrug 63,000 Mark. Das Geschäft besitzt in Deutschland eine 
ausgedehnte und gute Kundschaft und ist zur Zeit dazu gelangt, eine 
Ühr in den yerschiedenen Genres zu erstellen, die zieht und in grossen 
Quantitäten und zu lohnendem Gewinn abgesetzt werden kann. 

Copie der Schlussbilanz der Firma J. Roth & Cie. 
per 31. Dezember 1885. 



Aktiva. 



1. Kassa 

2. Mobilien 

3. Valoren 

4. Liegenschaften .. 

5. Waarenkonto 

6. Fabrikationskonto 
T.Wechsel 

8. Banquiers 

9. Debitoren 

10. Filiale Berlin 

11. „ Strassburg.. 



Fr. Ct. 

9,831.95 
3,100. - 
48,361.45 
21,300. - 
144,021. 50 
435,842 40 
158,819. 33 
741. 50 
105,392. 65 
659,283. 65 
422,999. 80 

2,010,694. 23 



Passiva. 

1. Eigenkapital .. 

2. Belehnung Berlin... 

3. „ Strassburg 

4. Handschriften 

5.Kt.-Kt.-Kreditoren... 

6. Anweisungskonto . . . 

7. Eigenwechsel 

8. Zirkulationskonto ... 

9. Diverse Kreditoren 



Fr. Ct. 

250,931. 08 
550,000. ~ 
380,000. - 

50,000. - 
285,984. 30 
121,089.90 
115,500.— 
219,576. 85 

37,612. 10 



2,010,694. 23 



Wenn die weitere Untersuchung die vollständige Richtigkeit der 
aufgestellten Bilanz pro 1885 ergibt, so darf gesagt werden, dass das 
Geschäft ein gutes ist, dem bei festem und ruhigem Kredit eine schöne 
Zukunft bevorsteht. 



Hochachtungsvollst ! 



sig. Oskar Munzinger. 
sig. U. Heutschi. 



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- 74 ~ 

Es ist nachdrücklich darauf aufmerksam zu machen, das» 
diese Untersuchung nur als eine vorläufige und unvoll- 
ständige abgegeben und aufgefasst werden konnte, da sie ja 
damit noch nicht vollendet und die Zweifel an der Richtigkeit 
der Bilanz vom 31. Dezember 1885 dadurch durchaus nicht ge- 
hoben waren. 

Eigenthümlich ist es, dass auch bei dieser Prüfung die 
früheren Bücher der Firma Roth & Cie. vom Jahr 1884 von 
Hm. Ileutschi nicht zur Einsicht verlangt wurden. Es ist klar, dass 
jene Aufgabe dem Herrn Regierungsrath Munzinger nicht zufiel, 
da er lediglich die Mission hatte, den Waarenoonto zu prüfen. 

Im Laufe des Jahres 1886 wurden sodann noch eioe Reihe 
von Diskonto-Gesuchen der Firma Roth & Cie. von der Direktion 
behandelt. Diese Gesuche wurden jeweilen bewilligt, , sofern da- 
durch keine Erhöhung des Kredites vom 1. Januar 1886 statt- 
findet. ** 

Insbesondere wurde wiederholt Reduktion der Belehnungs- 
wechsel auf Döling & Köninger verlangt. 

Die Bankkommission berieth in ihren Sitzungen vom 18. und 
29. November 1886 über die Massrcgeln, welche gegen Roth & 
Cie. zu ergreifen seien und beschloss Roth & Cie. zu benach- 
richtigen, dass ihr Engagement bis Ende 1887 um Fr. 500,000 
zu reduziren sei. 

20. 
Im Jahre 1887 ging nun endlich der ganze Schwindel dem 
Ende entgegen. Es ist hier einfach auf folgende Einträge im 
Protokolle der Bankdirektion zu verweisen: 

Am 4. Februar 1887 meldet H. Heutsohi, es sei Aussicht, dass 
Roth & Cie. bis 30. April ihre Engagements um Fr. 200,000 und bis 
Jahrepschluss um weitere Fr. 300,000 reduziren. 

Die Direktion beschloss : Bis Ende April seien jedenfalls Fr. 200,000 
abzubezahlen, ferner sei möglichst rasch ein kaufmännischer Leiter anzu- 
stellen und ein YerzeichnisM der Wechsel Roth & Cie. vorzulegen. 

Am 1. März 1887 wurde beschlossen, die ßankkommission auf den 
10. März einzuberufen. Unter Traktandum 6 figurirt: 

Bericht über die Situation von Roth & Cie.; F'eststellung des weitem 
Vorgehens gegen dieselben. Da die Bankdirektion dieses Traktandum 



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— 75 — 

gemeinschaftlich mit der solothuniischen Staatswirthschaftskommission zu 
besprechen wünschte, so wurde beschlossen, den Begierungsrath einzu- 
laden, letztere Kommission einzuberufen. 

Am 8. März 1887 beschloss die Direktion, der ßankkommission 
Folgendes zu beantragen: „Es sind Yersuche zu machen, das Geschäft 
Both & Gie. in eine Aktien- oder Aktienkommanditgesellschaft umzu- 
gestalten. Sollte ein daheriges Unternehmen nicht zu Stande kommen, 
ist auf eine Liquidation des Geschäftes hinzuarbeiten. Eine Zwangs- 
liquidation soll — wenn immer möglich — zu yerhüten gesucht werden.*^ 
In der Sitzung der Staatswirthschaftskommission wurde be- 
schlossen, eine gründliche Untersuchung des Geschäftes Roth 
& Cie. sammt allen Filialen in technischer und kaufmännischer 
Beziehung vornehmen zu lassen. 

Um diese Zeit fand auch eine Zusammenkunft einiger Kre- 
ditoren von Roth & Cie statt. Am 15. März 1887 spricht 
wenigstens das Protokoll der Direktion von Berathungen über: 
Untersuchung des Geschäftes Roth & Cie-, Aufstellung eines In- 
ventars, Bericht über eventuelle Umgestaltung. Herr Heutschi 
berichtet, dass die Versammlung von bei Roth & Cie. betheiligten 
Kreditoren (mit Bleistift ist hinzugeschrieben: Nämlich Gebrüder 
Vigier, Direktor der Kreditbank und Präsident und Direktor der 
Kantonalbank) sich geeim'gt hätten, folgende Herren mit obigem 
Pensum zu betrauen: 

Wild, gew. Uhrenfabrikant in Solothurn. 
Kottmann, Fabrikant in Solothurn. 
Casimir von Arx, Kantonsrath in Ölten. 
Es heisst dann : Genehmigt, hiezu wird als fernerer kaufmännischer 
Experte gewählt: 

Herr Arthur Bally, Kantonsrath in Schönenwerd. 
Diese Experten machten sich sofort an die Arbeit und ihre 
Erhebungen führten zu der Entdeckung, dass sich für eine weit 
grössere Summe Wechsel der Firma Roth & Cie. in Cirkulation 
befand, als von Roth & Cie. je angegeben worden war. Darnach 
erwiesen sich die von dieser Firma vorgelegten Bilanzen als 
gefälscht. 

Die Untersuchungen in Berlin, Neuss und Strassburg förderten 
ein wesentllich anderes Resultat zu Tage als im März und 
April 1886. 



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— 76 — 

In Berlin ergab sich ein Aktivbestand von Fr. -318,586. 09. 
Dem gegenüber standen Accepte von Döling im Betrage von 
Fr. 1,147,135. 

Ueber die Höhe dieser Accepte konnte Döling keine Angaben 
machen, indem derselbe (wie Köninger und Hemm) in 
den letzten Jahren jeweilen bündelweise Klanco- 
accepte nach Solothurn einsandte. 
jUftge 56. (Kantonsrathsverhandlung 1887 pag. 16.) 

Es wurde von den Experten auch konstatirt, dass die Filialen 
von Berlin und Neuss mit einer Unterbilanz von wenigstens 
Fr. 30,000 per Jahr arbeiten. 

Noch schlimmer stand es mit der Filiale in Strassburg. 
(Pag. 15—24 a. a 0.) 

Unter diesen Umständen war das Zusammenbrechen der 
Firma Roth & Cie. unvermeidlich. Um eine Zwangsliquidation 
der Firma und damit verbundene grössere Verluste zu vermeiden, 
wurde auf den 15. April eine Versammlung der Kreditoren ein- 
berufen zur gemeinsamen gütlichen Liquidation und zur Sicher- 
stellung der noch vorhandenen Aktiven. 

In der Sitzung der Bankdirektion vom 2 2. April wurde 
alsdann beschlossen, gegen J. Roth-Bloch, J. Adler und L. Niggli 
Strafklage auf Betrug und Fälschung einzureichen. Da eine 
genauere Untersuchung ergab, dass Regierungsrath Sieber die 
Fälschung der Bilanz von Roth & Cie. per 31. Dezember 1885 
mit eigener Hand vorgenommen hatte, wurde die Anklage auch 
gegen ihn ausgedehnt, worauf dann die sofortige Verhaftung aller 
Angeklagten erfolgte. 

Ich lege eine Kopie des Urtheils vom 22. April 1888 vor. 
Darnach wurden verurtheilt: 

a) Josef Roth-Bloch zu 2V2 Jahren Einsperrung; 

b) Joh. Adler, a. Kantonsrath, zu 3V'2 Jahren Einsperrung; 

c) a. Regierungsrath Jacob Sieber zu 5V2 Jahren Zuchthaus; 

d) a. Direktor Leo Niggli zu 6 Monaten Einsperrung. 
Durch Urtheil vom 25. Mai 1887 war der eben erwähnte 

Niggli zu 2^2 Jahren Zuchthausstrafe verurtheilt worden. Ich 
.67U.68. produzire auch darüber eine Copie. 



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— 77 - 

So endete die Tragikomödie, welche über den Kanton Solo- 
thurn ein so ausserordentliches Unglück gebracht hatte. 

21. 

Der Kantonsrath beschloss am 30. April 1887, ein Gutachten 
über die ganze Geschäftsgebahrung der Solothurner Hypothekar- 
kasse einzuholen und ausarbeiten zu lassen. 

Mit dieser Mission wurden betraut: 

a) Herr Bankdirektor Yersin in Bern, 

b) Herr Dr. Lutz, Rechtsanwalt in Thal, St. Gallen. 

Die von ihnen ausgegangene Arbeit, auf welche in dieser 
Klageschrift vielfach Bezug genommen wurde, enthält eine voll- 
standige und erschöpfende Zusammenstellung der Thatsachen und 
eine sehr objektive Würdigung der ganzen Verhältnisse. 

Der Kantonsrath hat dann in einer ausserordentlichen Sitzung 
vom 10. und 11. April 1888 von den bei der Hypothekarkasse 
vorgekommenen Ungehörigkeiten offiziell Akt genommen. Ich pro- 
duzire die Verhandlungen des Kantonsrathes vom Jahre 1888. Beuag« 69. 
Die genannte Behörde hat daraufhin beschlossen, Zivilklage zu 
erheben gegen folgende frühere Organe jener Verwaltung: 

a) den gewesenen Direktor, 

b) die früheren Mitglieder der Verwaltungskommission, 

c) die früheren Mitglieder des Verwaltungsrathes, 

soweit es sich um die Zeit vom 1. Januar 1879 bis zum 
31. Dezember 1885 handle. 

Ferner wurde beschlossen, Herrn Heutschi für die weiteren Beilage so. 
Kreditirungen der Kantonalbank verantwortlich zu machen. 

Im Einklang mit dem Gutachten Yersin und Lutz wurde 
davon Umgang genommen, die Revisoren zu belangen, dagegen 
fand der Kantonsrath mit Recht, dass auch die Delegirten in's 
Recht zu fassen seien. 

t)er Regierungsrath erliess in Gemässheit dieses kantons- 
räthlichen Beschlusses Zahlungsauflbrderungen und Betreibungen. 
Ich lege dieselben vor. Beu.ei-?} 

Der Regierungsrath Solothurn hat sodann den unterzeichneten 
Anwalt mit der Führung des Prozesses betraut. 



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— 78 — 

Ich habe ungesäumt das Studium des ganzen Materials an 
die Hand genommen. Das Gutachten der Herren Yersin und 
Lutz war mir dabei von ausserordentlichem Nutzen. Indessen 
habe ich die entscheidenden Verhältnisse in den Büchern und 
Scripturen, sowie an Ort und Stelle selbständig nachgeprüft. 

Die Untersuchung der vorliegenden Streitsache hat mir des- 
wegen eine grosse Mühe verursacht. Sie war umso grösser, als 
ich den hier zur Sprache kommenden Verhältnissen und Personen 
ganz ferne stand. 

In diesem Zusammenhang produzire ich noch Auszüge und 
L 74 0.76. Belege betreffend die Erben der Herren Zepfel und Baumgartner. 

22. 

Die rechnungsmässigen Unterlagen der Klage und der ganze 
Verkehr zwischen Roth & Cie. in allen ihren kommerziellen 
Variationen und Formen ist durch das Gutachten Tersin und Lutz 
dargestellt. Es ist darauf einfach zu verweisen. 

Eine ernsthafte Beanstandung dieser Verhältnisse wird wohl 
nicht versucht werden. 

Für alle Fälle aber will ich hier ausdrücklich sagen, dass 
ich die Richtigkeit des genannten Gutachtens sowie der vor- 
liegenden Klageschrift und der an beiden Orten enthaltenen 
Detailausführungen unter Beweis stelle. Insbesondere rufe ich an : 
Zeugenbeweis und 

Expertise in Verbindung mit den sämmtlichen Büchern und 
Skripturen der ehemaligen Hypothekarkasse, den Straf- 
prozeduren u. s. w. und endlich in Verbindung mit den 
Büchern der jetzigen Kantonalbank. 
Es versteht sich von selbst, dass die Klagepartei das ganze 
Material einer Gerichtsexpertise zur Verfügung hält. 

Endlich füge ich hinzu, dass in den Geldstagen Adler, Roth 
und Niggli der Kanton Solothurn keine Konkursdividende eihält : 
der Staat geht also aller seiner Ansprüche in jenem Verfahren 
L 76-78. verlustig. Ich produzire ein Zeugniss. 



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79 — 



De jure. 
A. 

Die Legitimation des Staates znr Klage. 

Die Aktivlegitimation des Staates Solothurn, die vor- 
liegende Klage gegen die frühern Organe der Hypothekarkasse 
zu erheben, unterliegt keinen Bedenken. 

Sie stützt sich auf die Thatsache, dass der 
Kanton in alle Rechte und Pflichten der Hypo- 
thekarkasse eingetreten ist. In meinen Augen ist 
es ganz unnöthig, die Frage zu erörtern, ob der Kanton Solothurn 
als früherer Aktionär und als Rechtsnachfolger aller übrigen 
Aktionäre nunmehr diejenige Klage einleiten könne, welche dem 
Aktienverein zugestanden wäre: Der Aktien verein ist auf- 
gehoben und die Aktien bestehen nicht mehr. Ebenso ist nach 
meiner Ansicht jene Konstruktion nicht weiter zu verfolgen, 
welche sich anlehnt an das Garantieversprechen, das der Staat 
8. Z. abgegeben hat: es erscheint zutrefiFender, diese Rechtsstel- 
lung nicht als eine Bürgschaft zu charakterisiren. 

„Simplex dumtaxat et unum" ist ein Satz, welcher nicht 
bloss für Dichter, sondern auch für Juristen verwendbar erscheint. 
Gemäss § 19 des Gründungsgesetzes vom 21. November 1868 
konnte die Auflösung der Ilypothekarkasse durch Beschluss des 
Kantonsrathes erfolgen. Dieselbe hat gemäss dem Gesetze über 
die Errichtung einer Kantonalbank vom 10. Januar 1885 statt- 
gefunden. Das gleiche Schicksal traf auch die Solothurner Bank 
und bezüglich beider Institute wurde bestimmt, dass eine Liqui- 
4ati(m nicht erfolge. Dann wurde hinzugefügt: 

Die Aktiven und Passiven derselben gehen 
auf den I.Januar 1886 an die Solothurner 
Kantonalbank über. 



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— 80 — 

In diesem Vorgange liegt zweifellos eine 
Universalsuccession: die Eantonaibank ist vermöge 
dieses einheitlichen Rechtstitels Rechtsnachfolger der Hypothekar- 
kasse geworden und damit sind auch alle Klagen auf sie über- 
gegangen, welche sie anstrengen könnte, wenn sie wirthschaft- 
lich noch am Leben wäre. Die Kantonalbank Solothum ist nun 
ein rein staatliches Unternehmen und daher hat der Staat das 
Recht über die Anhebung der Klagen definitiv zu beschliessen. 
Dieser Entscheid ist getrofiFen worden. 

Für die Richtigkeit der hier vorgebrachten Konstruktion ist 
auch an diesem Orte auf 

H e u s l e r , Institutionen des deutschen Privatrechts 11, 
S. 533, Anm. 2 zu verweisen, der den vorliegenden Thatbestand 
ausdrückUch als Universalsuccession bezeichnet hat. 

Es liesse sich auch von einer eigenthümlichen Gesanunt- 
succession in alle Aktiven und Passiven reden. Dieser Vorgang 
steht im modernen Rechte nicht allein. 

An der Zulässigkeit dieser juristischen Konstruktion wäre 
nur dann zu zweifeln, wenn es sich um höchst persönliche 
Rechte handeln würde. Allein der Fall einer actio vindictam 
Spirans liegt nicht vor. Der Klageanspruch auf Ersatz eines er- 
littenen ökonomischen Schadens repräsentirt ein bilanzmässiges 
Activum der Hypothekarkasse, welches vermöge der erwähnten 
Universalsuccession auf den Inhaber der Kantonalbank über- 
gegangen ist. Dieser Vorgang lässt auch die Natur der einzelnen 
Klagen, welche die Hypothekarkasse hätte einleiten können, selbst- 
verständlich unberührt und soweit dieser Anstalt eine actio ex 
contractu zugestanden ist, ging diese auch auf die Kantonalbank 
und den Staat Solothurn über. 

Juristisch angesehen, habe ich nicht den mindesten Zweifel 
darüber, dass der Kanton Solothurn vollständig befugt ist alle 
Klagerechte auszuüben, welche der Hypothekarkasse zur Seite 
gestanden sind. 






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— 81 — 

B. 
Die materielle Grandlage der Klage im Allgemeinen. 

Um für die Beurtheilung der vorliegenden Prozesssache einen 
sichern Boden zu gewinnen, erscheint es mir als rathsam, die 
Rechtsstellung der einzelnen Organe der frühem Hypothekarkasse 
auseinander zu legen und deren Haftpflicht kurz zu bezeichnen. 

Hernach muss genau und im Detail das Sündenregister der 
Einzelnen vorgeführt werden, soweit es sich nicht schon aus den 
Facta ergibt. 

1. Der Direktor. 

I. DerDirektor der Hypothekenbank muss 
für omnis culpa einstehen auf Grund des 
zwischen ihm und der Akti onär Versammlung 
abgeschlossenen Honorarvertrage s. Die Haft- 
pflicht für Dolus ist ausser Zweifel. 

Es ist allerdings richtig, dass die juristische Subsumtion 
der Direktion einer Aktiengesellschaft in der Theorie nicht un- 
bestritten war. Man hat schon davon gesprochen, dass die Direk- 
toren „verwaltende Socii*^ seien. Eine andere Ansicht nannte sie 
Institoren, andere Juristen bezeichneten sie als Vereinsbehörde 
und zwar als diejenige, welche die Exekutive hat. 

Regelsberger, der in einem die bekannte Krisis über 
Leu & Cie. behandelnden Bechtsgutachten die verschiedenen Auf- 
fassungen sorgfaltig zusanunengestellt hat (Beiträge zur Lehre 
von der Haftung der Behörden und Beamten der Aktiengesell- 
schaften, Giessen 1872) führt meiner Ansicht nach (S. 17 — 19) 
mit Recht aus, dass die Anstellung des Direktors auf einem Ver- 
trag zwischen der Aktiengesellschaft und dem Gewählten beruhe 
und dass die Elemente des Mandates hier zutreffen. 

Sobald diese rechtliche Basis feststeht, ist auch der Schluss 
motivirt, dass der Direktor der Hypothekarkasse für jede Fahr- 
lässigkeit aufzukommen hat. 

In unserm Falle war der Direktor der Hypothekarkasse in 
der That das ausführende Organ. 

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-^ 82 — 

n. Zu dem gleichen Resultate führt auch 
die hier zunächst massgebende Bestimmung, 
welche im solothurnischen Gesetz über die 
Hypothekarkasse aufgeführt ist. 

§ 53 des erwähnten Gesetzes enthält folgende Besthmnung : 
Der Direktor der Hy potb ekarkasse ist 
der erste Angestellte der Hypotbekar- 
kasse und der eigentliche verantwortliche 
Geschäftsführer derselben. 

Auch in dem Verwaltungsreglemente von 1869 und 1876 
wird in § 5 wiederholt, dass der Direktor der Hypothekarkasse 
der verantwortliche Gesdtäftsfiiihrer der Anstalt sei. 

UebersJl da, wo ein Gesetz über den Grad und das Mass 
der Haftpfiidit nichts sagt, umfasst es die Verantwortlichkeit für 
jede Fahrlässigkeit. Hier ist auch beiläufig auf § 1366 des 
Privatrechtes von Solothurfl zu verweisen. 

Welche Stellung der Direktor der Hypothekstrkasse einnahm, 
ergibt sich im Uebrigen aus dem Yerwaltungsreglemente. Ich 
mache namentlich auf § 6 aufmerksam. Speziell sei betont, dass 
der Direktor den Sitzungen des Verwaltungsrathes und der Ver- 
waltungskommission beizuwohnen hatte. 

2. Die VerwaltunisBräthe. 

I. Die Verwaltungsräthe sind juristisch 
ebenfalls als Mandatare des Aktienvereins 
zu bezeichnen und auch sie haften deswegen 
für omni s culpa. 

Die Begründetheit dieses Satzes ist wohl zweifellos. Die 
Verwaltungsräthe müssen also für die bei soliden Geschäftisleuten 
übliche Gewissenhaftigkeit imd Sorgfalt aufkommen, um so mehr, 
als ihre Dienstteistungen im vorliegenden Falle entgeldliche waren. 
(Vgl. % 2^ des Verwaltungsr^lementes.) 

Die Mission des Verwaltungsrathes bei Aktienvereinen und 
Genossenschaften besteht überall darin, ein Gegengewicht zu bild^ 
gegen die nac^ Aussen unbeschränkte Vertretungsbefugniss der 
Direktion. Einen effektiven Schutz kann aber der Aktienverein 



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— 83 — 

nur dadurch erhalten, dass die Ueberwachung der Geschäfts- 
führung durch den Yerwaltnngsrath mit Sorgfalt geführt wird 
und sich als eine eingehende, auf Beobachtung der Gesetze, 
Reglemente und Anordnungen gerichtete Eontrole der gesammton 
Operationen der Dirdction darstellt 

Gewiss ist es — im AUgemdnen gesprochen — nicht statt- 
haft, vom Verwaltungsrathe Unmögliches zu verlangen. Man wird 
in sorgföltigster Wd»e an der Hand des einzelnen Falles sich 
fragen müssen, was verstandige und gewissenhafte Leute gethan 
haben würden. Damit will idi sagen: es gibt keinen abstrakten 
Maseu^ab, d&c in allen Dingen zur Basis einer juristischen Mathe- 
matik gemacht werden könnte. Allein wahrend ein Direktor der 
Anstalt mitten in den Geschäften schnelle Entschlüsse zu fassen 
hat, ist der Yerwaltungsrath in der juatgenehmen Position, mit 
Buhe und unter sorgfaltiger Abwägung der Yerhältnisse seine 
Entscheide zu treffen. 

Darüber besteht kein Zweifel, dass die Verwaltungsrathe für 
rein zufällige Missgeschioke nicht aufkommen müssen, wohl 
aber für die Folgen mangelnder Sorgfalt und 
Gewissenhaftigkeit. 

n. Zu diesem Ergebnisse führt auch das zu- 
nächst massgebende Gesetz des Kantons Solo- 
thurn. 

§ 48 i. f. des Gesetzes betreffend die Gründung der Hypo- 
thekarkasse sagt: 

Der Verwal tungsrat',h ist für getreue Pflicht- 
erfüllung verantwortlich. 

Hier gilt wiederum der Satz, dass da, wo über den Grad 
der Haftpflicht keine Bestinunung vorliegt, auch die leichte Fahr- 
lässigkeit eingeschlossen ist. 

Femer ist auf § 27 des Verwaltungsreglements hinzuweisen, 
womach gesagt wurde : 

Die stete Ueberwachung der Geschäftsführung 
der Hypothekarkasse geschieht durch den Ver- 
waltungsrath und die Verwaltungskommission. 



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— 84 — 

in. Davon, dass die Haftpflicht der Verwal- 
tungsräthe auf die sogen, diligentia quam suis 
reduzirt werden könnte, ist in concreto keine 
Bede. 

Entscheidend ist für mich die Thatsache, dass das kantonale 
Gesetz über die Gründung der Hypothekarkasse dafür keinen 
Anhalt gewährt. 

Bekanntlich ist es aber auch sonst sehr kontrovers, ob jene 
Ermässigung an sich begründet sei. Regelsberger hat in dem citirten 
Gutachten (S. 22) seine Ansicht auf die Bestimmungen des zürche- 
rischen Rechtes begründet. An einer solchen gesetzlichen Grund- 
lage aber fehlt es hier. 

8. Die Delegirten des Verwaltungsrathes. 

Das Institut der Delegirten stützt sich auf § 27 des Ver- 
waltungsreglementes, womach der Verwaltungsrath berechtigt war, 
zwei Mitglieder zu bezeichnen, welche die Geschäftsführung der 
Hypothekarkasse in jedem Semester einmal zu prüfen hatten. 
Die Delegirten sind also in unserm Falle eine portio des Ver- 
waltungsrathes. 

Von den Delegirten des Verwaltungsrathes gilt grundsätz- 
lich natürlich das Gleiche, was von dem ganzen Kollegium und 
seinen Mitgliedern gesagt wurde. 

Hier ist nun speziell auszuführen, dass blosse Versuche die 
Ordnung herzustellen nicht genügten, um die Haftpflicht zu be- 
seitigen. So achtbar es an sich gewesen war, dass die Delegirten 
wiederholt reklamirten und so verdienstlich es auf der andern 
Seite war, dass sie mehrfach die Stimme des Rechtes und des 
Gewissens ertönen Hessen: es bleibt der Satz aufrecht, dass Er- 
mahnungen, Bedenken und Reklamationen nicht 
genügen, wenn man dazu angestellt ist und 
dafür honorirt wird, die Ordnung und Gesetz- 
lichkeit zu überwachen und herzustellen. Die 
Delegirten waren in ihrer Stellung als Verwaltungsräthe zu einem 
weit energischeren Einschreiten verpflichtet. Die- 
selben mussten im Kollegium bestimmte Anträge, z. B. auf die 



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~ 85 — 

Verweigerung weitern ungedeckten Kredites, ferneren Diskon- 
tirungen u. s. w. stellen und auf die Beschlusafassung 
über diese Anträge dringen. 

Eventuell hätten sie im Falle der Abweisung der Anträge die 
Angelegenheit zur Kenntniss der .Generalversammlung 
bringen sollen. 

Diese den V er waltu ngsräth en obliegende 
Rechtspflicht hat das Reichsgericht in einem 
bemerkenswerthen Entscheide klar formulirt 
und ausgesprochen (R. G. Civ. XTTT. S. 47). 

In unserm Falle ist die Tbatsache von hoher Bedeutung, 
dass die Delegirten ein klares Bewusstsein ihrer Position hatten. 

Ich verweise auf die in den Facta citirte Stelle ihres Berichtes, 
worin es heisst: 

Wir machen den V er wal tungsr ath auf die 
verantwortungsvolle Stellung aufmerksam. 

4. Die Verwaltungskommission. 

Die Funktionen derVerwaltungskommission sind doppelterNatur . 
In ihrem Yerhältniss zur Direktion und den übrigen Angestellten 
hat sie nur Rechte: insbesondere das Eontrolrecht und Beauf- 
sichtigungsrecht; im Verhältniss zum Verwaltungsrath und zur 
Aktiengesellschaft hat sie nur Pflichten: vornehmlich die Pflicht 
der Oberaufsicht. In diesem Verhältniss ist sie nichts anderes als 
ein Mandatar der Aktiengesellschaft. 

Daraus folgt ihre Haftpflicht im gleichen Masse wie diejenige 
aller übrigen Mandatare. Zudem liegt in unserm Falle ein ent- 
geltliches Mandat vor. 

Die Mitglieder der Verwaltungskommission haften nach Mass- 
gabe der den Verwaltungsrath regulirenden Rechtssätze. Diese 
Kommission steht der Direktion am nächsten und sie hat den 
grösstmöglichen Einfluss auf die Geschäftsführung gehabt. § 50 des 
Gesetzes drückte sich so aus : 

Der Yerwalhrngskommission steht die unmittelbare Aufsicht and 
Leitung der Qeschäfte zu. 

Dazu ist § 51 des Ges. und §§ 1, 3, 26, 27 zu vergleichen: 



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In § 52 des Gesetzes ^whd 

Die YerwaltUDg^kommiBBioii ist für getreue PfliohterftQluiig ▼emnt- 
wortlich. 

In welch unendlich dürftiger Weise die Yerwaltungskommission 
ihre Pflichten respektirte, haben die Faxita gezeigt. 



C. 
Die Beweisfrage. 

Die vorliegende Klage ist eine Klage ex 
contractu, weil die Klägerschaft die Rechte 
geltend macht, welche der Aktiengesellschaft 
zustanden. Daraus folgt, dass die massgebende 
Beweislast den Beklagten zufällt. 

Die Klägerschafb hat nur nachzuweisen: 

1. dass den Beklagten gewisse Kontroipflichten oblagen; 

2. dass zwischen diesen Pfliditen und dem eingetretenen Schaden 
ein Kausalzusammenhang vorhanden sei. 

Insbesondere also ist es nicht meine Sache den Beweis 
dafür zu leisten, dass die Beklagten ihre Pflichten nicht erfüllt 
haben, seien dieselben allgemeine oder besondere. Ebensowenig 
muss ich nachweisen, dass der eingetretene Schaden auf eine culpa 
der Beklagten zurückzuführen sei. Ich verweise für die Richtigkeit 
dieser Ansicht auf die Motive, welche dem deutschen Gesetzes- 
entwurfe betreffend die Kommanditgesellschaften auf Aktien und 
die Aktiengesellschaften (1884) mitgegeben worden sind. Dort 
kommt auf S. 147/8 folgende Stelle vor: 

Stets hat der Kläger den Umfang der Obliegenheit und die Causa- 
lität der Verletzung derselben zu dem Schaden nachzuweisen. Auf der 
andern Seite aber ist es allgemein gültige Kegel, dass der aus einem 
kontraktlichen Yerhältnisse Verpflichtete die Erfüllung seiner Verblmd- 
lichkeit, oder nachzuweisen hat^ wesshalb er eine Nichterfüllung nieht 
zu vertreten habe. 

Jede Verbindlichkeit, sei sie auf ein Thun oder unterlassen ge- 
richtet, sei sie allgemeiner Natur oder besondern Inhalts^ umfasst immer 
zugleich die Anwendung eines gesetzlich bestimmten Masses von Sorg- 
falt. Bei der Frage nach der Beweislast der letztern handelt es sich 



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— 87 — 

dihep koineiwegs um mn. Ycrtrasen oder MisateneB gegenflbtr dem 
Yerpfliefatet^ londera ledigU«h um die Frage der Erfülliug seiner 
Pflkhtexi. DeBigemäse wird nach gemeinem, wie nftoh prenssisohem und 
französisohem Reobte aus der Natur des Mandats, sowie der Bechen- 
Bobaftspfficht der Terwalter fremden Yermögens und der dabei mit- 
wirkenden Personen unbeanstandet gefolgert, dass dieselben, mn sieh 
▼OB der, Yertretang siner Sefafldigung oder Mindemi^ des ibrmr Be- 
au&iobligung und Verwaltung unterst^ltoB Vormagens zu befreien, dar- 
zuihua haben, dass die Schädigung oder Minderung nicht in Folge einer 
YemadüiBsigung ihrer Obliegenheiten eingetreten sei, dass diese yiel- 
mebr yon ihnen pflichtgemäss erfallt worden. 

Auch das Reichsgericht hat diese Grundsätze mit Schärfe 
ausgesprochen (R. G. Civ. XIII. 46). 

Der Hauptbeweis muss von den Beklagten insbesondere dafür 
geleistet werden: 

1. entweder, dass die ihnen obgelegenen Verbindlich- 
keiten wirklich beobachtet worden seien; 

2. oder, dass solche Umstände vorhanden seien, welche 
ihnen die Erfüllung jener Obliegenheiten unmöglich gemacht haben. 

Wie es mit einem solchen Beweisthema praktisch kommen 
wird, ist angesichts der Facta leicht vorauszusehen. 

Was die der Klagepartei obliegende Beweisleistung anbe- 
trifft, so verweise ich auf das mehrfach citirte Gutachten Yersin 
und Lutz, S. 54 u. 55. 



D. 

Der rechtliche Einflnss der von der Generalversammluiig 
erlassenen Beschlüsse. 

I. Die allgemeine Genehmigung der Be- 
schlüsse der Generalversammlung ist in der 
vorliegenden Prozesssache ohne materielle 
Bedeutung, weil diese Instanz nach den ihr 
gemachten Vorlagen keinen Grund zu Erklä- 
rungen oder Beschlüssen hatte. 

Der rechtliche Einfluss der von der Generalversammlung er- 
lassenen Beschlüsse ist in der Litteratur sehr kontrovers. Allein 



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— 88 ~ 

die ganze Frage muss nach den praktischen Erschei- 
nungen des Lebens beurtheilt werden. Man hat sich zu 
fragen, welchen Massstab der Prüfung die Generalversammlungen 
in den einzelnen Fällen beobachten. Wer gegen das Leben nicht 
blind sein will, wird zugeben müssen, dass es eine Sache der 
Unmöglichkeit für die Generalversammlungen ist, in das 
Detail der Rechnungsverhältnisse einzudringen. Ich glaube 
nicht zu weit zu gehen, wenn ich sage, dass die hier vorliegenden 
allgemeinen Genehmigungsbeschlüsse im Grunde nichts anderes 
dokumentiren, als das Vertrauen der Aktionäre in die richtige 
Geschäftsführung der Organe der Gesellschaft. Die virtuelle Kraft 
und Bedeutung der Beschlüsse der Generalversanmilungen fusst 
nicht sowohl auf sachlichen Gründen, als vielmehr auf der üeber- 
zeugung und HofiFnung, dass nach dem sichtbaren d. h. 
äusserlichen Eindrucke d er V erh äl tni s s e die 
Ges eil Schaft s Organe bei der Aufstellung und 
Prüfung der Bilanz und der Geschäftsführung 
mit der erforderlichen Sorgfalt verfahren sein 
mögen. Die Generalversammlung dekretirt eine Art wirth- 
schaftlichen Vertrauens- und Glaubensartikel. Dies ist mit Recht 
auch ausgesprochen worden von V. Simon: die Bilanzen der 
Aktiengesellschaften (Berlin 1886) S. 237. 

Indessen kann man finden, diese AuflFassung lege den Be- 
schlüssen der Generalversammlung eine zu geringe Bedeutung bei. 
Allein gesetzt, es sei dies der Fall, so ist doch so viel klar, dass 
sich die Beklagten durch die Generalversammlung nicht als 
gedeckt ansehen können. 

1. Schon begriffsmässig ist nachdrücklich zu betonen, 
dass die Generalversammlung gar nicht in der Lage ist,^ 
Ungehörigkeiten in der Geschäftsführung hervorzuheben 
und zu tadeln, wenn ihr dieselben nicht förmlich und 
in transparenter Weise zur Kenntniss gebracht worden 
sind. Die Decharge hat also schon prinzipiell ihre 
Grenzen, es müsste denn sein, dass sich an den blossen 
Vorgang der Genehmigung ausnahmsweise z. B. 



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— 89 - 

durch ein besonderes Gesetz ein Verzicht auf spätere 
Bemängelung knüpfen würde. 

Dieser exceptionelle Fall liegt hier nicht vor. Daher 
darf gesagt werden : die Decharge wirkt natur- 
gemäss und begr if f smäs sig nur so weit, 
als die Kenntniss der Aktionäre um die 
Geschäftsführung reicht. 

Dies ist auch die wiederholt und sehr bestimmt formulirte 
Ansicht des deutschen Reichsgerichtes. Ich verweise auf 
Bd. Xn, 8. 77. In dieser Entscheidung wird wörtlich 
ausgesprochen : 

„In der von einer Generalversammlung 
dem Vor Stande ertheilten Decharge 
liegt nicht mehr als die Erldärung, dass die 
Generalversammlung aus den ihr ge- 
machten Vorlagen keine Veranlassung 
zu einer Monitur entnimmt, mithin den 
Vorstand für seine Geschäftsführung, 
soweit dieselbe aus jenen Vorlagen er- 
kennbar ist, entlastet. ** 

Ferner mache ich aufmerksam auf: 
Bd. Xin, S. 51. Hier wird die aus der regelmässig 
erfolgten Dechargirung entnommene Einrede schon aus 
dem Grunde als unbeachtlich erklärt, weil die Gene- 
ralversammlung sich mit der Decharge nur 
so weit präjudizire, als sie aus den ihr ge- 
machten Vorlagen die Geschäftsführung 
des Vorstandes zu übersehen vermöge. 
2. Statutenwidrigkeiten und überhaupt Pflichtverletzungen, 
welche sich aus den der Generalversammlimg gemachten 
Vorlagen nicht klar und deutlich ergeben, werden 
durch die allgemeinen Genehmigungsbeschlüsse der Gene- 
ralversammlungen nicht sanirt: auf derartige Vor- 
gänge erstreckt sich die Entlastung überall 
nicht, wie das Reichsgericht a. a, O. ebenfalls aus- 
gesprochen hat. 



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— 90 — 

3. Die verschiedeneii Aktiengesellsohaftsorgane haben gar 
kein Recht zu verlang^i, dass die Oeneralversanunlung 
ihnen Misstrauen entgegenbringe und den Jahresbericht 
an der Hand der Bücher und Belege und üb- 
rigen Skripturen prüfe und kontrolire : „es steht ganz 
im Ermessen der Qeneralversammlung, ob sie eine solche 
Prüfung anordnen wül* (R.-G. XH, 78). 

Die Aktionäre können und müssen sich nach der Lage 
der Dinge an die Aeussemngen der statutennsässig fixirten 
Organe halten. Das Schicksal der Aktionäre hängt also 
ab von der richtigen Funktion des eingerichteten Apparates. 

4. Nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen ist es Pflicht des 
Vorstandes und der übrigen Organe, die Generalversamm- 
lung über vorgefallene Statutenwidrigkeiten 
aufzuklären und sein Schweigen ist eine 
weitere Pflichtwidrigkeit, welche eine Be- 
rufung auf die ertheilte D^charge auch in 
dem Falle ausschliessen müsste, wenn man 
geneigt wäre, der Entlastung prinzipiell eine 
grössere Bedeutung einzuräumen. 

Dieser Satz ist wörtlich einem Entscheide des deutschen 
Reichsgerichtes (Bd. XÜ, 78) entnommen. 

In Zusammenfassung des Gesagten muss also Folgendes 
betont werden: 

Die allgemeinen Beschlüsse der Generalversammlung sind 
nicht geeignet, die Beklagten von den Folgen ihrer culposen 
Handlungsweise zu befreien und zu entlasten : jede Bil- 
ligung, auch die stillschweigende, setzt die 
Kenntniss des zu Billigenden voraus (R^els- 
berger S. 62). Mit dieser Auffassung stimmt auch die Meinung 
von Munzinger und Büzberger (Gutachten betreffend die recht- 
lichen Verhältnisse Leu & Cie., 1871, S. 18): Die General- 
versammlung hat nur das ratifizirt, was ihr 
zur Ratifikation vorgelegt worden ist und der 
Natur der Sache nach von ihr ratifizirt werden 
sollte. 



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— Ol- 
li. Mit Unrecht ist in der Theorie von einer 
culpa der Generalversammlung gesprochen 
worden. 

Es war eine geis<a^iche Wendulig von Regelsberger, wenn 
er in Sachen Leu & Cie. von einer Verschuldung der General- 
versammlung sprach (S. 63 ff.)« Diese ganze Konstruktion scheint 
mir unhaltbar. 

1. Die Generalversammlung ist der souveräne Ausdruck der 
Aktiengesdlschaft, wie schon Bluntsdüi (Rechtsgutachten 
i. 8. Leu & Cie., Zürich, 1872, 8. 23) ausgeführt hat. 
Daraus folgt, dass sie nicht verantwortlich ist gegenüber 
den Aktionären. 

2. Uebrigens würde es auch an dem Nachweise einer Fahr- 
lässigkdt fdilen: die Generalversammlung hatte ange- 
sichts der hier erfolgten Verschleierung 
der Geschäftsgebahrung kdne Ursache zu Re- 
klamationen und daher kann das Stillschweigen und die 
allgemeine Genehmigung der Jahresrechnung keine Fahr- 
lässigkeit involviren. 



E. 
Die Solidarität der beklagtisclien Verpflichtungen. 

Das Gutachten Yersin und Lutz hat mit Recht betont 
(S. 86 — 67), dass die Beklagten solidarisch für ihre culposen 
Handlungen verantwortlich seien. 

Es kommt übrigens § 982 des Civilgesetzes des Kantons 
Solothum zur Anwendung, wonach gesagt wird: 

Wenn mehrere Personen gemeinsohaftlioh für eine und dieselbe 
Leistung verpflichtet sind, so haftet jede derselben fOr die ganze Schuld 
nmd zwar so, dass der Ql&nbiger einen einzelnen Mitschuldner für das 
Ganze oder jeden derselben für seinen Theil belangen kann. 

Damit stimmt auch das gemeine Recht und Art. 673 O.-R. 



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— 92 — 



F. 



Die speziellen rechtsverpflichtendeii Handlangen nnd Unter- 
lassnngeu der Beklagten. 

1. Der Direktor. 

I. Der gewesene Direktor Niggli hat strafbare 
Handlungen begangen, für welche er auch zivil- 
rechtlich voll verantwortlich ist. 

1. Niggli hat die Bücher der Hypothekarkasse gefälscht. 
Er. hat am 31. Dezember 1884 einen Angestellten verleitet, 

skontirte Wechsel der Firma Roth & Cie. auf ganz eigenthüm- 
liehe Weise in die Wechselkontrole aufzunehmen. 

Daraus ergibt sich, dass Wechsel in einem bedeutenden 
Betrage nicht an richtiger Stelle fortlaufend eingetragen und nicht 
in's Portefeuille gelegt worden sind. 

Durch diese Manöver ist wenigstens in vorübergehender 
Weise die Höhe der Engagements der Firma Roth verschleiert 
worden. 

2. Niggli hat in doloser Weise den 30. August 1885 die 
Höhe der Engagements von Roth & Cie. zu 1,119,482 Fr. 
beziflfert, während dieselben damals schon 1,500,000 Fr. erreichten. 

Niggli hat überhaupt versucht, seine Vorgesetzten, die Mit- 
glieder der Verwaltungskommission dadurch zu täuschen, dass er 
in die Zusammenstellungen der Engagements von Roth & Cie., 
welche der Verwaltungskommission von Zeit zu Zeit vorgelegt 
werden mussten, die verfallenen und die in Zirkulation befind- 
lichen Wechsel nicht aufnehmen liess. 

Dieses Faktum wurde im Schwurgerichtsprozess im April 
1888 von dem frühern Buchhalter, Franz Kaiser, bezeugt. 

Freilich wäre diese Täuschung bei einer gewissenhaften Ver- 
waltungskommission nicht möglich gewesen, weil diese Wechsel, 
wie derselbe Zeuge am nämlichen Orte deponirt, im Livre de 
risque eingetragen waren und dieses Buch den Verwaltungs- 
behörden stets zur Disposition offen lag. 



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— 93 - 

Ich lege das Zeitungsreferat über die Yerhandlungen yor 
(Solothumer Tagblatt No. 96). 

3. Endlich hat Niggli auf nicht eingelösten Wechseln andere 
Verfallzeiten eintragen lassen. 

4. Niggli hat in der dolosen Absicht, die vorgesetzten In- 
stanzen zu täuschen, zu wiederholten Malen (vom 24. März 1882 
bis Ende 1885) von den den Klienten berechneten Diskonto- 
beträgen einen Bruchtheil einem andern Konto gutschreiben lassen, 
um aus diesem Gelde gewisse Wechsel ohne Wissen der Verwaltungs- 
kommission abschreiben zu können. Der erwähnte Konto erreichte 
einmal (Ende Dezember 1884) die Höhe von Fr. 31,376. 32. 

Der Beweis hiefiir liegt im Skonto-Konto im Konto-Korrent- 
Kreditorenbuch. Die Urkunde wird einer allfalligen Expertise bei 
der Kantonalbank Solothurn zur Einsicht gehalten. 

IL Der Direktor Niggli hat eine Reihe cul- 
poser Handlungen begangen, für welche er 
zivilrechtlich ver an t w o r 1 1 ich ist. Sein ganzes 
geschäftliches Vorgehen darf füglich als eine 
dem Dolus ganz nahe stehende Nachlas sigkeit 
(culpa dolo proxima) bezeichnet werden. 

1. Niggli hat die ihm wiederholt ertheilten Weisungen, die 
EngSLgements Roth & Cie. zu reduziren, beständig miss- 
achtet imd, anstatt sie zu befolgen, im Gegentheil denselben durch 
Erhöhung jener Engagements direkt entgegengearbeitet. 

Ich verweise auf die Beschlüsse der Verwaltungs k o m - 
m i s s i n vom 

3. Februar 1880, 
19. Mai 1880, 

1. März 1884, 
30. Januar 1885, 
12. Februar 1885, 
27. Mai 1885. 

Ferner kommt in Betracht: 

Der Beschluss des Verwaltungsrathes vom 20. November 
1883. 



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— 94 — 

Dieses ganze Gebahren des Nig^li ist um so stauneDswerther, 
als er nach den vorliegenden Verhältnissen wira^ mus^ste, 
dass die Firmen Roth längst sehr schlecht standen. 

2. Niggli hat femer verschiedene ihm von der Verwaltungs- 
kommission ertheilte Vorschriften nicht beachtet. Ich erwähne den 
Beschluss der Verwaltungskommission vom 3. Februar 1880, 
wodurch 

a) die Diskontirung an eine einzelne Firma den Betrag Yon 
100,000 Fr. nicht übersteigen darf; 

b) von Zeit zu Zeit, z. B. monatlich, über den Stand der 
Skontirungen der Verwaltungskommission Bericht zu er- 
statten war. 

ad a) Die Engagements wurden gar nie auf dieses festgestellte 
Maximum reduzirt, sondern überschritten es in inmier 
grossem Beträgen. 

ad h) Diese Berichterstattung erfolgte in viel zu langen Inter- 
vallen, als dass sie dem Zweck des Beschlusses hätte ent- 
sprechen können. 

Ferner ist hinzuweisen auf den Beschluss der Verwaltungs- 
kommission vom 31. März 1883, dahin gehend: 

es seien die diskontirten Wechsel in jeder Sitzung vorialegen und 
grössere Begehren vorher dem Entscheide der Yerwaltungskommission 
zu unterbreiten. 

Auch dieser Beschluss ist nicht befolgt worden, letztere Vor- 
schrift ist mit Bezug auf Roth & Cie. gar nie beobachtet worden 
und die erstere nur ganz imregelmässig und willkürlich. Die 
Bemerkungen im Gutachten von Yersin und Lutz, S. 29 sind dess- 
wegen nicht zutreffend, weil die Verwaltungskommission ganz 
unzweifelhaft kompetent war, solche Vorschriften dem Direktor 
gegenüber aufzustellen. Uebrigens wäre die Befolgung jener 
Norm von einer gewissenhaften Direktion auch ohne 
besondern Beschluss zu erwarten gewesen. 

Femer konunt in Betracht der Beschluss derVer- 
waHungskommission vom 2 0. November 188 3. 



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^ 95 - 

Bei jeder ReehinmgsprüfuDg ist der Stand der Wechsel- 

verpffichtmigen jedes einzelnen EHenten in tabeUarisefaa* 

Uebergicfat der YerwaltungskominBsion zur Einsicbl Yor- 

zulegen. 

Dieser Beecbluae wurde wiederholt den 5. Hki 1885 und 

zum ersten Mal ausgeführt den 27. Mai 1885. 

3. Direktor Niggli hat entgegen allen Bankusanzen viel zu 
langsiditige Wechsel Ycm Roth & C^. diskontirt — ganze 
Bordereaux nrit einer mittleren Y&hXl^t tou a(^ht Monaten 
(Deleg.-Bericht 18. November 18&4). 

4. Ni^li hat Wechsel didcontirt, die zum Theil gar nicht, 
zum Theil nur ungenügend versichert waren. 

5. Als Protokollführer der Verwaltungskommission und des 
Verwaltungsrathes. hätte Niggli darauf halten sollen, dass die Pro- 
tokolle, sowie die Berichte jener an diesen, regelmässig unter- 
zeichnet würden, was aber meistentheils nicht geschah. 

Ueberhaupt spiegelt sich die ganze Geschäftsführung in der 
salcqjpen und unordentlichen Art, wie diese Protokolle geführt 
wurden. 

6. Direktor Niggli hat femer sehr häufig verfallene Wechsel 
von Rdth & Cie. viel länger behalten lassen, als diess mit einer 
korrekten Geschäftsführung vereinbar ist. 

Der Beweis hiefür liegt in dem Briefe vom 24. Oktober 1883, 
cfefr in dem faktischen Theile (8. 40) erwähnt wurde. 

7. Niggli hat den 4. Juni 1883 die oben in extenso mit- 
getheilte Erklärung und Cession der Firma Roth & Cie. als eine 
reale Sicherheit angenommen, ohne die Yerwaltungskommission zu 
befragen oder ihr diesen Akt vorzulegen. 

Er hat dabei unterlassen, für Einreichung eines Verzeich- 
nisses der cedirten Forderungen und Waaren zu sorgen und die 
primitivste Vorschrift über Cession von Forderungen — die Mit- 
theilung der Cession an die jeweiligen Schuldner — nicht befolgt, 
80 dass sich diese ganze Verschreibung formell und materiell als 
rechtsungültig imd die dai^ebotene Sicherheit als werthlos erweist. 

Der Fall Winistörfer hätte Allen als ein deutliches Momente 
dienen sollen. 



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2. Der Direktor, 
der Verwaltungsrath und die VerwaltongakommiBsion. 

I. Alle diese Organe haben posrtive Vor- 
schriften ignorirt. 

1. Sie haben sich in gleicher Weise über die für sie 
bindende Vorschrift des §17, Abs. 4u. 5 desVer- 
waltungsreglements hinweggesetzt, womach nur Wechsel 
hätten skontirt werden dürfen, welche die Unterschriften von 
wenigstens zwei zahlungsfähigen, im Ernten angesessenen Personen 
tragen. 

Diese Bestimmung war s. Z. getroffen worden, um die 
Diskontirung von Wechseln auf das Ausland zu verhindern und 
es entsprach dieselbe der Bestimmung und dem Zweck des Instituts 
als einer Hypothekar -Kasse im Gegensatz zu einer Girobank. 
Keines der beklagten Organe hatte die Befiigniss, dieser Vor- 
schrift zu derogiren. Die Norm war daher zu beobachten und 
es wären alsdann die vorliegenden gewaltigen Engagements gar 
nicht möglich gewesen. Unter allen Umständen aber hätten die 
Organe der Hypothekarkasse darauf hinwirken müssen, dass die 
Bestimmung auf dem allein möglichen und korrekten 
Wege der Gesetzgebimg aufgehoben wurde. Ein dahin 
zielender Versuch wurde niemals gemacht. 

Dagegen sind für grosse Summen Wechsel diskontirt worden, 
die nur eine Solothumer- und eine auswärtige Unterschrift trugen 
oder für welche Werthpapiere zu Pfand gegeben wurden, die der 
Vorschrift des Gesetzes nicht entsprachen, wie z. B. : 

Ord.-Nr. 235. Wechsel Nr. 45310 diskontirt am 25. Juni 1881 
* Fr. 20,000 pro 24. September 1881, 
Schuldner: J. Roth & Cie. 

Faustpfand: Handschrift von Fr. 20,000 auf Fabrikant 
Schweizer, der, wie man uns sagte, schon damals gar keine 
Garantie darbot. 
Ord.-Nr. 338. Wechsel Nr. 48687, diskontirt am 27. Januar 1882, 
Fr. 18,000 per 26. Februar 1882, 
Schuldner: J. Adler imd V. Adler, Pfand 50 Arth-Rigi- 
Bahn-Aktien. 



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97 



Ord.-Nr. 353, 411, 466, 499, 516, 565, 578 

(200 N.-O.-B.) oder Wechsel, welche, nach der I 

in der Wechselkontrole zu schliessen, gar nur ei 

Schrift trugen und für welche kein Faustpfand be 

Ich citire diesfalls folgende Ordnungsnummem des y< 

Auszuges (Beil. 18) diskontirter Wechsel: Nr. 44, 61 

125, 135, 145, 152, 165, 170, 174, 177, 208, 219, 229 

Diese Verhältnisse sind im Gutachten Yersin und Lui 

und wahrheitsgemäss festgestellt worden. 

2. Femer ist die Bestimmung des § 8 des Gese 
Jahr 1874 verletzt worden, womach die nach § 6 u 
nämlichen Gesetzes zu verwendenden Gelder den vierten 
Aktienkapitals nicht übersteigen dürfen. Diese Missach 
während der ganzen Periode statt. 

Auch hierüber gilt das unter 1 Gesagte. 

n. Sämmtliche Beklagte haben sie 
die den Behörden der Hypothekarka 
liegenden Pflichten hinweggesetzt. 

Trotzdem alle Beklagte seit dem Jahre 18 
später aus den umständen hätten schliessen 
und sollen, dass die Firmen Roth & Ci( 
und ihre Antheilhaber finanziell schlechi 
und sich nur durch ausgedehnte Wechselr 
zu halten vermögen, haben sie nicht verhindert, 
Gelder der Bank so schlecht angelegt wurden. Durch i 
lässigkeit haben sie dieses Spiel ermöglicht. 

Es geht jenes Wissen aus folgenden Umständen l 
1. Roth & Cie., Roth, Schläfli & Cie. besassen 
Hypothekarkasse einen Konto-Korrent - K r e c 
Konto, der sich schon anno 1880 entgegen den ge 
Vorschriften in einen Konto-Korrent-D e b i t o r ( 
verwandelte, wornach sie ganz erhebliche Summe] 
waren (bis zu 56,000 Fr.). Bezeichnend ist, 
Schuldner wiederholt an die Berich 
dieser Schulden gemahnt werden n 



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— 98 - 

2. In den kleinstädtischen Verhältnissen von Solothurn konnte 
es den Organen der Hypothekarkasse nicht unbekannt 
sein, was sie auch aus der Wechselkontrole 
entnehmen mussten, dass Roth & Cie. mit Roth, Schläfli & Cie. 
in sehr engem Yerhältniss und wechsebechtlich mit enormen 
Summen verknüpft waren, sowie dass von den näm- 
lichen Personen, z. B. von Schläfli allein be- 
trügerischerweise drei verschiedene Firmen 
geführt und gezeichnet wurden. 

Es wäre dieses Faktum geeignet gewesen, die Organe 
der Hypothekarkasse zu veranlassen, dass sie nicht bloss 
Verdacht schöpfen, dass sie vielmehr als gewissenhafte Kauf- 
leute jeden Verkehr mit solchen Firmen radikal abbrechen 
würden. Das ruhige Zusehen ist unbegreif- 
lich und unverantwortlich. 

3. Zum nämlichen Entschluss hätten alle Bankorgane gelangen 
müssen angesichts der vielen mehr als ver- 
dächtigen gegenseitigen Wechselbürg- 
schaften. 

Das Gutachten Yersin und Lutz fand eine erhebliche 
Anzahl von Wechseln eingetragen, welche z. B. von 
J. Roth & Cie. ausgestellt und von J. Adler, dem Associ6, 
verbürgt waren ; oder welche J. Adler zum Aussteller und 
seinen Vater V. Adler zum Bürgen oder Indossanten hatten, 
oder auf welchen sich J. Roth-Bloch als Schuldner und 
Associe J. Adler und dessen Vater V. Adler als Bürgen 
verpflichtet hatten. 

Die gleiche Beobachtung musste Jeder machen, der 
die Bücher auch nur oberflächlich prüfte. Die Organe der 
Hypothekarkasse konnten sich ihr nicht entziehen. 

4. Nicht weniger verdächtig waren die vielen Wechselprolon- 
gationen, die unzweideutig auf die schwunghaft betriebene 
Wechselreiterei hinweisen. 

Der im schwurgerichtlichen Prozesse zugezogene Experte 
Herr Rechtsagent J. G. Arnold in Zürich sagte mit Recht: 



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— 99 — 

Die Wechselreiterei hat der Direktion nioht entgehen kennen, weil 
•der Wecbselyerkehr sich beständig in hohen mnden Beträgen bewegt 
hat nnd immer dieselben Strohmänner in Berlin und Btrassburg die 
Trassanten gewesen sind. 

5. Auch dadurch diskreditirten sich die genannten Firmen, 
dass sie sich viel zu langsichtiges Papier diskontiren Hessen. 
Die Hypothekarkasse hat Roth & Cie. Wechsel diskontirt 
mit Verfallzeiten von acht und mehr Monaten, während 
bei einem ordentlichen Bankbetrieb nicht über 3 — 4 Monate 
diskontirt wird. 

6. Endlich Hess die Generalverpfilndung und Abtretung sänmit- 
lieber Aktiven durch Roth & Cie. keine vernünftigen Zweifel 
darüber aufkommen, dass diese Firmen einen über ihre 
Kräfte und Mittel hinausgehenden Kredit in Anspruch 
nehmen mussten. 

8. Die Verwaltungskonimission. 

L Sie hat die ihr durch § 50 des Gründungs- 
gesetzes aufer legten Pflichten in gröblichster 
Weise vernachlässigt. 

Insbesondere mangelte die Aufsicht und 
Leitung mit Bezug auf Wechseldiskontirungen. 
Im Jahr 1879 hat die Verwaltungskommission an den Ver- 
waltungsrath den Antrag gestellt, dass der Verwaltuugs k o m - 
mission mit Bezug auf Wechseldiskontirungen freie Hand ge- 
lassen werde. 

Dieser Antrag war mit folgenden schönen Motivirungen ver- 
sehen : 

Bei Einreichung von Diskontogesnohen wird die dar- 
gebotene Sicherheit genau geprüft nnd nnr solche Wech- 
sel angenommen, welche unzweifelhaft als gut bezeichnet 
werden dürfen. Solche Papiere, bei welchen die Sicher- 
heit einzig in der indossirenden Firma gesucht werden 
müsste, werden nicht angenommen. 

Die Verwaltungskommission wird nicht ermangeln, 
dem Diskontogeschftft die grösstmogliche Aufmerksam- 
keit zuzuwenden und der Direktion die nöthigen Wei- 
sungen zu ertheilen. In jeder Sitzung wird sie sich über 



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— 100 — 

die skoBtirieii Wechsel Bericht erstatten lasBen. Ueber 
die jeder einzelnen Firma tkontirten Papiere, seien es 
Eigenwechsel Dritter oder direkte fiigenirechselv wird 
eine Kon trole geführt, welche jeden Angenhlick über die 
H5he der einer Firma skontirten Papiere An fschluss gibt. 
Der Antrfiig wurde vom Verwaltimgsrath nach längerer Dis- 
kussion in der Sitzung vom 28. September 1879 angenommen, 
aber die citirten Worte blieben leere Versprechen; denn that- 
sächlich hat die Rom mis sion es demDirektor 
voll und ganz überlassen im Wechselgeschäft 
zu schalten und zu walten, wie ihm beliebte. 
Es lässt sich kaum ein schneidigerer Widerspruch denken zwischen 

1. diesen bestimmt abgegebenen Erklärungen und 

2. diesem klaren Bewusstsein der Pflichten 

auf der einen Seite und der realen Entwicklung der Dinge auf 
der andern Seite. 

Die Kommission hat jeweilen die dargebotene Sicherheit 
nicht geprüft, sie hat sich nicht regelmässig, geschweige denn in 
jeder Sitzung über die skontirten Wechsel Beriebt erstatten lassen. 
Dass vollends von einer Kontrole und einer „grösstmöglichen Auf- 
merksamkeit" keine Bede war, braucht nicht extra gesagt zu werden. 

Die Verwaltungskommission hat zwar von Zeit zu Zeit Vor- 
schriften und einschränkende Bestimmungen für die Diskontirungen 
aufgestellt, allein sie hat sich um deren Befolgung 
oderMissachtung nicht bekümmert. Die juristische 
Konsequenz dieses Benehmens ist klar. Die Verwaltungs- 
kommission ist überhaupt in ihrer Stellung als 
Direktion und Aufsichtsbehörde in allen den- 
jenigen Punkten verantwortlich, in ^welchen 
der Direktor seine Pflicht und die ihm er- 
theilten Weisungen nicht befolgt hat. 

n. Die Verwaltungskommission hat die 
durch die D el e gi r t en b eri ch te veranlassten 
Beschlüsse desVerwaltungsrathes auch ihrer- 
seits nicht befolgt, trotzdem diese für sie als 
beaufsichtigende und leitende Behörde binden- 
derundzwingenderNaturwaren. 



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— 101 — 

Die Mi%lieder der Kommisdon haben trotz der Yon den 
Delegirten und vom Verwaltungsratb wiederholt und immer dring- 
licher gestellten Beehren auf Reduktion der Engagements 
Roth & Cie. gestattet, dass dieselben fortwährend zunahmen, bis 
sie eine schwindelhafte Höhe erreichten. Als diese Engagements 
von Roth & Cie. zum ersten Mal im November 1879 
gerügt wurden, betrugen dieselben die relativ sehr bescheidene 
Smmne von 142,000 Fr. und beim Zusammenbruch im Jahr 1887 
die aus den Facta sich ergebende schwindelhafte Höhe, die mit 
der achtbaren Ziffer zweier Millionen beginnt. 

in. Die Verwaltungskommission hat auch darin 
ihre Pflicht nicht gethan, dass sie nicht für 
regelmässige und rechtzeitige Anfertigung und 
Vorlegung der Monatsrechnungen sorgte. 

Dem entsprechend sind denn auch die Prüfungen dieser 
Rechnungen wiederholt um Monate verspätet vorgenommen und 
dazu noch in einer ganz ungenügenden Weise. Es folgt dies 
daraus, dass die Fälschung der Wechsel-Kontrole vom Dezember 
1884 von Niemandem bemerkt wurde, dass den Mitgliedern der 
Verwaltungskommission niemals Wechsel auf J. Grossmann & Cie. 
in London vorgelegt wurden, wie sie in der Strafuntersuchung 
erklärt haben. 

IV. üeberhaupt hätte die Verwaltungskom- 
mission angesichts der fortwährenden Ver- 
mehrung der Engagements von J. Roth & Cie., 
die ihr durch die Berichte der Delegirten so- 
wohl als durch ihre eigenen Untersuchungen 
bekannt waren und der steten Missachtung der 
Beschlüsse des Verwaltungsratb es vom 2 0. No- 
vember 1883 und ihrer eigenen, sowie auch 
der dem Direktor ertheilten Weisungen schon 
längst beim Verwaltungsratb die Abberufung 
des D ir ekt ors b e wir k en oder ihreeigene De- 
mission erklären müssen. 



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— 102 - 

Mit Recht sagt das Qutachten Yersin und Lutz: 

H&tte sie ein einziges Mal in den Jahren 1883 n. ff. einer Auf- 
nahme des Wechselinyentars beigewohnt oder sich dabei Tertreten lassen 
und hfttte sie femer alsdann die Bilanz der Konto-Korrent-Kreditoreo 
nachgesehen, so hätte sie entweder eine grosse Zahl unbezahlter rer- 
fallener Wechsel von J. Roth & Cie. angetroffen, welche, zu den laufen- 
den noch unyerfallenen hinzu gerechnet, das Total der Engagements 
wesentlich grösser hfttte erscheinen lassen, als es ihr bekannt gegeben 
worden sein mochte, oder aber es hätte die Kreditoren-Rechnung^ 
Roth & Cie. wahrscheinlich eine ziemlich bedeutende Schuld an die 
Hypothekarkasse ergeben. (Belegbrief vom 24. Oktober 1883, Seite 14.) 

V. Die Verwaltungskommission hat in den 
§§ 30 und 31 des Verwaltungsreglements ent- 
haltene Vorschriften nicht respektirt. 

Sie hätte unbedingt, sobald sie die Verschreibung des Waaren- 
lagers und der Debitoren-Ausstände von J. Roth & Cie. in Berlin 
erfahren hatte, dem Verwaltungsrathe solche zur Kenntniss bringen 
und von ihm entscheiden lassen sollen, wie hoch dieselben zu 
belehnen seien. Dabei hätte sie sich des wirklichen Bestandes 
derselben versichern sollen. 

Nichts von Alledem ist geschehen. Die nothwendige .Notifi- 
kation an die Schuldner erfolgte nicht. 

Die Verwaltungskommission, welche neben dem Direktor für 
die korrekte Geschäftsbesorgung hätte sorgen sollen, erfüllte also 
in keiner Weise ihre Pflichten, und es ist für Jeden, der dieses 
Gebahren objektiv prüft, rein unverständlich, wie e» 
möglich gewesen ist, dass die Dinge sich so abwickelten wie es 
geschehen. 

Nacb dem Gesetze und dem Reglemente wollte man die 
Direktion eben nicht mit der ganzen Machtfülle ausrüsten. Daher 
kommt es, dass die Verwaltungskommission als Mittelglied ein- 
geschoben wurde, das direkt neben der Direktion handle und 
kontrolire. 

Der gesetzgeberische Gedanke war gut, wie schlecht aber 
wurde er in der Praxis ausgeführt! 

Von einer „getreuen Pflichterfüllung**, welche 
der Verwaltungskommission oblag, ist also nichts zu sehen. Sie 



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— 103 — 

hat nichts getreu untersucht, ihre eigenen Versprechungen ver- 
läugnet und ihre Stellung gegenüber der Direktion auf eine wahr- 
haft unglaubliche Weise verkannt. Die Yerwaltungskommission 
that das Gegentheil von dem, was sie hätte thun sollen. 



4. Der Verwaltungsrath als Gesammtbehörde. 

Abgesehen von dem schon Gesagten muss hier femer betont 
werden : 

I. Der Verwaltungsrath hat jede ernsthafte 
Kontrolirung unterlassen. 

Die Mitglieder des Verwaltungsrathes benahmen sich so, als 
ob sie nicht wissen wollten, wie effektiv operirt wurde. Und 
doch war ihnen durch die Berichte der Delegirten klar geworden, 
wie die Gesetze und Reglemente verletzt wurden. Das Material 
lag dem Verwaltungsrath detaillirt vor und er hätte darauf ge- 
stützt einschreiten sollen. 

Hierin imterscheidet sich der Verwaltungsrath von den 
blossen Revisoren, die nach einem einheitlichen Formulare ihre 
stets gleichen Angaben machten. Die Revisoren mögen entschul- 
digt sein, die Verwaltimgsräthe sind es nie! Denn sie hatten 
eine stete Fühlung und eine klare üebersicht 
über die ganze Geschäftsgebahrung. 

IL Der Verwaltungsrath hat den Berichten 
der D elegirt en keinen o der wenig st ens einen 
zu geringen Glauben geschenkt. 

Die Erscheinung ist unerklärt, weswegen die Delegirten die 
Stimme des Rechts ohne jeden Erfolg erhoben. Schon das 
Gutachten Yersin imd Lutz bemerkt mit Recht, dass wahrschein- 
lich jeder andere Verwaltungsrath anders verfahren wäre. 

in. Der Verwaltungsrath hat gar keine ernst- 
hafte Anstrengung gemacht, u m die Ausführung 
der von ihm wiederholt verlangten Reduktion 
der Engagements von Roth & Cie. zu erzwingen. 



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— 104 — 

Der unerhörte Kredit, der der Firma Roth & Cie, gewährt 
wurde, nahm im proportionalen Yerhältnisse zur Verschlechterung 
ihrer Lage zu: je bedenklicher die Oekonomie Roth wurde, um 
so grösser wurde ihr Kredit bei der Hypothefcarkasse. Wenn ein 
solches Qebahren nicht die Bezeichnung von Pflichtvergessenheit 
und Gewissenlosigkeit verdient, so weiss ich nicht, wann man 
diese Charakterisirung mit Grund geltend machen kann. 

IV. Der Ver waltungsrath war ausserordent- 
lich energielos. 

Er hätte fest auftreten sollen gegen den Ungehorsam des 
Direktors. Die unausgesetzten Zuwiderhandlungen gegen § 1 7 AI. 4 
des Verwaltungsreglements hätte er nicht dulden sollen. Ich ver- 
weise auf § 54 AI. 3. 

Wer nicht die Energie hat, bei der Wahrung der ihm anver- 
trauten Interessen nur diese ins Auge zu fassen, hat von den 
Verwaltungrathsstellen fern zu bleiben. Thut er es nicht, so 
muss er die volle Verantwortung seiner Nachlässigkeit über- 
nehmen. 

5. Die Delegirten. 

Die Delegirten sind ein Theil des Verwaltungsrathes. Sie 
haben sich deswegen gegen alle dieser Instanz mit Grund ge- 
machten Vorwürfe zu vertheidigen. Es ist also auf schon Gesagtes 
zu verweisen. 

Nun ist es allerdings richtig, dass die Delegirten der Hypo- 
thekarkasse wiederholt die Gelegenheit ergriflfen, um gegen die 
unerhörten Geschäftsmanipulationen zu protestiren: ihre Berichte 
sind eine Art Sonnenblick mitten in dem bedenklichen Schatten- 
gemälde. Gewiss also haben die Delegirten ein Anrecht, dass 
man mit ihnen noch speziell verkehre. Und dies soll geschehen. 

I. Auf den Delegirten lastet eine grosse 
Schuld, welche unmöglich beseitigt werden 
kann. Die Delegirten kannten die entsetzliche 
Mis s wir th 8 chaf t , allein sie Hessen es an der 
nöthigen Sorgfalt und Energie fehlen, ihr zu 
steuern. 



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— 105 — 

EGer liegt der entscheidende Punkt gegenüber den Dele- 
girten. So achtbar es von ihnen war, die üngehörigkeiten auf- 
zudecken, so zeugte es von einer unbegreiflichen Lauheit, 
ja von einem staunenswerthen Indifferentismus, dass sie 
den allein richtigen Weg nicht betraten. Und was hätten die 
Delegirten thun können? Sie hätten das Recht und die Pflicht 
gehabt, auf die Abberufung des Direktors hinzuwirken. Trotz 
spezieller Anfragen über die Stellung von Anträgen wurde darauf 
verzichtet. 

Das allgemeine Begehren nach Abrüstung war durch 
und durch ungenügend. Das militärische Kommando ist leicht, 
aber die Schwierigkeit besteht darin, es auszuführen. Warum 
wurde von den Delegirten nicht am rechten Orte zum 
Alarm geblasen als anstatt der verlangten Abrüstung ganze Bat- 
terien von Geldsummen in den Sumpf geführt wurden? In 
jener lendenlahmen Geltendmachung der so 
berechtigten Wünsche und Begehren liegt die 
juristische Gleichgültigkeit und Sorglosig- 
keit, welcheals culpa charakteri sir t werden 
mu s s. 

Ja ich gehe nicht zu weit, wenn ich sage, dass die culpa 
einen hohem Grad erreicht, gerade deswegen, weil die Delegirten 
ein volles Verständniss für die Polgen der Pflichtvergessenheit 
hatten: es war ihnen völlig klar, dass die Wirthschaft aufhören 
sollte imd dass sie gegen die Gesetze verstiess. Trotzdem rafften 
sie sich nicht dazu auf, die Zustände nervöse und klar zu schil- 
dern und beim Verwaltungsrathe Abhülfe zu verlangen und zu 
beantragen oder die Sache vor die Generalversammlung zu 
bringen. 

Für die Abberufung des Direktors lag wahrlich ein ge- 
nügender ZündstoflF vor. Welcher Direktor hat sich einer so 
dauernden und unqualifizirbaren Unbotmässigkeit schuldig gemacht 
wie Niggli? Diese Thatsache wäre ein durchaus überzeugender 
Grund gewesen, um das Verhältniss zwischen Niggli und der 
Hypothekarkasse zu lösen. Der Direktor war verpflichtet, die 
Beschlüsse des Verwaltungsrathes zu respektiren und sie zur 



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— 106 — 

Ausführung zu bringen. Er war überdies verpflichtet seine An- 
sichten über das, was im Interesse der Bank vorzunehmen oder 
zu unterlassen war, der Auffassung des Verwaltungsrathes unter- 
zuordnen. 

Es ist mir unklar geblieben, weswegen sich die Delegirten 
die fortwährende Missachtung ihrer Rügen gefallen Hessen. 

Die Delegirten können sich wahrlich auch darauf nicht be- 
rufen, dass sie ihre Verantwortlichkeit ablehnten (18. November 
1884). Wenn man im militärischen Dienste ist, genügt es keines- 
wegs, das Pulver parat zu halten, es gilt zu schiessen, auch auf 
die Gefahr hin, dass Jemand getroffen wird und dass ein Lärm 
entsteht. Warum hat Herr Oberst Roth mit Herrn Trog bei der 
Wahrung der ihm anvertrauten Interessen nur konstatirt was 
geschehen war, warum nur protestirt? Das möge begreifen, wer 
es kann. 

n. Die Delegirten hatten nach dem Verwal- 
t ungsreglem en te die Pflicht, die Geschäfts- 
führung der Hypothekarkasse in jedem Semester 
einmal zu prüfen. Diese Pflicht wurde verletzt 
und auch dadurch wurde di e Mi s s wir th scha f t 
ermöglicht. 

Das ganze Räderwerk einer Aktiengesellschaft ist auf der 
Voraussetzung aufgebaut, dass die einzelnen vorgesehenen Organe 
das thun, wozu sie bestimmt sind: das juristische und wirth- 
schaftUche Schicksal der Aktionäre hängt ab von der richtigen 
Funktion des statutengemässen Apparates. 

Im vorliegenden Falle war den Delegirten vorgeschrieben, 
die Geschäftsführung der Hypothekarkasse in jedem Semester 
einmal zu prüfen. Dies geschah nicht. Die Delegirten 
begnügten sich mit einer einmaligen Untersuchung im Jahre. 
Hierin liegt ein grober Verstoss. Unzweifelhaft 
wäre bei einer korrekten Erfüllung der den Dele- 
girten obliegenden Pflicht die Fortführung 
der Misswirthschaft und das ganze dolose und 
fahrlässige Treiben nicht möglich gewesen. 



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— 107 — 

Allein auf der üngehörigkeit und Pflichtvergessenheit der 
^ einen Organe bauten sich diejenigen der andern schichtenweise auf. 



6. Die Herren Roth und Heutsohi speaieU. 

Die beiden Beklagten handelten ausserordentlich fahrlässig, 
als sie bei der ihnen aufgetragenen und angenommenen Unter- 
suchung der Bücher am 7. Mai 1885 sich mit dem neuen Haupt- 
buche und seiner Vorlage begnügten. Die Berufung des Herrn 
Oberst Roth, dass dies ja „die Arbeit eines Begierungsrathes^ 
gewesen sei (Beil. 13 und 14. 8. 20/21 der Strafprozedur), ist 
angesichts der Mandatspflicht unerheblich und nichtssagend. 



7. Der gewesene Direktor der Kantonalbank 
Hr. Heutsohi spesielL 

(Reohtsbegehren No. 2.) 

Herr a. Regierungsrath Heutschi war eine derjenigen Per- 
sonen, welchen der wirthschaftliche Sumpf genau bekannt war, in 
dem sich die Firma Roth & Cie. schon lange befand. Neben 
Niggli war er derjenige Mann, welcher unmöglich darüber im 
Irrthum sein konnte. 

Er war daher bei dem XJebergange der Hypothekarkasse an 
die Kantonalbank verpflichtet, die Abwickelung der Schuld- 
verhältnisse ernsthaft an die Hand zu nehmen. 

Er hat es nicht gethan und der Eiintonalbank in seiner 
Stellung als Direktor durch Unthätigkeit sowohl als durch weitere 
grob fahrlässige Kreditirungen einen Schaden von Fr. 80,000 
zugefügt. 

Das in den Facta geschilderte und unter Beweis gestellte 
Vorgehen ist ebenso unbegreiflich als culpos. 



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G. 
Das Quantitativ der Klage. 

Die Höhe der Elagesumme kann nicht streitig sein. Eyentuell 
wird die wiederholt angerufene Gerichtsexpertise in Verbindung 
nut allen Akten und Büchern dieselbe aufrechtstellen. 

üeberhaupt wird selbstverständUch sowohl prinzipiell als 
quantitativ jeder der Klägerschaft obliegende Beweis in rechts- 
genügender Weise offerirt. 

Mit ausgezeichneter Hochachtung 

Prof. Dr. Meili, 
Advokat. 

Zürich, den 30. Oktober 1888. 



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Verzeichniss der Beilagen. 



1. Vollmacht. 

2. Erklärung der Kantonalbank bezüglich der Abtretung aller 
Rechte. 

3. Gesetz betreffend Gründung einer Hypothekarkasse vom 
21. November 1868. 

4. Verwaltungsreglement vom 19. März 1869. 

5. Verwaltungsreglement vom 25. April 1876. 

6. Abänderung des Hypothekarkassa-Gesetzes vom 18. Juli 
1874. 

7. Attest (Jer Stew-tskanzlei vom 20. September 1888.^ 

8. Gesetz und Geschäftsreglement für die Solothumer Kan- 
tonalbank. 

9. Auszug aus dem schweizerischen Handelsamtsblatt vom 
Jahr 1883 betreffend die Firma Roth & Cie. 

10. Auszug aus dem Protokoll des Notar J. Amiet betreffend 
Errichtung einer Zweigniederlassung der Firma Roth & Cie. 
in Berlin. 

11. Auszug aus dem nämlichen Protokoll betreffend Um- 
wandlung der Zweigniederlassung in ein Konunissions- 
geschäft. 

12. Schreiben des Herrn Justizrath Richter vom 1. Mai 1883. 

13. Strafprozedur gegen Roth, Adler, Sieber und Niggli. 

14. Belege dazu. 

16. Brief des Herrn Heutschi an Herrn Brosi vom 7. März 

1888. 
16. Gutachten der Herren Yersin und Dr. Lutz. 



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— 110 — 

17. Detaillirte Zusammenstellung der Engagements von Roth 
& Cie. per 28. April 1887. 

18. Auszug aus der Wechselkontrole. 

19. Zusammenstellung der anderweitigen Engagements von 
Roth & Cie. 

20/26. Wechselkontrolen der Hypothekarkasse vom 6. Juni 

1878 bis 31 ; Dezember 1885 (7 Bände). 
27/34. Protokolle der Verwaltungskommission vom Jahr 1879 

bis 1886 (7 Bände und 1 Heft). 
35: Protokoll des Verwaltungsrathes. 

36. Belegbuch des Verwaltungsrathes. 

37. Jahresberichte an die Aktionärversammlung 1869—1885. 

38. Jahresberichte der Eantonalbank pro 1886. 

39. ^ „ ^ „ 1887. 

40/47. Rechenschaftsberichte des Regierungsrathes an die ge- 
setzgebende Behörde 1879—1886. 

48. Protokolle der Aktionärversammlung. 

49. Abschriften aus den Kopierbüchern der Hypothekarkasse 
vom Jahr 1880—1883. 

50/51. Hauptbücher der Firma Roth & Cie. 

52. Auszug aus dem Protokoll der Direktion der Eantonalbank 
vom 1. Januar 1886 bis 23. April 1887. 

53. Auszüge aus dem Protokoll der kantonsräthlichen Bank- 
konmaission. 

54. Bericht der Bankuntersuchungskommission an den Kantons- 
rath vom 10. April 1886. 

55. Bericht der Herren Hunzinger und Heutschi an die Bank- 
untersuchungskommission vom 10. April 1886. 

56. Verhandlungen des Kantonsrathes vom Jahr 1887. 

57. Urtheil des Schwurgerichtshofes vom 25. Mai 1887 gegen 
NiggU und Konsorten. 

58. Urtheil des Schwurgerichtshofes vom 22. April 1888 contra 
Niggli und Konsorten. 

59. Verhandlungen des Kantonsrathes vom Jahre 1888. 

60. Beschluss des Kantonsrathes betreffend Anhebung der 
Klagen. 



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— 111 — 

61. Beschluss des KAntonsrathes betreffend die Aufforderung 
an die Beklagten. 

62. Mahnung und Bescheinigung der Zustellung derselben an 
die Beklagten. 

68. Mahnung und Vorladung an Herrn Heutschi. 

64. Zahlungsaufforderung an Herrn Oberstl. Roth. 

65. Mahnung und Empfangsschein von Herrn Jäggi. 

66. Zahlungsbefehl an Herrn Burkhardt-Eckenstein. 

67. Vorladung an Baumgartner's Erben. 

68. „ ^ Herrn Kaufmann. 

69. „ , Güggi. 
TO. . , , Niggli. 

71. , . . Zepfel. 

72. , „ , Lüthy. 

73. , , « Trog. 

74. Auszug betreffend die Erben des Herrn Zepfel. 
3 Belege dazu. 

75. Auszug betreffend die Erben des Herrn Baumgartner. 
5 Belege dazu. 

76. Kopie der Geldstageingabe für Fr. 450,223. 04 im Kon- 
kurs über Niggli. 

77. Kopie der Geldstageingabe per Fr. 1,350,000 im Konkurs 
über Niggli. 

78. Bescheinigung der Amtsschreiberei Solothum. 

79. Referat über die Schwurgerichtsverhandlungen. 



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